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Bildforschung II

Nun hat es doch etwas länger gedauert um eine Antwort zu finden. Nach Auswerten von alten Bildern und Ortsbegehungen in Hirschegg, glauben wir  inzwischen mit ziemlicher Sicherheit sagen zu können, dass im Bild das Haus Hirschegg 47 (heute Mühleweg 15) abgebildet ist. Die Information vom Kinderheim war allerdings eine Fehlinformation. Vielen Dank für eure Rückmeldungen. Es warten noch einige Bilder auf Beschriftung und wir hoffen wir können auch in Zukunft auch auf euch rechnen. Unter dem Bild habe ich noch Vergleichsbilder von anderen Vorschlägen die halbwegs plausibel waren gepostet.

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gesuchtes Bild; Signatur: wamu-3100

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Vergleichsbild: Hirschegg 47 (Mühleweg 15) (danke Sandra fürs Überlassen des Bildes!)

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Vergleichsbild: Hirschegg 47 (Mühleweg 15), Signatur: wamu-2366

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Vergleichsbild: Hirschegg 41 (Am Sonnenbühl 18a)

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Vergleichsbild: Hirschegg 46 (Walserstraße 228), Signatur: wamu-3152

wamu-3208Vergleichsbild: Haus Wäscher, Hirschegg 43 (Oberseitestraße 10), Signatur: wamu-3208

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Vergleichsbild: Kinderheim Sonnegg, Hirschegg 35 (Oberseitestraße 31)

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Vergleich: Hirschegg 20 (Am Berg 25)

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Vergleich: Haus Elferblick, Hirschegg 21 (Am Sonnenbühl 39)

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Vergleich: Altes Gemeindehaus, Hirschegg 49 (Am Sonnenbühl 2)

 

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Haiba

Wie hier schon einmal beschrieben, war die Landwirtschaft über Jahrhunderte die Grundlage der Existenz der Walser im Kleinwalsertal. Die Gewinnung eines guten und reichlichen Heuvorrats war und ist bei den langen Wintern immer noch von größter Bedeutung.

Das erste Heu liefern die Wiesen, welche im Frühjahr nicht beweidet werden, dann folgen diejenigen die beweidet wurden, was im Tal mit „Sobba“ bezeichnet wird. Dann folgt entweder das Bergheu oder die „Rüüche“ und am Ende der zweite Schnitt das „Oomed“ und bei besonders guten Sommern das „Sobbaoomed“. In der Regel wird im Kleinwalsertal zweimal abgemäht. Einige wenige Bauern machen heutzutage, wenn es das Wachstum zulässt, auch drei Schnitte.

An diesem Prinzip hat sich bis heute nichts grundlegendes geändert. Den Unterschied machen heute die Arbeitsgeräte und die maschinelle Bearbeitung. Im Guckloch haben wir einige wenige Arbeitsgeräte von früher ausgestellt, die den Bauern früher mehr oder weniger auslangten, um die Heuernte zu bewältigen (es fehlen u.a. Wetzstein incl. Behälter, Heinzeneisen oder Haikappa).

Es ist noch gar nicht so lange her, als man am frühen Morgen durch das Tal das „hämmern auf den Dengelstock“ hören konnte.

Museum 03
Fotoarchiv Walser Museum: wamu-6590

„guat dänglet ischt halb gmeit“ – gut gedengelt ist halb gemäht

„mit ara guat dängleta Sääges ischt guat meia“ – mit einer gut gedengelten Sense kann man leicht mähen

Museum 15Fotoarchiv Walser Museum: wamu-6581

wamu-5615Fotoarchiv Walser Museum: wamu-5615

wamu-6594cFotoarchiv Walser Museum: wamu-6594

Film: Heuernte in Mittelberg / Kleinwalsertal auf YouTube

Objekte im „Guckloch“
„Dengelstock“
zum Dengeln der Sense, Dengelroß – ab der Mitte verengtes Sitzbrett mit Tragloch und zwei eingesetzten Beinen, Dengelstock zylindrisch, mit umschließendem Eisenring oberhalb des Sitzbretts, mit eingeschlagenem Dengelbissa. Archivnummer: wamu-5547, alte Inventarnummer: Ta 4a, Höhe Stock: 42 cm, Länge Brett: 63 cm, Breite Brett: 21 cm, Material: Fichte, Ahorn, Buche, Eisen.

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„Dengelhammer“ zum Dengeln der Sense, auf Holzstiel aufgesetzter, geschmiedeter Eisenkopf. Archivnummer: wamu-5546, alte Inventarnummer: Ta 4b, Länge Stiel: 15,5 cm, Länge Kopf: 14 cm, Material: Eisen, Holz.

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„Sensenblatt – Sääges“, geschmiedetes Sensenblatt zur Heuernte, Sensenblatt mit angenageltem geschmiedeten Hals, Punze am Sensenblatt. Archivnummer: wamu-5543, alte Inventarnummer: Ta 1, Länge Sensenblatt: 65,2 cm, Breite Sensenblatt: 10,1 cm, leicht beschädigt, Material: Eisen.

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„Sensenstiel – Worb“, unregelmäßiger, achteckiger Stiel mit zwei Haltegriffen, in der Stielmitte Griff mit Hals, am Stielende halsloser Griff, Stiel mit Warzenloch, Archivnummer: wamu-5550, alte Inventarnummer: Ta 2, Länge Stiel: 140 cm, Material: Esche.

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„Schochaseil mit Trüa“ das zum „Schocha“ fassen verwendet wurde, Hanfseil mit in der Mitte befestigtem schiffchenförmigen Holzteil mit kreisförmigem Loch zum Durchlaufen des Seils, Bezeichnung im Holzteil (Trüa): H.B., Archivnummer: wamu-5538, Länge Seil: 1,324 m, Trüa: 1,9 x 15 x 5,2 cm, Material: Hanf, Buche.

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Leihgaben:
Hainza
Holzgabel
Holzrechen

Werbeplakat Cafe Seiwald

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Das Werbeplakat des Cafe Seiwald, mit der Pfarrkirche Maria Opferung in Riezlern und dem Hohen Ifen im Hintergrund, gestaltet von Fritz Uhlich und verlegt durch das Kunst- und Lichtdruckwerk Paul Richter, Magdeburg, stammt aus der Zeit zwischen 1936 und 1940. Es wurde zufällig im Jahr 2016 im Antiquariat Dieter Tausch in Innsbruck in einem Schaufenster entdeckt. Das Walser Museum entschied sich für den Ankauf des Objektes, da die Geschichte des Cafes bzw. der Familie exemplarisch auch die Geschichte des rasanten Tourismusaufstiegs in den 1930er Jahren im Kleinwalsertal erzählt.

Das Hotelierehepaar Hans und Amalie Seiwald kam im Jahr 1936 aus Garmisch ins Kleinwalsertal, baute 1936 ein Haus in Riezlern (heute Walserstraße 36) und bereits am 20. Dezember 1936 war die Eröffnung der Konditorei und des Café Seiwald. Das Café Seiwald war ein mustergültig geführter Betrieb und galt damals sogar als „kleine Sensation“. Frau Amely war mit Leib und Seele die, wie sie sich immer selbst nannte, „Kaffeesiederin“.

1936_Cafe SeiwaldGemeindeblatt für die politische Gemeinde Mittelberg, 16. Jahrgang, Nr. 51, 19.12.1936

Im Jahr 1944 wurde ein Teil der Volksschule Riezlern im Café untergebraucht, weil das Schulhaus als Lazarett verwendet wurde. Die französische Besatzung erkor ab Mai 1945 das Haus als Unteroffiziersmesse. 1950 wurde das Haus erweitert und es kam die „Mocca Stube“ dazu und der Betrieb erhielt den Namen „Café Amely“. Neben der bekannten Konditorei gab es den Tanztee und den Abendtanz. Die „Wahl der Blumenkönigin“, Modenschau mit Heinz Östergard, Kabarett „die Stachelschweine“ mit Dieter Hildebrandt und Auftritte von Vico Torriani gehörten zum Angebot des Hauses.

1948_Seiwald

Der Walser, 24. Jahrgang, Nr. 48, 27.11.1948

wamu-02689Cafe Amely, o.J., Aufn. und Verlag Photo A. Künzel, Riezlern, Postkarte, Archiv Walser Museum, wamu-2689

Kurzer Rückblick des Tourismus im Kleinwalsertal bis in die 1930er Jahre

Die frühesten Touristen sollen angeblich schon die Schwefelquelle in der Ortschaft Baad im Jahr 1434 zum Baden benutzt haben. Diese Quelle wurde bis 1860 noch zum Baden gebraucht, ist aber durch einen kleinen Erdrutsch versiegt.

Der erste namentlich bekannte Tourist war 1843 der Reiseschriftsteller Ludwig Steub, der seine Reiseerinnerungen 1846 in seiner Erstauflage des Buches „Drei Sommer in Tirol“ im Kapitel „Die beiden Walserthäler“ veröffentlichte. Ansonsten besuchten seit Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem fürstliche Jagdgäste und Alpinisten das Kleinwalsertal.

Die Eisenbahnlinie bis nach Oberstdorf/Allgäu wurde 1889 eröffnet und bot den Urlaubern schon eine günstige Anreise. Von Oberstdorf ging es dann zu Fuß oder per Pferdefuhrwerk weiter und 1930 wurde die Omnibusverbindung von Oberstdorf nach Mittelberg eröffnet.

IMG_6295Werbeplakat von Mittelberg aus den 1930er Jahren. Bis zum Jahr 1938 hatte jede Ortschaft (Mittelberg, Hirschegg, Riezlern) einen eigenen Fremdenverkehrsverein, welche ihre Orte auch völlig unabhängig voneinander bewarben. Erst durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1938 wurde die Werbung für das ganze Tal vereinheitlicht.

In den 1920er Jahren begann dann eine rasante Entwicklung des Tourismus. Sehr viele Menschen kamen damals schon vor allem aus Baden Württemberg. Die Bekanntheit des Tales in diesem deutschen Bundesland soll vor allem durch die Württembergische Schneeschuh-Kompanie Nr. 1 entstanden sein. Diese war während des 1. Weltkrieges zur Skiausbildung in den Hütten rund um die Melköde stationiert. Es begann in dieser Zeit bereits ein großer Zuzug von deutschen Staatsbürger, welche in der Folge auch eine entscheidende Rolle in der Tourismusentwicklung des Tales spielen sollten.

IMG_6296Werbeplakat von Hirschegg aus den 1930er Jahren

Große Bedeutung für den touristischen Aufschwung erlangte die am 1. Juni 1933 eingeführte „Tausend-Mark-Sperre“. Für die Ausreise von Deutschland nach Österreich wurde eine Visumgebühr von 1000 Reichsmark verlangt. Zunächst wurde auch das Kleinwalsertal in diese Anordnung einbezogen. Eine Abordnung des Tales reiste nach Berlin und erreichte, da sie sich auf den Zollanschlussvertrag von 1890 berief, die Aufhebung der Visumspflicht am 10. Juni 1933. Deutsche Gäste konnten nun ohne Einschränkung in das Tal reisen.

IMG_6294Werbeplakat von Riezlern aus den 1930er Jahren

Die Jahre darauf begann eine sehr rege Bautätigkeit, worunter auch der Bau des Cafe Seiwalds fiel, wie wir aus dem Gendarmeriebericht vom 27. Jänner 1937 erfahren. „Während der Jahre 1936 bis Herbst 1937 wurden in Hirschegg das Sportcafe-Fischer (Alpina), das Drogeriegebäude des Siegfried Walker, das Bankgebäude, das Sportheim „Württemberg“ und das Feuerspritzenhaus gebaut. Weiters wurden in Hirschegg noch 13 Privathäuser neu erstellt. In Riezlern wurde während der erstangeführten Zeit die Klinik Dr. Backer im modernsten Stile erbaut und eingerichtet. Es finden dort ca. 100 Personen Aufnahme. Die Klinik ist von Patienten dauernd besetzt. Weiters wurden in Riezlern zwei reichsdeutsche Zollwachhäuser, dann die Schreinerei Köberle, das Installationshaus Lingenhöl, das Cafe-Seywald, das Hotel-Walserschanz und noch 7 Privathäuser neu gebaut. Ferner wurde in Mittelberg das Sporthotel-Dreher in Baad, die Schreinerei Bruno Schuster, 3 reichsdeutsche Zollwachhäuser und 12 Privathäuser neu errichtet. Die gewerblichen Betriebe des Tales wurden fast durchwegs umgebaut und erweitert. Auch viele Privathäuser wurden für den Fremdenverkehr ausgebaut und eingerichtet.“

IMG_6297Werbeplakat Kleines Walsertal, 1938

„Haizuug“

wamu-02405Fotoarchiv Walser Museum: wamu-2405

Die Landwirtschaft war früher die Grundlage der Existenz für die Walser und somit auch für das Kleinwalsertal. Da im Tal kein Getreide wächst, war die Vieh- und Milchwirtschaft von großer Bedeutung. Die Arbeiten unterlagen einem gewissen Jahreszyklus. Im Frühjahr, wenn der Heuvorrat klein geworden ist, begann man das Vieh im Tal zu weiden. Möglichst bald zog man auf die „Vorsässe“ oder niederen Alpen und von dort im Sommer auf die mittleren und dann die höchsten Alpen. Im Herbst erfolgte diese Reihenfolge wieder talwärts. Im Oktober , wenn keine Beweidung mehr möglich war oder die ersten Schneefälle eingetreten sind, wurde das Vieh wieder in die unterschiedlichen Ställe gebracht und dort mit Heu den Winter hindurch gefüttert.

wamu-02406Fotoarchiv Walser Museum: wamu-2406

Die Gewinnung eines guten und reichlichen Heuvorrates war bei den langen Wintern von größter Bedeutung. Das erste Heu lieferten die Wiesen im Tal. Im August oder September begann die Gewinnung des Bergheus, das an meistens steilen, für das Vieh gefährlichen Hängen wachsende, meist kurze und trockene, äußerst nahrhafte Futter, das hauptsächlich aus Kräutern besteht.

wamu-02404Fotoarchiv Walser Museum: wamu-2404

Die Gewinnung war eine äußerst anstrengende und mitunter auch gefährliche Arbeit. Hoch oben in den Bergen findet man teilweise heute noch kleine Hütten oder Scheunen, oft nur unter die Felsen gebaut, die notdürftig Schutz gegen das Wetter boten. Dort blieben die Heuer oft ein paar Wochen lang. Für die Milch nahmen sie meist ein paar Ziegen mit. Die Mäher mit der Sense und Heuer mussten oft den ganzen Tag Steigeisen oder sogenannte „Griffschuhe“ (siehe Bild unten) tragen, um ihre Arbeit in diesem steilen Gelände bewerkstelligen zu können. Das Heu wurde dann in die Scheunen eingetragen oder es wurden sogenannte „Trischta“ (siehe Bild unten) errichtet. Dort verblieb es bis zum Winter, wo die Arbeit des „Haizuugs“ (Heuzug) begann. Das Heu wurde in feste „Buurdena“ (Bündel) gebunden und mehrere dieser an einander hängend auf einen Schlitten gepackt und oft über gefährliche Schlittenbahnen zum Hausstall geführt.

wamu-02403Fotoarchiv Walser Museum: wamu-2403

Objekte im „Guckloch“:
„Buurdenaseil“ zum Heu fassen, Seil mit 4 Holzteilen (Bschlääg), die lose am Seil hängen und einer „Trüüa“ die fest am Seil befestigt ist, das Seil wird zickzackförmig über den „Zuug“ gelegt (siehe Abbildung).
Archivnummer: wamu-5533, alte Inventarnummer: Ta 14, Länge: 210 cm, Material: Hanf, Holz, leicht beschädigt.

wamu-5533

burda

„Faßräächa“
Faßrechen (Heurechen) zum „Buurdena“ fassen und abziehen der „Buurda“, 13-zähniger Rechen aus Eschenholz mit Stiel aus Buchenholz, Drahtverspannung, Länge Stiel: 26,2 cm, Breite Rechen: 40,8 cm.
Archivnummer: wamu-5536, alte Inventarnummer: Ta 17, gut erhalten.

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„Haiberschuah“
Heuerschuhe für die Heuernte an steilen Hängen und in Bergmähdern, hohe Lederschuhe mit je zwölf Eisenbeschlägen, Höhe Schuh: 12,3 cm, Länge Sohlen: 25,4 cm.
Archivnummer: wamu-5544, alte Inventarnummer: Ta5, gut erhalten.

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„Trischta macha“
drista-macha-5Fotosammlung Günther Fritz, Bd. 2.

Liachtmäßgschtiftle

„Liachtmäßgschtiflte“ sind geweihte „Waggsröödel“ (Wachsringe) mit meist eingenähtem Silbergeld und Seidenbändern umwickelt. Im Kleinwalsertal wurden sie als äußeres Zeichen der Verlobung an Maria Lichtmeß (2. Februar) gestiftet, von der Braut in die Kirche getragen und dann dem Verlobten überreicht, der sie bis zur Hochzeit aufbewahrte.

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Maria Lichtmeß galt früher als beliebter und entscheidender Lostag. Im religiösen Sinn war es der Sonderfesttag der Hausfrauen. Die an Lichtmeß in der Kirche geweihten   Kerzen und kunstvoll gefertigten „Waggsröödl“ wurden bei Taufen und Sterbefällen, bei schweren Gewittern und sonstigen Nöten angebrannt und knüpften teilweise an mancherlei mythischen und magischen Volksglauben.

Große Dorfneugierde und manche Freude mag wohl die Weihe eines oder mehrerer „Liachtmäßgschtiftle“ ausgelöst haben, die seinerzeit von wohlhabenden Mädchen zur Kirche gebracht wurden und dann statt eines Verlobungsringes dem Bräutigam „gestiftet“ wurden. So ein kostbares „Liachtmäßgschtfit“ bestand aus einem aus meist drei Ringen „ihres“ Wachsstockes geflochtenen Reif, der mit gestickten Bändern kronenartig gebunden und den gleichen, wie beim Schappele herabhängenden Bändern versehen war. In der Mitte glänzte ein großer Silbertaler oder auch ein Goldfüchsle, ebenso vier kleine Münzen an den Seiten. Der glückliche Walserbursch gab dem „Gschtift“ in der elterlichen Stube einen Ehrenplatz, kündete es doch auf Ostern die große Hochzeit an. In manchen Walserstuben und im Museum in Riezlern finden wir heute noch jene kunstvollen Werke. Paare, die den Fasching als Heiratstermin ausersehen hatten, wurden zu Lichtmeß erstmals verkündet und den jungen Leuten winkte mit dem Lichtmeßtag der Beginn der „Hochfasnacht“.

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Zu Lichtmeß stellten die Handwerksmeister ihre neuen Lehrlinge und Gesellen ein und die Bauern haben üblicherweise das Alppersonal für den kommenden Sommer an Lichtmeß gedungen. Sie erhielten auch bereits schon ein Handgeld ausbezahlt, welches „d‘ Liachtmäßhafteg“ genannt wurde. Durch Jahrhunderte hindurch war Lichtmeß in bäuerlichen Belangen ein üblicher Zahlungstermin, dem der Gläubiger oft mit Schmunzeln, der Schuldner mit Sorgen entgegensah. Der Bauer maß am Lichtmeßtag, als die Halbwinterscheide, mit kritischem Urteil den Heustock ob dieser gleichen Schritt mit der Zeit gehalten habe. Manchem trieb es dann Sorgenfalten auf die Stirn, wenn etwa schon mehr als die Hälfte verfüttert war. Die Wetterpropheten weissagten und sagen noch heute, daß auf helle Lichtmeß dunkle Ostern folgen und ein alter Kehrreim lautet: Nebel bis Lichtmeß ist Brot  –  nach Lichtmeß Tod. So brachte dieser Lostag mit seinen alten Volksbräuchen mancherlei Würze und Abwechslung in das geruhsame Alltagsleben.

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