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100 Jahre Wilhelm Fritz

Der Eine betracht´s , der Andere verlacht´s , was macht´s ??

Anlässlich des 100. Geburtstages von Wilhelm Fritz wird am 15. April 2018 die Ausstellung 100 Jahre Wilhelm Fritz in der Sternpassage in Riezlern eröffnet.

Das museum:guckloch im Walser Museum in Riezlern wurde aus diesem Anlass bereits neu bestückt und lädt zum Schauen ein!

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Wilhelm Fritz (16.04. 1918 – 22.02.1995)
Der Name – eine Legende schon zu Lebzeiten: Wilhelm Fritz, Komponist, Liedtexter, Musiker, Buchautor,  Schulleiter, Kulturmacher, Brauchtumsforscher, ein Walser Urgestein im allerbesten Sinne. Anläßlich seines 100. Geburtstages (geb. am 16. April 1918) erinnert eine Ausstellung an das Leben und Wirken dieser schillernden und vielschichtigen Persönlichkeit.

Wilhelm Fritz wuchs als jüngstes Kind einer musikalischen Bergbauernfamilie in Mittelberg auf. Sein Vater spielte Geige und gründete mit seinen Kindern ein hauseigenes Streichquartett, in dem Wilhelm die Bratsche übernahm. So lernte er schon relativ früh Werke von Haydn und Schubert kennen.

Nach acht Volksschuljahren besuchte Wilhelm Fritz das Katholische Lehrerseminar in Feldkirch und maturierte dort im Jahre 1936. Seine erste Anstellung als Volksschullehrer führte ihn in die einklassige Volksschule in Bildstein, später unterrichtete er in Warth, bis er 1940 einrücken musste. Seine Musikalität und Fertigkeit auf dem Akkordeon und der Trompete brachte ihn im 2. Weltkrieg mit erfahrenen Musikern in Kontakt, von denen er vieles lernte. Seine große Liebe zur Oper entbrannte bei einem Aufenthalt in Oslo, als er das Akkordeon reparieren lassen musste und in der Stadt fast jeden Abend im Opernhaus zu sehen war. Zeugnis davon sind handschriftliche Notizen von Ausschnitten aus Opern wie “Parsifal“, „Tannhäuser“, “Carmen“, „Otello“, „Cavalleria Rusticana“ und „Samson und Dalila“, die er später als Organist bei Zwischenspielen und Auszügen nach der heiligen Messe auf der Orgel zum Besten gab.

Wilhelm Fritz kehrte 1945 vom Krieg heim und wurde sofort als Volksschuldirektor in Mittelberg eingesetzt. Es währte nicht lange und schon hatte sich eine Mädchensinggruppe um den feschen jungen Mann geschart: die „Goldene Dreizehn“. Die beste Sängerin Anneliese Seelenmayer wurde 1949 seine Frau. 1948 gründete Wilhelm Fritz den Männerchor Kleinwalsertal mit 22 Mitgliedern.

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Hochzeitsfoto am 11. Juni 1949, Archiv Walser Museum, Sign: wamu-817

Mit dem Kirchenchor stellte sich Wilhelm Fritz besondere Aufgaben. Die Kleine Orgelsolomesse von Haydn und die Schubertmesse in G-Dur gehörten zum Standardrepertoire und 1951 wagte er sich an Mozarts Krönungsmesse – das Orchester holte er sich von Oberstdorf. 1973 führte er mit den vereinigten Kirchenchören des Tals Haydns Paukenmesse auf. Das Orchester, bestehend aus ehemaligen Kriegskameraden, reiste aus Wels an.

Bald wurden im Tourismusort Mittelberg auch wieder die traditionellen Heimatabende aufgenommen. Wilhelm Fritz als Volksschuldirektor, Organist, Kirchenchorleiter und Leiter der Trachtengruppe Mittelberg bemängelte das Fehlen von „eigenen“ Liedern und begann, inspiriert von DichterInnen wie Ildefons Flatz, Margret Riezler und Haberilla Linder, selbst zu komponieren. Im Laufe der Zeit entstanden zuerst Lieder in der Hochsprache, dann etwa 200 Mundartlieder. Die Grundlage bildeten vor allem Gedichte aus dem Tal, dem Allgäu und dem Bregenzerwald.

Eine seiner Singgruppen, die weit über die Grenzen hinaus bekannt wurde, nannte sich „Walser Maika“. Dieses kleine Ensemble wusste bei Heimatabenden mit Liedern von Wilhelm Fritz zu überzeugen, sollte aber auch ab und zu bei der Sonntagsmesse einspringen, wenn der Kirchenchor nicht singfähig war. Hier griff Wilhelm Fritz auf die „Deutsche Bauernmesse“ von Anette Thoma zurück und beschloss schließlich im Jahre 1973, selbst eine Mundartmesse zu komponieren. So entstanden in der Folge die „Schwäbische Singmesse“, die „Allgäuer Mundartmesse“, die „Lustenauer Messe“ , die „Theodulmesse“ und die „Walser Kindermesse“.

Mittlerweile war der ausgebaute Heustall des alten Walserhauses in Mittelberg zu einem beliebten Treffpunkt von Singgruppen aus nah und fern geworden. Sängerinnen und Sänger aus dem Tal, dem ganzen Allgäu und dem Bregenzerwald gaben sich die Klinke in die Hand, wenn es darum ging, Texte vertonen zu lassen, neue Lieder einzustudieren, den letzten Schliff vor einem Auftritt zu erlangen oder auch nur in gemütlicher Runde zu singen und zu jodeln.

Die zahlreichen Vertonungen von Mundarttexten wurden 1992 im Singbuch „Liederbogen von Wilhelm Fritz“ zusammengefasst und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Viele davon sind Volkslieder geworden und seine fünf Mundartmessen für Männerchor, Frauendreigesang und gemischten Chor erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit.

Für seine vielen Tätigkeiten und das stete Bemühen um das Schulwesen, seine Heimat, die Kultur und die Musik erhielt Wilhelm Fritz sehr viele Ehrungen und Auszeichnungen

  • 1973 Anerkennungsschreiben des Bundesministeriums fürUnterricht für vorbildliche literarische Erziehung der Jugend
  • 1976 Ehrenringträger der Gemeinde Mittelberg
  • 1978 Verdienstkreuz des Landes Vorarlberg für kulturelles Schaffen
  • 1979 Ernennung zum Oberschulrat
  • 1983 Ehrengabe des Landes Vorarlberg für die Tätigkeit als Volksmusikreferent
  • 1986 Ehrenmitglied der Vlbg. Walservereinigung
  • 1988 Ehrenmitglied des Vlbg. Landestrachtenverbandes
  • 1989 Ehrenzeichen und Ehrenbrief des Österr. Sängerbundes
  • 1992 Ehrenmitglied des Vlbg. Volksliedwerkes

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Bildforschung

Im Fotoarchiv des Walser Museums bzw. der Gemeinde Mittelberg befinden sich zahlreiche Bilder, die nicht ganz leicht zu bestimmen sind. Wir werden hier nach und nach immer wieder Bilder veröffentlichen, wo eure Mithilfe gefragt ist. Wir freuen uns wenn wir durch Hinweise die Bilder noch genauer bestimmen können. Vielen Dank!

Weitere Bilder und Objekte aus dem Museum kann man auf folgenden Link finden!
Objekte Walser Museum

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Wer weiß wer die beiden Personen sind?

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Wer kennt die Person und wer weiß welches Jahr. Evtl. Max Hilbrand ? „Haizug uuf äm Füürstai – Heuzug auf dem Feuerstein“

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Wer kennt den Bauer?

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Wo stand/steht das Haus und wer kennt die Personen?

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Melköde. Wer ist auf dem Bild und wann könnte es entstanden sein?

Vo Ruufela ond Laubela

Gerade herausgekommen ist das Heft Nr. 3 der Kleinwalsertaler Schriftenreihe – Naturgewalten im Kleinwalsertal – Vo Ruufela ond Laubela.

Das Kleinwalsertal war und ist immer wieder durch außergewöhnliche Wettereinflüsse bedroht. Wie in anderen Regionen mussten sich die Bewohner des Tales immer wieder mit den eintretenden Klimaschwankungen arrangieren. Einen interessanten Überblick zu Lawinen- und Murenabgängen und besonderen Wetterereignissen schafft die neue Broschüre.

Erhältlich für 7 Euro in der ABC-Ecke in Hirschegg, beim Walserdruck in Riezlern und beim Bürgerservice der Gemeinde Mittelberg.

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Rodelsport im Kleinwalsertal

wamu-5640Harschchatza (Harschkatze), kleiner Rodel/Schlitten der zum Materialtransport verwendet wurde – zwei Kufen aus massiven Buchenbrettern, Sitzbrett aus Fichtenholz, Bezeichnung: LH. Archivnummer: wamu-5640, alte Inventarnummer: Ta 304, 12,5 x 53,5 x 30,3 cm.

Schlitten und Harschchatza wurden im Kleinwalsertal ursprünglich wohl fast ausschließlich für Tätigkeiten in der Land- und Forstwirtschaft verwendet. Heute sehen vermutlich die meisten Bürger des Tales das Rodeln als Freizeitbeschäftigung vor allem für Kinder.

Es gab allerdings eine kurze, heute so gut wie nicht mehr bekannte Episode im Kleinwalsertal, wo der Rodelrennsport besonders gefördert wurde.

Am 1. Dezember 1912 wurde die Gesellschaft „Rodelsport Riezlern“ gegründet.
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Zweck der Gesellschaft war den Rodelsport zu erhalten und fördern, sämtliche Rodler zu vereinigen und in ein geordnetes Wesen zu führen. Mitglied konnte jede Person beiderlei Geschlechts ab 16 Jahren werden. An den Rodelrennen durften sich alle Männer von 17 Jahren und Frauen von 16 Jahren an, beteiligten. In Punkt 6 der Anweisungen wurde angeführt, dass die Leitung der Gesellschaft aus den männlichen Mitgliedern eine Verwaltung gewählt wurde. Leopold Wüstner als Kassier und Alfons Köberle als Schriftführer zeichneten die Bestimmungen im Protokollbuch. Vorstand wurde der Riezler Kaplan Peter Längle, der auch gleich mit dem Pfarrherrn von Riezlern, Julian Längle und Doktor Ludwig Hämmerle zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Insgesamt sind 25 Damen und 34 Herren als Mitglieder des Vereins angeführt.

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Laut dem Stammbuch wurde der Rodelsport im Winter 1909/1910 vom Gemeindearzt Dr. Ludwig Hämmerle als erstem Rodler des Tales eingeführt. Auf Anregung des Riezler Pfarrers Julian Längle wurde im Dezember 1909 der erste Rodelweg erstellt und zwar „von Jod. Matts Schwand in 2 Kurven durch das Feld der Theresia Drechsel an die Straße. Am 23. Jänner 1911 fand das 1. Rodelrennen für Männer vom „Sack“ und für Frauen vom „Gehrentobel“ bis an die Straße bei Witwe Theresia Keßlers Haus statt. Rodelkönig wurde Pfarrer Julian Längle, der ein Preisgeld von 1 Mark 20 bekam. Rodelkönigin wurde Filomena Schuster, die für den 1. Rang ein Preisgeld von 70 Pfennig bekam. Danach wurde laut Protokollbuch bis zum Jahr 1913 eine Rodelbahn erstellt und Rodelrennen veranstaltet. Der letzte Eintrag im Buch stammt vom 9. Februar 1913. Ob im Winter 1913/14 noch Rodelrennen stattfanden oder der Verein noch Bestand hatte muss aus heutiger Sicht leider offen bleiben. Spätestens mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs im Jahr 1914 war er wohl mit ziemlicher Sicherheit Geschichte.

Empfehlenswert ist ein Besuch der Wintersportausstellung „Die Pionierzeit des Skilaufs von 1895-1940“ von Max Kessler im Walserhaus in Hirschegg. Neben der Skiausstellung findet sich hier auch eine interessante Auswahl an Rodeln, Schlittschuhen und anderen Wintersportgeräten.

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Bildforschung II

Nun hat es doch etwas länger gedauert um eine Antwort zu finden. Nach Auswerten von alten Bildern und Ortsbegehungen in Hirschegg, glauben wir  inzwischen mit ziemlicher Sicherheit sagen zu können, dass im Bild das Haus Hirschegg 47 (heute Mühleweg 15) abgebildet ist. Die Information vom Kinderheim war allerdings eine Fehlinformation. Vielen Dank für eure Rückmeldungen. Es warten noch einige Bilder auf Beschriftung und wir hoffen wir können auch in Zukunft auch auf euch rechnen. Unter dem Bild habe ich noch Vergleichsbilder von anderen Vorschlägen die halbwegs plausibel waren gepostet.

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gesuchtes Bild; Signatur: wamu-3100

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Vergleichsbild: Hirschegg 47 (Mühleweg 15) (danke Sandra fürs Überlassen des Bildes!)

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Vergleichsbild: Hirschegg 47 (Mühleweg 15), Signatur: wamu-2366

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Vergleichsbild: Hirschegg 41 (Am Sonnenbühl 18a)

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Vergleichsbild: Hirschegg 46 (Walserstraße 228), Signatur: wamu-3152

wamu-3208Vergleichsbild: Haus Wäscher, Hirschegg 43 (Oberseitestraße 10), Signatur: wamu-3208

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Vergleichsbild: Kinderheim Sonnegg, Hirschegg 35 (Oberseitestraße 31)

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Vergleich: Hirschegg 20 (Am Berg 25)

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Vergleich: Haus Elferblick, Hirschegg 21 (Am Sonnenbühl 39)

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Vergleich: Altes Gemeindehaus, Hirschegg 49 (Am Sonnenbühl 2)

 

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Wie hier schon einmal beschrieben, war die Landwirtschaft über Jahrhunderte die Grundlage der Existenz der Walser im Kleinwalsertal. Die Gewinnung eines guten und reichlichen Heuvorrats war und ist bei den langen Wintern immer noch von größter Bedeutung.

Das erste Heu liefern die Wiesen, welche im Frühjahr nicht beweidet werden, dann folgen diejenigen die beweidet wurden, was im Tal mit „Sobba“ bezeichnet wird. Dann folgt entweder das Bergheu oder die „Rüüche“ und am Ende der zweite Schnitt das „Oomed“ und bei besonders guten Sommern das „Sobbaoomed“. In der Regel wird im Kleinwalsertal zweimal abgemäht. Einige wenige Bauern machen heutzutage, wenn es das Wachstum zulässt, auch drei Schnitte.

An diesem Prinzip hat sich bis heute nichts grundlegendes geändert. Den Unterschied machen heute die Arbeitsgeräte und die maschinelle Bearbeitung. Im Guckloch haben wir einige wenige Arbeitsgeräte von früher ausgestellt, die den Bauern früher mehr oder weniger auslangten, um die Heuernte zu bewältigen (es fehlen u.a. Wetzstein incl. Behälter, Heinzeneisen oder Haikappa).

Es ist noch gar nicht so lange her, als man am frühen Morgen durch das Tal das „hämmern auf den Dengelstock“ hören konnte.

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Fotoarchiv Walser Museum: wamu-6590

„guat dänglet ischt halb gmeit“ – gut gedengelt ist halb gemäht

„mit ara guat dängleta Sääges ischt guat meia“ – mit einer gut gedengelten Sense kann man leicht mähen

Museum 15Fotoarchiv Walser Museum: wamu-6581

wamu-5615Fotoarchiv Walser Museum: wamu-5615

wamu-6594cFotoarchiv Walser Museum: wamu-6594

Film: Heuernte in Mittelberg / Kleinwalsertal auf YouTube

Objekte im „Guckloch“
„Dengelstock“
zum Dengeln der Sense, Dengelroß – ab der Mitte verengtes Sitzbrett mit Tragloch und zwei eingesetzten Beinen, Dengelstock zylindrisch, mit umschließendem Eisenring oberhalb des Sitzbretts, mit eingeschlagenem Dengelbissa. Archivnummer: wamu-5547, alte Inventarnummer: Ta 4a, Höhe Stock: 42 cm, Länge Brett: 63 cm, Breite Brett: 21 cm, Material: Fichte, Ahorn, Buche, Eisen.

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„Dengelhammer“ zum Dengeln der Sense, auf Holzstiel aufgesetzter, geschmiedeter Eisenkopf. Archivnummer: wamu-5546, alte Inventarnummer: Ta 4b, Länge Stiel: 15,5 cm, Länge Kopf: 14 cm, Material: Eisen, Holz.

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„Sensenblatt – Sääges“, geschmiedetes Sensenblatt zur Heuernte, Sensenblatt mit angenageltem geschmiedeten Hals, Punze am Sensenblatt. Archivnummer: wamu-5543, alte Inventarnummer: Ta 1, Länge Sensenblatt: 65,2 cm, Breite Sensenblatt: 10,1 cm, leicht beschädigt, Material: Eisen.

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„Sensenstiel – Worb“, unregelmäßiger, achteckiger Stiel mit zwei Haltegriffen, in der Stielmitte Griff mit Hals, am Stielende halsloser Griff, Stiel mit Warzenloch, Archivnummer: wamu-5550, alte Inventarnummer: Ta 2, Länge Stiel: 140 cm, Material: Esche.

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„Schochaseil mit Trüa“ das zum „Schocha“ fassen verwendet wurde, Hanfseil mit in der Mitte befestigtem schiffchenförmigen Holzteil mit kreisförmigem Loch zum Durchlaufen des Seils, Bezeichnung im Holzteil (Trüa): H.B., Archivnummer: wamu-5538, Länge Seil: 1,324 m, Trüa: 1,9 x 15 x 5,2 cm, Material: Hanf, Buche.

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Leihgaben:
Hainza
Holzgabel
Holzrechen