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Missionar Max Abler (1881-1969)

Eine hervorragende Quelle zur Genealogie, aber auch zu einzelnen Biografien aus dem Kleinwalsertal ist die Walser Geschlechterchronik von Alfons Köberle.

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Ein schönes und auch etwas exotisches Beispiel ist der unter dem Namen „Missionär“ bekannte Max Abler (Alfons Köberle, Walser Geschlechter, II. Band, S. 57 f.):

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Fam. Leo Abler in Mittelberg Höfle

 

Der jüngste von den 4 Söhnen des Leo Abler wurde am 8. August 1881 in Schröcken geboren und in der dortigen Pfarrkirche getauft. Er besuchte von 1887-1894 die Volksschule in Mittelberg. Als dreizehnjähriger faßte er den Entschluß zum Studium. So trat der junge Max Abler am 16. September 1894 in der Bischofsstadt Brixen (Südtirol) ein, um mit den beiden Walserkollegen Alexander und Alois Berchtold aus Riezlern am Vinzentinum sechs Gymnasialjahre zu absolvieren. Mit dem mutigen Entschluß Missionär zu werden, verbrachte Max ab 1899 drei weitere Studienjahre im St. Josefs-Kolleg in Mill Hill bei London/Missionarshaus in Brixen. 1902 ging er nach England ins St. Josefs-Kolleg in Mill Hill bei London, wo er nach dem letzten dreijährigen Studium sein Lebensziel erreichte; die Priesterweihe durch den Erzbischof von London am 17. September 1905 in der Seminarkirche in Mill Hill.

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Lebensbilder des HH. Missionars Max Abler

Die Mittelberger Bevölkerung bereitete ihrem Primizianten am 28. September 1905 einen freudigen Empfang und am 9. Oktober 1905 eine würdige Primizfeier. An der Feier nahmen sämtliche Geistliche des Tales und einige auswärtige Mitbrüder, die Veteranen und Schützen, sowie zahlreiche Einheimische teil. Die Primizpredigt hielt der Missionsdirektor Sperber aus Brixen. Das große Abschiednehmen am 28. Dezember 1905 von den Angehörigen und der Heimat wog angesichts der unsicheren dunklen Zukunft umso schwerer.

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Hier studierte Max Abler am Obergymnasium

Mit sieben neugeweihten Mitbrüdern fuhr Abler von Brixen nach Genua, dann mit dem Schiff „Isla de Luzon“) über Messina – Suezkanal – Rotes – Arabisches Meer – Indischer Ozean – Singapore – Hongkong (China) nach den amerikanischen Philipinneninseln. Als er endlich am 11. Februar 1906 bei Manila (der Hauptstadt der Philipinnen) ausgeschifft wurde, wütete dort Cholera und es wurde über das Schiff eine viertägige Quarantäne verhängt. Beim „Auslosen“ auf der südlichen Insel Panay traf es Max Abler allein auf die Insel Negros, seine erste Wirkungsstätte vom 22. Februar bis 15. Mai 1906, wo er die Wisayasprache lernen mußte, um sich mit den Eingeborenen verständigen zu können.

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Geistlicher Besuch im Elternhaus, Oktober 1905

Am 24. Mai 1906 wurde Pater Abler abberufen nach Caysaia, Provinz Antikwe auf der Insel Panay wo er nun zwanzig Jahre lang unter fast unüberwindlichen Schwierigkeiten eine äußerst wirksame Pionierarbeit und Missionstätigkeit leistete. Von den dortigen Daseinsverhältnissen lassen wir nun Pater Abler selbst erzählen:

Das mir zugewiesene Pfarrgebiet umfaßte ca. 11.000 Eingeborene. Es fand sich anfangs weder eine Kirche noch eine Schule und noch viel weniger eine Wohnung für den Missionär vor. Ich logierte zehn Monate lang bei einem alten kinderlosen Ehepaar namens Capitanguyong, ehe ich mir selbst aus Bambusstäben ein kleines Pfarrhäuschen, bestehend aus einem kleinen Zimmer und einer Anbauküche errichtete und mit Gras abdeckte. Darin habe ich 9 Jahre zugebracht; erst im 20. Berufsjahre wurde mir ein Betonhaus erstellt, in der ich nur mehr 7 Jahre wohnen konnte.

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Ein Vierteljahr nach Beginn meiner Missionstätigkeit in Caysai baute ich unter Mithilfe einiger Neuchristen bereits eine Bambuskapelle und bis Weihnachten 1906 wurde der Pfahlbau soweit vergrößert werden, daß er ca. 800 Personen fassen konnte. Zwei Jahre später zerstörte ein heftiger Orkan die provisorische Kirche. Mit dem neuerlichen Wiederaufbau der Kirche erstellte ich dann gleichzeitig eine Schule für 300 Kinder. Später mußte ich dazu noch eine weitere Station Aniney mit 2.000 Seelen betreuen, in der meistens radikale Ketzer wohnten. Dort versuchte mich ein ketzerischer Priester zu erschlagen, weil ich einen zum kath. Glauben bekehrten Bräutigam beichthörte. Völlige Überanstrengung, das Tropenklima und die vielen Versehgänge bei Cholerakranken brachten schließlich auch mir einen schweren Kopf- und Bauchtyphus, der mir beinahe das Leben kostete.

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der von P. Abler erbaute Pfarrhof in Casay mit den Firmlingen

Bis 1917 hatte ich soviel zusammengespart und aus dem Walsertal erbettelt, daß nun in Cayasi die erste Eisenbetonkirche (158 Fuß lang, 42 Fuß breit und 17 Fuß hoch) errichtet werden konnte. Sie kostete 8600 Dollar, wovon die Dorfbewohner 950 Dollar in Form von Reisspenden aufbrachten. Unter meiner energischen Bauleitung wurde das Werk in 4 Monaten von 2 japanischen Schreinern und 8 philipinischen Bauarbeitern – alles Heiden – geschaffen.

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rechts die erste Kirche (ein Bambusschopf)

Meine baulustige und erfolgreiche seelsorgliche Tätigkeit hatte zur Folge, daß mir auch noch das Missionsgebiet von Dao zugeteilt wurde; auch dort habe ich 1923 eine große Betonkirche (162 Fuß lang, 38 Fuß breit und 21 Fuß hoch), diesmal mit einem Blechdach erbaut, ebenso ein Schulhaus in Dao und schließlich 1925 noch ein Pfarrhaus in Aniney. – Soweit sein bescheidener Eigenbericht.

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Schulhaus in Casay

Eine schwere Augenkrankheit gebot dem nun 20 jährigen opfervollen aber auch segensreichen Wirken als Missionär eine Erholung in Europa. Nur ungern dem strikten Befehl der kirchlichen Obrigkeit gehorchend, verließ H. Herr Max Abler am 13. Jänner 1926 seine geliebten Missionskinder, denen er ein Vater ohnegleichen geworden war. Die zweimonatige Reise war für den sehbehinderten Pater äußerst strapaziös und beschwerlich. Von seinem letzten Wirkungsort Dao gings erst mit dem Segelboot bis Ilo-Ilo, dann mit einem kleinen Fischdampfer nach Manila, der Hauptstadt der Philipinnen. Fünf Tage später – nachdem das deutsche Schiff „Koblenz“, 4000 Tonnen Manilahanf eingeladen hatte – ging die Fahrt über Singapore, Belaban-Somatra (wo weitere 2000 Tonnen Tabak an Bord genommen wurden) nach Colombo, der Hauptstadt Ceylon, alsdann per Bahn nach dem Festland Vorderindien. In Talaimanar bestieg er wieder eine andere Eisenbahn und nun ging es in 7 tägiger ununterbrochener Tag- u. Nachtfahrt nach Madras und bis Bombay. Nach fünftägigen Aufenthalt fuhr er mit dem Schiff „Genua“ (ein im 1. Weltkrieg von den Italienern gekapertes österreichisches Passagierschiff namens „Ungarn“) durch den Indischen Ozean ins Rote Meer, durch den Suezkanal ins Mittelländische Meer, wo es endlich am 8. März 1926 in Neapel landete.

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Kirche in Casay

In Rom angekommen, wurde Pater Abler die seltene Gnade zuteil, von Papst Pius XI. in Privataudienz empfangen zu werden. Sr. Heiligkeit interessierte sich sowohl für die religiösen Verhältnisse auf den Missionsstationen, wie für das 20 jährige Wirken des Missionärs Abler und segnete ihn mit dem flehenden Wunsch, daß ihm Gott das Augenlicht wieder zurückgeben möge. Zu Brixen und Absam mußte Pater Abler erste neue Reiesepapiere nehmen, ehe er nach einem Zwischenbesuch bei seinem Bruder Karl Daniel in Bludesch endlich heimreisen konnte. Am 22. März 1926 traf er mittags 12 Uhr in Oberstdorf ein und abends 6 Uhr empfing die Pfarrgemeinde Mittelberg ihren Heimkehrer mit einem feierlichen Dankgottesdienst.

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2. Schulhaus in Casay durch Taifunsturm zerstört

Ein unsagbares Sehnen erfüllte seit Monaten die betagten Eltern Leo Abler und M. Katharina geb. Müller im Hause No. 47 in Mittelberg (Anm.: heute Walserstraße 385), nach zwanzigjähriger Trennung ihren geistlichen Sohn noch einmal zu sehen. An diesem denkwürdigen Tag waren drei überglückliche Menschen vereinigt. Sechs Tage darauf starb die Mutter und nach sechs Monaten auch der Vater.

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In Dao erbaute Kirche

Nur zweidreiviertel Jahre Erholung waren dem halbblinden Missionär in der Heimat gegönnt. Denn schon am 16. Jänner 1929 rief ihn die Missionsleitung zum zweitenmal nach den Philippinen (seit 1898 amerikanisches Hoheitsgebiet). Dort wirkte unser H. Herr Missionär Abler auf der Insel Panay weitere sieben Jahre in der weitausgedehnten Missionsstation Bugansong zum Segen der dortigen Neuchristen der außerordentlich schwierige Seelsorgsdienst in dem tropischen Klima verschlimmerte Ablers Gesundheitszustand dermaßen, daß er über Anordnung seiner Vorgesetzten schließlich im März 1936 die Missionstätigkeit aufgeben mußte.

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Erstkommunikanten mit der japanischen Lehrerin

Am 8. Mai 1936 kehrte Missionär Abler zum zweitenmal nach Mittelberg heim. In der Heimat Mittelberg verbringt seit 1936 Pater Abler als Institutskaplan der Armen-, Kranken- und Weisenversorgungsanstalt (Anm.: im ehemaligen Kloster) seinen wohlverdienten Lebensabend. Seine christliche Tätigkeit kommt in unzähligen Aushilfsdiensten allen Pfarreien zugute. Insbesonders eifrig betreute er die Expositurkirche St. Martin in Baad, wo er unentwegt zur Sommerszeit den sonntäglichen Gottesdienst durchführte.

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Der Herrgott schenkte ihm ein gnadenvolles Alter, so daß H.H. Max Abler am 14. Oktober 1945 sein vierzigjähriges Priesterjubiläum am 16. Oktober 1955 sein Goldenes Priesterjubiläum und am 22. August 1965 sogar das höchstseltene diamantene Priesterjubiläum feiern konnte. Bei jeder dieser Jubiläumsfeiern beteiligten sich zahlreiche geistliche Mitbrüder, prominente Festgäste und die Ortsbevölkerung.

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Auf unserem Bild begrüßt der Jubilar zwei Mitbrüder Findler und Fink, die vor 30 Jahren gemeinsam mit Abler im Missionsgebiet Philippinen wirkten.

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Bilder Archiv Walser Museum

Wieder ein Mal ein paar Bilder aus dem Archiv des Walser Museums in Riezlern. Nachdem die Alpsaison teilweise schon begonnen hat bzw. vor der Tür steht – einige Bilder von Kleinwalsertaler Alpen. Wer mehr über die Bilder weiß, bzw. Geschichten zu den Bildern weiß, bitte um Mitteilung! Es sind insgesamt drei Fotoserien – also nicht vergessen nach unten zu scrollen!

Bildserie 1

Bildserie 2

Bildserie 3

Vor 75 Jahren – Das Kriegsende im Kleinwalsertal

Auch wenn die Gemeinde Mittelberg von direkten, materiellen Schäden verschont blieb, bekam die Bevölkerung des Kleinwalsertals die Kriegsjahre des Zweiten Weltkrieges von 1939 bis 1945 schmerzlich zu spüren. Allein 152 Männer mussten die Front mit dem Tod bezahlen.

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Foto: Gemeindearchiv Mittelberg, wamu-2216, Altes Schulhaus in Riezlern, 1938

Das Kleinwalsertal wurde vor dem Anrücken der französisch-marokkanischen Truppen von der österreichischen Widerstandsbewegung, dem Heimatschutz, unter Kontrolle gebracht. Diese Männer unter der Leitung von Peter Meusburger waren bewaffnet. Am 1. Mai 1945 umstellten 30 Männer des Heimatschutzes das provisorisch im Cafe Amely in Riezlern untergebrachte Gemeindeamt. Gottlieb Kessler und Hermann Künzel übergaben die zivile Verwaltung an Gedeon Fritz und Peter Meusburger.

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Foto: Gemeindearchiv Mittelberg, wamu-2224, Der Heimatschutz empfängt an der Grenze Walserschanz mit dem Schild „Here is Austria“ die Besatzungsmacht, 1945

Am 2. Mai 1945 um 11 Uhr traf französisches Militär mit leichten Spähwagen vor dem Rathaus in Riezlern ein und Gedeon Fritz, provisorischer Bürgermeister, nahm die formelle Übergabe des Tales an den französischen Kommandanten Maison Rouge vor. Der Heimatschutz hatte das Militär bereits an der Walserschanz begrüßt. Ursprünglich wurde mit einer amerikanischen Besatzung gerechnet und dort eine Tafel mit „Here is Austria!“ angebracht. Auch die prominenten Geiseln aus dem Ifenhotel u.a. der französische Botschafter André François-Poncet konnten an diesem Tag wohlbehalten dem französischen Vorauskommando übergeben werden.

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Foto: Gemeindearchiv Mittelberg, wamu-2205, Französische Besatzung vor dem Gemeindeamt in Riezlern, 1945

Tausende von Ostflüchtlingen waren seit März 1945 ins Tal gekommen und über tausend Verwundete lagen in den Notlazaretten. Der Bevölkerungsstand war dadurch nahezu auf zehntausend Personen angewachsen. Alle wollten etwas zum Essen haben. Aber die Lebensmittelversorgung drohte völlig zusammenzubrechen. Es war eine harte Zeit für alle Menschen im Tal.

Am 12. Mai 1945 erschien wieder die eigene Zeitung für die Gemeinde Mittelberg.  Am 20. Mai 1945 fand zu Ehren des eingetroffenen großen Siegers, General de Gaulle, dem späteren Staatspräsidenten von Frankreich, eine große Parade statt.

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Foto: Gemeindearchiv Mittelberg, wamu-2228, Französische Generäle vor dem Ifenhotel 1945.

Erst am 20. September 1945 war die offizielle Rückkehr der Gemeinde Mittelberg zu Österreich mit einem Besuch der Vorarlberger Landes- und Militärregierung. Das Tal wurde 1938 nach dem Anschluss Österreichs zum Großdeutschen Reich zum Gau Schwaben eingegliedert und gehörte daher nicht zur „Ostmark“.
Betrachtet man heute die Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 im Kleinwalsertal oder befragt Zeitzeugen, scheint auf den ersten Blick im Kleinwalsertal kaum etwas negatives vorgefallen zu sein. Wirft man einen genaueren Blick in die noch vorhandenen Akten aus dieser Zeit, stellt man fest, dass es auch im Tal „fanatische Nazis“ und Denunzierungen gab oder Menschen Opfer des grausamen Euthanasieprogrammes wurden. Außerdem gab es auch in unserem Tal eine Reihe von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Mag dies an uns heute eine Mahnung sein.

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Foto: Gemeindearchiv Mittelberg, wamu-2258, Marokkanische Soldaten vor dem Haus des Chronisten und Malers Alfons Köberle in Unterwestegg, um 1945
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Foto: Gemeindearchiv Mittelberg, wamu-2203, Besatzungssoldaten an der Grenze Walserschanz

Vor 100 Jahren – Das Heimkehrerfest im Kleinwalsertal

Aus dem Archiv der Gemeinde Mittelberg

Nach vielen Entbehrungen durch den 1. Weltkrieg, fand vor 100 Jahren, am 19. April 1920 ein großes Heimkehrerfest in Riezlern statt.

SONY DSCFoto Heimhuber, Quelle: Projekt „Visuelles Gedächtnis Allgäu“, Landratsamt Oberallgäu

Alfons Köberle schreibt in seinem Buch „Walser Helden“ u.a. zum Jahr 1919:
„Der von der Bevölkerung gewichene Bann, der eingetretene Friedenszustand, brachte es mit sich, daß vielfach wieder Lebensfreude, ja sogar Vergnügungssucht (nach 5jähriger völliger Pause!) zu Tage trat, in reichem Maße dem Tanze gehuldigt wurde und u.a. in diesem Jahre nicht weniger als 24 Eheschließungen erfolgten. Die Bevölkerung, insbesondere die Heimkehrer, fanden sich nach und nach in die unabänderlichen Verhältnisse der neuen Zeit, es trat wieder volle Ruhe, Ordnung und Sinn für den Wiederaufbau der durch die Kriegsjahre vernachlässigten Höfe und anderer öffentlichen Einrichtungen ein. […] Die Ablieferung von Butter und Käse vollzog sich im gleichen Zeitraum und der gleichen Art wie 1918. Sowohl den Nichtselbstversorgern, als auch den Bauern, die durch die Größe ihrer Familie und die Kleinheit ihrer Gutswirtschaft nicht den Jahresbedarf selbst zu erzeugen vermochten, wurde die Menge von 250 Gramm Butter und ebensoviel Käse für Kopf und Woche von den Sammelstellen zugewiesen. […] Daß das Ergebnis der Alpproduktion gegenüber dem Vorjahre weit zurückblieb, daran trug abermals die Maul- und Klauenseuche schuld, die in 21 Sennalpen des Tales wütete. Die Verseuchung der Viehstände im Tale, wie auch in Oberstdorf und dem weiteren Allgäu drückte den Fremdenverkehr und den freien Handel mit Nutzvieh und die Stellviehtransporte. Es waren gezählte Tage, an welchen überhaupt ein Viehverkehr über die Walserschanze und auf der Bahn erlaubt waren.“

Noch weit nach dem Ende des 1. Weltkrieges waren die Sorgen der Bevölkerung groß und daher ist es nicht verwunderlich, dass eine Ablenkung wie das Heimkehrerfest, regen Anklang in der ganzen Bevölkerung fand.

Programm Heimkehrerfest
Programm des Heimkehrerfestes aus: Gemeindeblatt für die politische Gemeinde Mittelberg, 2. Jhg., Nr. 15, 10.4.1920

Aus dem „Gedenkblatt an das Heimkehrerfest in Riezlern am Montag, den 19. April 1920“ erschienen im Gemeindeblatt, 2. Jhg., Nr. 18, 1.5.1920
Festmorgen: Um 5 Uhr früh hallte Kanonendonner in unseren Bergen wieder und kündete allen Talbewohnern den großen Ehrentag des Kleinwalsertales an. Musikvorträge der Riezler Musikkapelle munterten die rührigen Riezler auf, noch die letzte Hand an die großartigen Vorbereitungen zu legen. Im Zwerwald, wo die Kameraden von Mittelberg und Hirschegg empfangen werden sollten, befand sich ein großer Empfangsbogen.  Ein schöner, großer Empfangsbogen war auch am Eingange zum Platze vor dem Gasthof zum „Engel“ aufgestellt worden. Dieser selbst war an der Frontseite bis zum Dachfirste hinauf prächtig mit Tannengewinden geziert. Ueberhaupt zeigten alle Häuser schönen, abwechslungsreichen Schmuck. Luftig begrüßten die im Frühlingswinde wehenden Fahnen unsere Heimkehrer.

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Foto Heimhuber, Quelle: Projekt „Visuelles Gedächtnis Allgäu“, Landratsamt Oberallgäu

Aufmarsch: Um 8 Uhr zogen die Riezler Heimkehrer aus, um im Zwerwald die Mittelberger und Hirschegger Kameraden, die von dort um 1/2 8 Uhr resp. um 8 Uhr abmarschiert waren, zu empfangen. Es dauerte nicht lange, bis Kanonendonner die Ankunft der Erwarteten meldete. Der Frontkrieger Lehrer Leo Köberle begrüßte die Angekommenen in einer schönen Ansprache, die er mit einem Hoch auf die Heimat schloß. Noch sprachen 2 Knaben in Versen ihren Willkommensgruß aus und wurden den Begrüßten ein Lorbeerkranz übergeben. Hierauf zogen alle Heimkehrer unter klingendem Spiele der Riezler Musikkapelle und der Vereinskapelle in Riezlern ein. Das Volk, die Riezler Schuljugend und die Kranzjungfrauen des ganzen Tales bildeten Spalier. Das Kommando über die Heimkehrer führte hoch auf einem schönen, feurigen Pferde Gedeon Fritz, der Obmann des Krieger= und Kameradschaftvereines.
Voraus getragen wurden 3 Fahnen: die Fahne des Krieger= und Kameradschaftvereines, die Schützenfahne und eine alte Fahne aus dem Schwedenkriege. Es folgten 2 Hellebardenträger in der alten, schmucken Walsertracht. Auf dem Platze vor dem „Engel“ wurden die Heimkehrer aufgestellt. Vom Balkon des Gasthauses aus hielt dann der Gemeindevorsteher und gewesene Standesschützenhauptmann Adalbert Fritz eine schöne Begrüßungsansprache, in der er den Heimkehrern den Gruß der Heimat entbot und versicherte, es werde von Seite der Gemeinde alles geschehen zur Ehrung der Heimkehrer und zum dankbaren Andenken an die Gefallenen.
Hierauf traten die Schulkinder der 3 Pfarreien vor die Heimkehrer und trugen im Chore je eine Begrüßungsstrophe vor. Es folgte ein einzelner Knabe, der diesen Gruß in Versen auslegte: Die Heimat grüßt Euch, die Euch ja so viel gilt; die Kirche, das Heimathaus Eurer Seele, winkt Euch. Kommet hin, um dort Gott zu danken! Es wurde dann dem Kommandanten ein schöner Lorbeerkranz überreicht, der von 2 Kranzjungfrauen in die Kirche übertragen wurde.

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Foto Heimhuber, Quelle: Projekt „Visuelles Gedächtnis Allgäu“, Landratsamt Oberallgäu

Festzug: Nun stellte man sich zum Festzuge in die Pfarrkirche auf. An demselben beteiligten sich die Schulkinder, Kranzjungfrauen und Geistlichkeit des Tales, die Gemeindevertretung, Ehrengäste, die Musikkapellen und die Heimkehrer samt den Altkameraden. Große Mengen Volkes waren an den Straßen, Häusern und Fenstern. Die Stimmung wurde immer gehobener und sie steigerte sich zur schönsten Festtagsstimmung beim Eintritte in das herrlich geschmückte Gotteshaus. Der prächtige Schmuck in feinster Arbeit und wunderbarer Harmonie bei farbenprächtiger Abwechslung wird als lebendiges Bild in der Erinnerung jedes Festteilnehmers bleiben. Besonders erwähnenswert ist ein Bild, das sich in der Verzierung des Chorbogens befand und eine Friedenstaube mit dem Oelzweige darstellte. Es war eigens für die Feier von Herrn Engelbert Keßler hergestellt worden.

Heimkehrerfest-1920Foto Heimhuber, Quelle: Fotossammlung Günther Fritz

Festgottesdienst: Nachdem sich die ganze Kirche mit Andächtigen angefüllt hatte, hielt der hochw. Herr Pfarrer Fz. X. Fußenegger von Mittelberg eine packende Festpredigt: welche Gründe wir haben zum Danke gegen Gott und wie wir diesen Danke heute und in der Zukunft abstatten sollen. Dann war als Dankgottesdienst ein levitiertes Hochamt, gehalten von hochw. Herrn Pfarrer J. Längle von Riezlern. Dabei leistete der Riezler Kirchenchor unter Begleitung von Blechinstrumenten der Riezler Musik Hervorragendes. Nach dem Hochamte Te Deum und feierlicher Segen. Hierauf – es war schon über 11 Uhr – sollte nochmals der gefallenen Helden des ganzen Tales gedacht werden. Tagszuvor war in allen 3 Pfarreien ein Trauergottesdienst gehalten worden für die in der betreffenden Pfarrei Gefallenen. Nun war noch vor der Oelberg=Gruppe auf dem Friedhofe in Riezlern ein schönes gemeinsames Heldengrab errichtet worden. Drei große Gedenktafeln waren aufgestellt, welche die Namen der gefallenen Krieger einer jeden Pfarrei aufwiesen. Sie waren kunstvoll ausgeführt: die von Mittelberg von Kunstmaler M. Schels, die von Hirschegg von Schreinermeister Eduard Riezler und endlich jene von Riezlern von Schreinermeister Alfons Müller. Die Entwürfe zu letzteren zwei hat(t)e Herr Engelbert Keßler ausgearbeitet. Nachdem man sich vor dem Heldengrabe aufgestellt hatte, spielte die Vereinsmusik einen ergreifenden Trauermarsch. Es legte dann der Kommandant einen Trauerkranz auf dem Heldengrabe nieder. Hierauf hielt hochw. Herr Pfarrer K. Köb von Hirschegg eine Gedenkrede, die mit einem warmen Gebete für die Gefallenen schloß.

Ihr Gedächtnis laßt uns feiern
Im Gebet gedenken oft,
Ihnen großen Dank beteuern:
Alles zu der Seelen Trost.

Nach dem Rückmarsch zum „Engel“ trat dann eine kleine Pause ein, die hauptsächlich mit Vornahme photographischer Gruppenaufnahmen ausgefüllt wurde.

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Foto Heimhuber, Quelle: Fotossammlung Günther Fritz

Festmahl: Um 1 Uhr sammelte man sich im herrlich geschmückten Festsaale des Gasthofes „Engel“ zum Festessen. 230 Heimkehrer waren erschienen und verschiedene Ehrengäste. Das Festmahl war sehr gut, reichlich und befriedigte alle in höchstem Maße. Dank den regen Wirtsleuten und der unermüdlichen Arbeit des H.H. Kaplan P. Längle von Riezlern, der durch Verhandlungen mit dem Kommunalverbande in Sonthofen und durch freiwillige Sammlungen soviel Schönes und Gutes zusammenbrachte! Während des Festmahles wickelte sich ein reichhaltiges Programm ab: Musikvorträge, Lieder des Männergesangvereines von Hirschegg, der etwa 7 Nummern vortrug und reichen Beifall erntete; die Lieder „Wie es in der Heimat war“ und „Oberösterreichisches Volkslied“ mußten öfters wiederholt werden. Auch Gedichte kamen wieder zum Vortrage, zuerst von 3 Kindern gefallener Krieger, deren Verse in den Refrain ausklangen:
So wird jetzt so für uns das Beste sein,
In Gottes Ratschluß sieht man nicht hinein.
Dann von 3 Kindern Gefangener, deren Strophen die Leiden Gefangener schilderten. Auch eines armen, aus russischer Gefangenschaft Heimgekehrten wurde gedacht, der, weil schwer krank, nicht am Feste teilnehmen konnte, des Maurermeisters Josef Schneider. In einer Pause wurde ihm ein Besuch abgestattet. Daran beteiligten sich die Musikkapelle Riezlern, die Gemeindevertretung und viele Kameraden. Die Musik stellte sich vor dem Hause auf und spielte 3 Märsche. Zuletzt wurde noch ein Hoch auf den Geprüften ausgebracht, der gut eine Woche später aus der irdischen Gefangenschaft in den Frieden der ewigen Heimat hinübergenommen wurde.

Heimkehrerfest Gasthaus Engel
Quelle: Fotossammlung Günther Fritz

Festversammlung: Im Festsaale war inzwischen das Bild immer bunter geworden. Frauen hatten Platz genommen und viele Zuschauer und Zuhörer standen in den Gängen und am Eingange. Da erklang bald das Glockenzeichen zur Festrede. Diese wurde gehalten von dem schon erwähnten Herrn Engelbert Keßler, Bürgerschullehrer aus Wien, dem Sohne des ältesten gleichnamigen Walsers. Der Festredner behandelte in voller Klarheit die Unvermeidlichkeit des Weltkrieges. Bald darauf trat der Heimkehrer aus italienischer Gefangenschaft, Rupert Hilbrand, auf den Rednerplatz und dankte im Namen aller einstigen Gefangenen dem H. Herrn Kaplan A. Fink von Mittelberg für sein Wirken für die Gefangenen; ebenso sprach er seinen Dank aus der Frauenhilfsaktion und insbesondere der Frau Maria Nußbaumer von Andelsbuch. Gegen Abend ward Unterhaltung und Verkehr im Festsaale immer trauter und familiärer, so daß man sich unwillkürlich sagte: Hier ist gut sein!

Festabend: Nach Eintritt der Dunkelheit sammelte sich Musik und Volk vor dem „Engel“ zu einem kleinen Fackelzuge. Derselbe kam wieder zum Ausgangspunkte vor dem „Engel“ zurück und man wartete dort dicht gedrängt, denn vom Balkone herab leuchtete ein Licht und man wußte, daß der Kommandant der Heimkehrer nun die Abdankungsrede halten werde. Und richtig, bald erklang die Stimme desselben. Gedeon Fritz, der selbst immer an der Front war, bedankte sich im Namen aller Heimkehrer für den schönen Ehrentag. Er dankte allen, die in irgend einer Weise zur Vorbereitung und Ausführung der Feier beigetragen hatten. Dann munterte er die Heimkehrer auf und schloß seine Rede mit einem Hoch auf das Heimattal. Auch der Obmann des vorbereitenden Festkomitees Alfons Köberle, sprach noch seinen herzlichen Dank aus an alle, die ihn in der schweren, aber dankbaren Arbeit unterstützt hatten. So schloß offiziell das schöne Heimkehrerfest, das den Heimkehrern, allen Festteilnehmern, jung wie alt, in steter angenehmer Erinnerung bleiben wird.

Das ist die alte Heimat doch!
Und hielt Euch Treue Jahr um Jahr
Und trug mit Euch der Trennung Joch
Und reicht Euch froh die Rechte dar.
Schlag ein! Und helft mit neuer Kraft
Und neuem Mut das Haus uns bau`n,
Die Tat nur ist`s, die Wunder schafft
Und heldenhaftes Selbstvertrau`n.

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Foto Heimhuber, Quelle: Fotossammlung Günther Fritz

Aus dem Buch „Walser Helden“ von Alfons Köberle erfahren wir noch:
„Der daran anschließende Tanz dauerte bis in die Morgenstunden. Als dauernde Erinnerung an die Kriegszeit wurde aus Gemeindemitteln jedem Heimkehrer und den Hinterbliebenen von Gefallenen ein schön ausgestattetes Gedenkblatt gewidmet.
Die mühevollen Vorarbeiten und die Aufführung des Festes lag in den Händen des Festausschusses, dem die Herren Leopold Schuster (Riezlern), Eduard Riezler und Lukas Schuster (Hirschegg), Max Seelenmayer und Andreas Wüstner (Mittelberg), sowie drei Geistliche und der Verfasser dieses Buches als Obmann angehörten. Die vollste Anerkennung wurde diesem Festausschusse für das Gelingen ausgesprochen.

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Quelle: Fotossammlung Günther Fritz

 

Der letzte ? Luchs im Kleinwalsertal

Objekte aus dem Walser Museum in Riezlern

Letzte Woche bin ich in den Kalenderaufzeichnungen meines Ur-Ur-Ur-Großvaters Daniel Müller (1781-1845) auf folgende Zeilen gestoßen:

„1831 den 4. May ist alhier im Thal ein Lux geschossen worden beym Wilden von Joseph Huber u. Frz. Jos. Baader im Dobel. Auch hat jeder einen Bruder zum Gehilfen gehabt, nämlich Gottlieb Huber u. Jos. Alois Baader, der Lux hat 40 Pfündle gewogen u. ist ein Katzen Lux gewessen. Schußgeld haben sie erhalten. Von der Gemeindkasse alhier wurde ihnen 20 f (Gulden, Anm.) bezalt.“

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Foto: Archiv Walser Museum, wamu-6143

Dieser später von Josef Huber ausgestopfte Luchs kam später in den Gasthof „Engel“, der von der Familie Duffner nach dem Ankauf in „Gasthof Post“ umbenannt wurde. Viele Jahre konnte der Luchs dann im Gasthof Post bewundert werden und wechselte später seinen Standort in das Nebenhaus. Jürgen Duffner, nicht mehr im Tal wohnhaft, der das Nebenhaus samt dem Luchs erbte, verkaufte im Jahr 1976 den Luchs mit einem alten Schachspiel an die Gemeinde Mittelberg. Seitdem steht dieser ausgestopfte Luchs im Walser Museum in Riezlern.

Interessant finde ich die dazugehörige Tafel auf der folgendes steht:
„Der letzte Luchs des Kleinwalsertals wurde von Josef Anton Huber im Frühjahr 1831 am Fideripass erlegt. Dieser Luchs war 40 Wiener Pfund schwer, 3 Fuß lang, 2 Fuß hoch. Als Schußgeld erhielt Huber vom Bezirksgericht Bezau 30 Gulden, von der Gemeinde Mittelberg 20 Gulden, vom Vorsteher in Oberstdorf (Bayern) 3 Gulden. Dieses Tier habe unter den Schafen und Ziegen und dem Wildstand großen Schaden angerichtet.“

Vergleichen wir die beiden Textstellen, so fällt vor allem auf, dass weder Frz. Jos. Baader noch die Gehilfen beim unteren Text erwähnt werden. Im oberen Text werden Josef Huber und Franz Josef Bader allerdings als gleichwertige Schützen angesehen. In der Überlieferung blieb nur Josef Anton Huber in Erinnerung. Die einfachste und wahrscheinlich logische Erklärung wird sein, dass er wirklich der Schütze war?

Interessant ist auf jeden Fall ein kleiner Blick auf die Biografien der beiden „Schützen“.

IMG_6523 (2)Josef Anton Huber (1808-1898) mit Ehefrau Ludwina Fritz (1812-1878), Foto aus: Walser Geschlechter, Band IV, Heim-Küng, S. 1163 von Alfons Köberle

Josef Anton Huber wurde in Hirschegg-Tobel geboren. Während alle seine 5 Geschwister ledig blieben, heiratete er in die ziemlich vermögende Mittelberger Fritz-Familie (Linie I, in männlicher Linie ausgestorben) ein. Er brachte die Genossenschaftsalpe Hintergemstel (Peterlesch Gänschtel) im Jahr 1853 in seinen Privatbesitz. Der Großteil der Alpweiden stammte allerdings bereits von seiner Ehefrau, bzw. ging von deren Geschwistern in das Eigentum der Familie Huber über. Ein Eintrag von Josef Anton Huber im Alpbuch, auch aus dem Jahr 1853, ist mir in lebhafter Erinnerung geblieben: „In dieser Jahrzahl haben wir schon 11 Kinder in Besitz, darum kann ich viel Arbeit brauchen …“
Sein Bruder und Gehilfe Gottlieb Huber starb am 23.2.1835 im Alter von 30 Jahren an den Folgen des „Blutbrechens“.

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Foto: Archiv Walser Museum, wamu-879, Geburts- und Wohnhaus der Familie Huber, heute noch im Besitz der Nachkommen

Franz Josef Bader (1793-1872) und Josef Alois Bader (1798-1880) hatten ihren Wohnsitz in Mittelberg-Tobel. Ihr Vater Wendelin stammte aus Mellau und hatte sich mit seiner Frau Katharina Moosbrugger in Baad niedergelassen. Hier ein Auszug aus Alfons Köberles Geschlechterchronik: Sie ist (die Familie Bader, Anm.) keineswegs seßhaft geblieben, denn schon die dritte Generation ist restlos wieder weggezogen oder haben im Allgäu oder im Bregenzerwald ihren Ehepartner gefunden. Wenn auch der Einwanderer Wendelin Bader (1762-1828), samt seiner Ehefrau M. Kath. Moosbrugger (1768-1831) von Mellau im Bregenzerwald gebürtig sind, so dürfte die ursprüngliche Abstammung doch auf Damüls zurückgehen. Wendelin Bader lebte im ersten Jahrzehnt in recht ärmlichen Daseinsverhältnissen; er wohnte jahraus, jahrein in einer Derren-Alphütte bei Baad, besorgte viele Alpsommer die Hirtschaft in der Derrenalpe und betrieb vorwiegend eine konzessionierte Schnapsbrennerei. Aus dieser Haupttätigkeit ergab sich der eingebürgerte Hausname „z Brenners Franzseff, Brenners Ann, Brenners Thresa usw. Fleiß, Schar(f)sinn und Anspruchslosigkeit ermöglichten der Fa(milie) anno 18.. den Erwerb des bäuerlichen Anwesens in Mittelberg Tobel Haus Nr. 72.

wamu-00459Mittelberg-Tobel, das dritte Haus auf der rechten Straßenseite war das Haus Nr. 72 (heute steht hier die Wohnanlage Walserstraße 312), Foto: Archiv Walser Museum, wamu-459

Während Franz Josef Bader ledig blieb, heiratete Josef Alois Bader wie es Alfons Köberle nennt „im Jänner 1848 in den elterlichen Besitz der Nachbarin M. Regina Fritz (1818-1883, Linie II, auch Mittelberger Fritzen genannt) in Mittelberg Rohr Haus Nr. 76 (heute Rohrweg 12) ein, wo sie bis an ihr Lebensende hausten und sieben Kinder zu bekanntlich tüchtigen Menschen aufzogen. Als die Eltern 1880 und 1883 das Zeitliche segneten, hatten schon fast alle Kinder einen eigenen Hausstand außerhalb des Tales gegründet und nur die Tochter M. Katharina blieb im Walsertal, heiratete den Maurer Jakob Zweng aus Reichenbach/Allgäu, und übernahm die elterliche Heimat im Rohr Nr. 76.

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Jos. Alois Bader (1898-1880) mit Ehefrau Regina Fritz (1818-1883), Foto aus: Walser Geschlechter, Band II, Abler-Ernst, S. 93 von Alfons Köberle

Ein anderer, spekulativer Grund, dass die Beteiligung von der Familie Bader bei der Erlegung des „letzten“ Luchs im Kleinwalsertal in Vergessenheit geriet, könnte auch sein, dass die Familie weniger Ansehen besaß, bzw. da die Nachkommen nicht mehr im Tal sesshaft waren, in Vergessenheit gerieten.

Ob es wirklich der letzte Luchs im Kleinwalsertal war, bleibt ebenso eine spannende Frage. Auch wenn bisher in der heutigen Zeit der Nachweis nicht erbracht wurde, so wird zumindest vermutet, dass ein Luchs im Tal sein könnte.

Stefan Heim

 

Bilder Archiv Walser Museum

Zur Abwechslung ein paar Bilder aus dem Archiv des Walser Museums in Riezlern.
Wer mehr über die Bilder weiß, bitte um Mitteilung!

wamu-02429Sägewerk in Riezlern, Jahr ? auf jeden Fall nach 1936 (wamu-2429)

wamu-02430welche Alphütte? (wamu-2430)

wamu-02431Ifenhütte, Jahr ? (wamu-2431)

wamu-02432Alte Lüchlealp, 1930er Jahre, Postkarte wurde am 5.9.1935 bei der Post aufgegeben,
Foto Willy Zitzelsberger (wamu-2432)

wamu-02433Bernharda Gäänschtl (Bernhards Gemstel), mit rückseitigem Vermerk:
„Mein liebes Gemsteltal sei gegrüßt vieltausend mal“ (wamu-2433)

Trachten Tausch Basar

Am 11. März 2020 findet von 17 bis 21 Uhr in der Mesmerstuuba in Mittelberg ein „Trachten Tausch Basar“ statt. Walser tauschen untereinander Trachtenteile, damit sie bei uns im Tal bleiben. Jeder der Trachtenteile hat und gerne weitergeben möchte, kann seine Sachen selber verhandeln und TrachtenträgerInnen, denen noch etwas fehlt, können sich umsehen und informieren. Ganz nach dem Motto „duuscha, vrcharta, fraaga, informiira ond häängera“.

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Fundstücke aus dem Archiv

Beim Durchstöbern des Archivs finden sich immer wieder Fundstücke, die mich zum Schmunzeln bringen und die manchmal auch die Gefühlswelt oder den Humor früherer Menschen preisgeben.

Heute gefunden in einem Steuerverzeichnis von 1811. Christian Heim vom Moos scheint mit dem Besitz eines Bergmahdes nicht wirklich zufrieden gewesen zu sein, was ein von ihm selbst verfassten Steuerblatt belegt: Ein Ansprach von einem Mädle mit Wahrheit wüst, nur um zu wissen wo es sey wird i(h)m der Schimpfnamen Schönesegg gegeben giebt jährlich 4 Büschele Heü a 18 f tht = 72 f (Gulden).

Mit den Büschele sind wohl 4 Burden gemeint, denn diese wurden mit 18 Gulden gerechnet.

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Blasmusik im Kleinwalsertal

Wenn man sich die Chronik des Kleinwalsertals anschaut, so erkennt man, dass die Blasmusik schon immer eine wichtige Rolle spielte. Ein genauer Ursprung, wann diese Tradition einmal begann, ist nicht mehr festzustellen.

Im Jahre 1923 wurde der Musikverein Hirschegg, nach alter Walser Mundart „d’Hirschegger“ genannt, gegründet. Der Musikverein war der jüngste des Tales. Jodok Anton Felder übernahm damals die Rolle des Dirigenten und damit auch die Aufgabe die Musiker auszubilden. Durch politische Ereignisse und den Krieg kam es zu einem zwischenzeitlichen Stillstand des Musikvereins.

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Die Klarinetten im „Guckloch“ gehörten Artur Schuster, einem Mitglied des Musikverein d`Hirschegger.

Artur Schuster wurde am 13.12.1926 als eines von drei Kindern geboren. Schon im Kindesalter bewirtschaftete er leidenschaftlich gerne die Lüchlealpe. Dieser Tätigkeit ging er 43 Jahre nach. Er war nach dem Krieg, im Jahre 1945, eines der Neugründungsmitglieder der Trachtenkapelle Hirschegg. Er spielte dort 36 Jahre lang Klarinette, bis er im Jahre 1981 diese Leidenschaft aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Im Jahre 1960 lernte er seine Frau Rosl kennen, die er zwei Jahre später heiratete. Zusammen bekamen sie drei Kinder. Seine Tochter Renate war ihm bis zuletzt eine große Hilfe und führt heute die Landwirtschaft weiter. Artur Schuster verstarb am 02.11.2018 im Krankenhaus in Immenstadt.

In seiner Zeit bei der Trachtenkapelle Hirschegg nahmen die Musiker unter der neuen Leitung von Fritz Berchtold am 14. Juli 1953 das erste Mal an einem Wertungsspiel teil, und wurden mit einem 1. Rang mit Lorbeerkranz in der Unterstufe belohnt. Im Mai 1954 fügten sie bei einem Marschmusikwettbewerb einen weiteren ersten Rang mit Lorbeerkranz hinzu.

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Eine neue Tracht wurde im Jahre 1968 angeschafft: Walser Burschentracht mit Lederleibchen und Zipfelmütze. Dies schaffte eine einheitliche Tracht der Musikvereine im ganzen Tal.

MV d'Hirschegger-1968Foto: Musikkapelle „d’Hirschegger“ in Burschentracht 1968, vordere Reihe kniend, 5. Person von rechts: Artur Schuster, Heft Bezirksmusikfest 1970

Ein „deutsches Monaco?“

Die Selbstständigkeitsbestrebungen der Gemeinde Mittelberg im Jahr 1922

Unter diesem Titel ist gerade das Heft Nr. 5 der Kleinwalsertaler Schriftenreihe herausgekommen.

Am 3. Dezember 2019, um 17 Uhr wird im Sitzungssaal der Gemeinde Mittelberg, Riezlern, Walserstraße 52, das neueste Heft vorgestellt. Dieses Mal konnte die äußerst interessante Seminararbeit von Lukas Herr gedruckt werden. Herzliche Einladung!

Das Heft wird bei der Vorstellung und danach im Bürgerservice der Gemeinde Mittelberg um 7 Euro erhältlich sein.

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