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Aus dem Gemeindearchiv …

Vor einiger Zeit hat dankenswerterweise das Vorarlberger Landesarchiv u.a. zwei „Büchlein“ aus unserem Gemeindearchiv digitalisieren lassen. Ein Sterbebuch von 1690 bis 1818 und ein Trauungsbuch von 1675 bis 1880. Beide Bücher wurden von Daniel Müller (1781-1845) angelegt (stolzerweise darf ich ihn als mein UrUrUr-Großvater bezeichnen). Sie sind vor allem für Ahnenforscher besonders wertvoll, da in der Pfarre Mittelberg die Matrikenbücher von 1692 bis 1742 fehlen. Wahrscheinlich sind sie schon vor über 100 Jahren verloren gegangen.

Im Hochzeitsbuch sind bei den Brautleuten meist Jahre hinterlegt, welche das Todesjahr belegen. Manchmal steht auch ein 2er oder ein 3er vor einem der Brautleute. Das heißt, dass sie bereits zum zweiten bzw. dritten Mal geheiratet haben. Eine gute Hilfe zum Bestimmen der Zugehörigkeit in einen Stammbaum.

Im Sterbebuch findet man jede Menge interessanter Informationen. U.a. werden die Berufe, Eigenschaften, die Eltern, Wohnorte, aber auch „Übernamen“ der genannten Personen genannt. Eine unglaublich wertvolle Hilfe zum Einordnen in Stammbäume!

Außerdem glaube ich auch ein frühes Beispiel für die sogenannte „Schwabengängerei“ gefunden zu haben. Am 11.3.1694 verstirbt eine Maria Jochum, mit der Bezeichnung „ein Schwab Weib am Hirschegg“. Auch ein weiterer Eintrag könnte darauf hinweisen: Am 5.4.1730 verstirbt eine Christina Huber „Schwab Petter Stinlle bey der Kirche, unversechen gestorben, ist vom Schlag berürt worden, alt bey 65 Jahren, ist vil Jahr in Armuth umgangen“.

Was mich etwas überrascht hat und unbedingt für weitere Forschungen einlädt, ist die Menge der auswärts Verstorbenen. Wahrscheinlich lässt es u.a. auf eine lebhafte saisonale Arbeitsmigration, aber auch auf eine große allgemeine Abwanderung schließen! Was wir eher aus dem Montafon oder dem Bregenzerwald kennen, scheint auch bei uns im Tal an der Tagesordnung gewesen zu sein. Die bisherige Geschichtsschreibung im Tal scheint dieser Thematik nicht nachgegangen zu sein oder wollte sie nicht wahrhaben? Nicht einmal in „Der Mittelberg“ von Fink/Klenze wird auf das Thema näher eingegangen.

Hier ein sehr schönes Beispiel was aus den „Kleinwalsertalern“ werden konnte:

Am 24. Juny (1773) ist Schreibung komen das der Johann Kristian Keßler Sr. Keys. Königl. Majestät Canzleyschreiber zu Wien gestorben sey, Marxen Nazilis Sohn.

Mit ein bisschen Nachforschung kann man herausfinden, dass er k.k. Hofkriegsbuchhalter und Calculator war und am 6. Juni 1773 „beim grünen Lämml Nr. 27 am Spitlberg an Entzündungsfieberbeschwerden“ gestorben ist. Auch sein Bruder Ignaz Keßler ist im Ausland gestorben: „den 2. April 1747 ist Schreibung kommen, dass Ignazy Keßler, Balbierer (Wundarzt) im Welschland gestorben sey, Marxen Nazilis Sohn“

Ein weniger „glückliches“ Beispiel findet sich hier:

den 29. May (1723) ist Schreibung komen das Antony Köberle auf dem Schwarzwald von den Spizbueben um das Leben gebracht worden sey.

Oft wurde von Personen von denen man 30 oder 40 Jahre nichts mehr gehört hatte, die Beerdigung gehalten. Vermutlich hängt dies mit dem Erbe zusammen. 1644 wurde z.B. vom Gericht Mittelberg beschlossen: Wenn ein Mann oder eine weibliche Person ins fremde Land zieht und über 20 Jahre ausbleibt, daß man in dieser Zeit nichts mehr von ihm oder ihr gehört hat, so mögen deren Vermögen oder Güter seine nächste Freund (Verwandtschaft) Brüder oder Schwestern erben und zu Hand nehmen mit der Bedingung, daß dieselben Bürgschaft, wie die Versicherung leisten sollen, wenn jene Personen wieder sollten nach Hause oder in das Gericht Mittelberg kommen.

Einen möglichen „Lutheraner“ findet man am 6.5.1749 (siehe Liste unten)

Die ganzen „nicht im Tal Verstorbenen“ die meist nicht in den Matrikenbüchern des Tales aufscheinen habe ich hier zusammen gestellt (die römischen / arabischen Zahlen hinter einem Namen, z.B. bei Wüstner, Michael, I, 23 sind ein Hinweis zur Auffindbarkeit in der Walser Geschlechterchronik, auffindbar im Stammbaum der Wüstner, Linie I, Registernummer 23):

Datum des SterbtagsName der VerstorbenenOrt
05.07.1693Strolz, Arbogast, zu Bregenz gestorben, ist hier gebürtig geweßenBregenz
10.07.1694Schneider, Christian, im Lechtal gestorben.Lechtal
24.05.1697Wüstner, Franzißcus, den 24. May ist Bericht komen das Franzißcus Wüestner im Welschland zu Innenbach gestorben und begraben sey.Innenbach/Welschland
10.08.1697Mathies, Oswald im Krebenberg gestorbenKrebenberg
17.10.1697Wüstner, Michael, I, 23, den 17. Octbr. Hat man vor Michael Wüestner die Bestadtnis gehalten, er ist im Krieg um das Leben gekomen 
28.09.1701Matt, Johanes, IV, 3, den 28. Sept. ist Schreibung komen das Johanes Math zu Wien gestorben sey, Letze Hanßen SohnWien
04.06.1702Fritz, Johann, den 4. Juni ist Bericht komen das Hanß Fritzen ein Sohn zu Wien gestorben sey, hat Johann geheißen.Wien
10.07.1702Küng, Michael, 23 od. 24 ?, im Schweizerland zu Dürgin ? gestorben.Dürgin?/Schweiz
24.09.1702Schugg, Martin, II, 57, den 24. Sept. ist Bericht auß dem Welschland komen, das Martin Schugg zu Gennabach ? gestorben sey, war Batist Lenasohn und sey schon vor einem Jahr gestorben.Gennabach ?/Welschland
12.11.1702Keßler, Urrich, II, 10, den 12. Novbr. ist Bericht komen das Urrich Keßler der Mußer im Neßelwänglin nach bey Füeßen gest. sey.Nesselwang
24.02.1703Riezler, Petter, III, 10, den 24. Febr. ist Schreibung komen das Petter Rüezler schon vor Wienacht gestorben sey in der Fremde, ist Danielen in Bödmen ein Sohn gewesen 
09.06.1703Berchtold, Salomon, III, 6 , den 9. Juni ist Bericht komen das Salomon Berdold zu Feldkirch gestorben sey, war Meßmer Christlin ein Bruder im Baad.Feldkirch
08.07.1704Blattner, Petter zu Bregenz gestorben.Bregenz
05.07.1705Wüstner, Johanes, den 5. Jully ist Bericht komen das Johanes Wüöstner der Bischoff zum Baad aufm Schwarzwald gestorben sey.Schwarzwald
07.04.1706Mathies, Christian, II, 59, den 7. April ist Bericht komen das Christian Mathies in Ungarn=Land vor 7 Jahren gestorben sey, des Aman Mathießen Sohn bey der Kirchen, kaum 20 Jahr alt.Ungarn
13.07.1706Wüstner, Jörg, II, 3, den 13. Heuwm. Ist Schreibung komen das Jörg Wüöstner vom Hirschegg im Turgau zu Altenhaußen Gott bevollen sey im Schweizer Land. Martis Vatter nebend dem WasserAltenhausen/Thurgau/Schweiz
07.1706Heim, Better, I, 35 ?. im Heüwm. Ist Meister Better Heim zu Ro(r)schach ? gestorben.Rorschach/Schweiz
30.12.1706Mathies, Sebastianus, I, 30, den 30. Decb. ist Bericht komen das Sebastianus Mathieß vor einem Jahr schon gestorben sey. Längen Christle Bäschle. 
21.12.1707Jochum, Peter, den 21. Xbr. Ist Schreibung komen das der Hoch und Wohlgelehrte Herr Herr Better Jochum vor 3 Jahren zu Gräz getorben seyGraz ?
15.11.1708Geiger, Johanes, I, 35, den 15. Nov. ist Bericht aus dem Welschland komen das der Herr Johanes Geigger zu Gen(u)a haffen (Hafen ?) gestorben sey, ist Erhart Geigers in indern Schwenden sein Sohn gewesen. Er hat nacher Mittelberg an St. Josen Gottes Hauß ein 50 f Jahrtag gestiftet u. gen Rüezlen einen mit 50 f u. gen Maria Bildstein 10 f, war alt 57 oder im 58 gisten Jahr.Genua
26.11.1708Berchtold, Sallomon, III, 6 ?, den 26. Nov. ist Schreibung komen Maister Sallomon Berdold Maurer Meister sey in Feldkirch Got bevollen Feldkirch
14.02.1709Riezler, Martin, I, 9, den 14. Febr. ist Schreibung komen das Martin Rüezler Kauf Herr zu Bregenz Gott bevollen sey. Dareße Petterlis Bruder, alt 44 ½ JahrBregenz
04.06.1709Elsässer, Christina, I, 51 ?, Rothen Stina zu Oberstorf im Senndienst in der Gruben gestorben, Jörg Schuollers Nachbäurin.Oberstdorf
09.09.1709Keßler, Anna, I, 66 ?, Marxen Anna, IV, 102 od. I, 48, ein Tochter, ist auf Rom gereißt und nit mehr komen wegen gewisen Ursachen. 
26.01.1711Wüstner, Hanß, den 26. Jäner ist Schreibung komen der Alte Hanß Wüestner, gewesener Wirth und Ghts Rath sey zu Ingolstadt in Baiern gestorben, er sey den 10. Jäner 1709 gestorben, so war die Schreibung 2 Jahr ausIngolstadt
20.09.1711Schneider, Johanes, den 20. Sept. ist Bericht komen das Johanes Schneider, Christen Schneiders Sohn in der Främde gestorben sey, alt bey 46 Jahr. 
12.01.1712Riezler, Chrisostomus, Anno 1712 den 12. Jäner ist W.E.W.J.B.H.UW.G. Herr Chrißostomus Rüezler Capuciner gott bevollen. Ist Martin Osten im Zwerwald sein Schwagger gewessen. 
30.09.1712Heim, Christina zu Oberstorf gott bevollen, ist Stöffelin Michelis Tochter gewesen.Oberstdorf
02.02.1713Straub, Mathes, 13, den 2. Febr. ist die Bestadtnis für Mathes Strauben gehalten worden, ist bey 28 J. vom Vatterland abwesend gewesen 
04.02.1713Heim, Eva, den 4. Febr. hat man für Eva Heimin Geha Ade Schwester die Grebniß gehalten worden, ist vor 30 Jahr u. 5 Monat aus dem Thal komen da man zelt hat Anno 1682 Jahr 
12.02.1713Geiger, Ambroßy, I, 40, den 12. Febr. ist für Ambroßy Geigger die Bestadtnis gehalten w. ist vor 30 Jahren aus dem Thal komen. 
14.02.1713Keßler, Steffen, I, 12, den 14. Febr. ist für Steffen Keßler Schmid Melcher Sohn die Bestadtnis gehalten worden. 
 NB: obgemelte 4 Menschen sind vor 30 Jahren in die Fremde komen, u. ist von ihren Leben u. Todt nicht vill gehört worden. 
12.03.1713Wüstner, Dominicus, I, 17, den 12. März ist für Dominicus Wüöstner und den 
19.03.1713Wüstner, Jos, I, 19, 19. Merz für Jos Wüöstner die Bestadtnis g. worden, es sind beyde der Cather(i)na Bruder g. sind vor mehr als 30 Jahren aus dem Thal komen. G.d.H.s.J.G. u.B. (Gott der Herr sei ihm gnädig und barmherzig). 
04.04.1713Müller, Caspar, I, 51, den 4. April ist Bericht komen das Maist. Caspar Müller Balbierer erst ? vor einem Jahr im Wirtenbergerland zu Herenberg Gott befohlen sey, ist Antony Müller u. Magdalena Kappelerin ein Sohn g. alt bey .. ? Jahr, G.d.H.s. im G. u. B. A.Herrenberg/Württemberg
24.02.1714Matt, Johanes, 24. Febr. ist Bericht komen ß Johanes Math in Ungarn gest. sey wie auch das der Mathes Math in Ungarn gestorben sey. Es sind Beed Lengen Michel Lena Sohn gewesen.Ungarn
24.02.1714Matt, Mathes, 24. Febr. ist Bericht komen ß Johanes Math in Ungarn gest. sey wie auch das der Mathes Math in Ungarn gestorben sey. Es sind Beed Lengen Michel Lena Sohn gewesen.Ungarn
12.04.1714Fritz, Hanß, evtl. II, 24 ?, den 12. April ist Bericht von Wien komen das Hanß Fritz Schneider daselbst gestorben sey Muttere Lehna Sohn und auch für Magdalena Mathin Letze Hanßen Tochter welche zu Wien Gott befohlen ist.Wien
12.04.1714Matt, Magdalena, den 12. April ist Bericht von Wien komen das Hanß Fritz Schneider daselbst gestorben sey Muttere Lehna Sohn und auch für Magdalena Mathin Letze Hanßen Tochter welche zu Wien gott befohlen ist.Wien
23.06.1714Mathies, Lambertus, I, 111, ist zu Reichenbach gestorb. Alt 55 Jahr.Reichenbach (bei Oberstdorf)
24.05.1715Wüstner, Martin, I, 14, den 24. May ist Bericht komen das Martin Wüöstner zu Wien gestorben sey, ist des Ghts Schrbs. Vatter Bruder gewesen.Wien
05.08.1715Elsässer, Michael, I, 57, den 5. August ist der Wohl Ehrwürdige Herr Michael Elsässer zu Wien ohnversehen gott befohlen. Dan er ist im Beth Todt gefunden worden, alt bey 41 Jahren. Ist der Obigen Elsässerin ein Bruder od. des Amanns Sohn.Wien
27.11.1715Mathies, Jörg, I, 27a, den 27. Nov. ist Schreibung komen das Jörg Mathies als Soldat in der Fremde gest. sey. Osten Hanßen Jörgen Sohn. 
12.02.1716Mathies, Christian, den 12. Febr. ist Bericht von Wangen komen, das der Wohl Ehr Würdige Gaistliche Herr Christian Mathies alda gestorben sey. Osten Herr im Zwerwald, alt 46 ½ Jahr.Wangen
10.02.1717Matt, Christian, IV, 4, den 10. Febr. ist Schreibung komen das Christian Math, Letze Hanßen Sohn in Lothringen gestorben sey, den 28. Decbr. 1715Lothringen
15.03.1717Köberle, Sigmund, den 15. Merz hat man die Bestadtnis und Dreiß… ? für Sigmund Köberle gehalten, ist 31 Jahre zuvor aus dem Vatterland fort komen u. nichts mer von ihm gehört w(orden) 
29.03.1718Mathies, Hanß, I, 114, den 29. Merz hat man dem Hanß Mathießen, Ferdinanden Sohn die Bestadtnis gehalten. Ist vor 30 J. aus dem Thal komen 
15.04.1718Müller, Hanß, II, 74, den 15. April ist Schreibung das Hanß Müller, Urschla Hanßen Sohn in Schwenden zu Freiburg im Breysgau gestorben sey, alt 25 Jahr, hat das Zimmer Handwerck lernen wollen.Freiburg im Breisgau
01.07.1718Mathies, Michael, den 1. Jully hat man die Bestadtnis für Michael Mathießen des Aman Mathieße Steifbruder gehalten (vor 30 Jahren aus dem Tal gekommen) 
02.07.1718Wüstner, Simion, I, 40, vom Baad (die Bestadtnis gehalten, vor 30 Jahren aus dem Tal gekommen) 
03.07.1718Matt, Michel, des Lengen Michel Lena Sohn (die Bestadtnis gehalten). Sind alle 3 vor 30 Jahren fort komen aus dem Thal. 
04.05.1719Küng, Christian, 12?, den 4. May ist die Bestadtnis für Christian Küng gehalt w. u. den 5. May dieselbe für Katharina Küngin gehalten worden. Es sind Beede er vor 30 u. sie vor 27 Jahren aus dem Thal fort komen u. ist nichts mehr von ihnen gehört worden. 
05.05.1719Küng, Katharina, 16?, den 4. May ist die Bestadtnis für Christian Küng gehalt w. u. den 5. May dieselbe für Katharina Küngin gehalten worden. Es sind Beede er vor 30 u. sie vor 27 Jahren aus dem Thal fort komen u. ist nichts mehr von ihnen gehört worden. 
30.09.1719Hilbrand, Urschala, I, 9, zu Oberstorf gestorben, 60 Jahre.Oberstdorf
01.11.1719Keßler, Steffen, I, 34, Rosselis Steffen im Margrafen=Land gestorben, er ist bey 56 Jahren gewesen.Markgrafenland
14.12.1719Matt, Mathias, I, 94, den 14. Decbr. ist Schreibung komen das der Student Mathias Math, Melchers Sohn zu Landsperg gestorben sey, ist in der Driten Schuol gewesenLandsberg
05.01.1721Burtscher, Maria, Magd im Rormos, ist gen Diefenbach b.g.w., (begraben worden) Anna Burscherin in Bödmen ihr Schwester, alt bey 65 Jahren.Rohrmoos
01.1721Mathies, Barbara, I, 121, im Jener ist Bericht komen das die Barbara Mathießin Basilis Tochter gestorben sey, alt 35 Jahre. 
26.03.1721Keßler, Anna, III, 84, in Schwenden, Naglers Mutter in der Reüthe gestorben, alt bey 80 Jahren. Eva Keßl. Schwester zum Badt.Reuthe (Oberstdorf ?)
06.01.1722Matt, Katharina, den 6. Jänner ist für Katharina Mathin die Bestadtnis gehalten u. ist vor mer als 30 Jahren aus dem Thal komen u. nix von ihr Leben u. Todt gehört worden, Leze Hanßen ein Töchter 
17.01.1722Berchtold, Christian, I, 54, den 17. Jäner ist Bericht ab dem Schwarzwald komen das Christian Berdold den 2. Jener gestorben sey, war Kilgen Christle zum Baad (ein Sohn) und sey 76 Jahr alt gewesen.Schwarzwald
22.04.1722Wüstner, Maria, I, 62, des Pföhlis Tochter, in Sonthofen gestorben, alt bey 33 Jahren, hat 2 kleine Kind hinderlasen, Pföhlis Justinilis MutterSonthofen
29.05.1723Köberle, Antony, den 29. May ist Schreibung komen das Antony Köberle auf dem Schwarzwald von den Spizbueben um das Leben gebracht worden seySchwarzwald
10.08.1724Heim, Mathias, I, 64, den 10. August ist Schreibung komen das Mathias Heim, des Amann Heimen Sohn zu Feldkirch gestorben sey (in einem abgeschriebenen Feldkircher Verzeichnis steht als Todestag der 29.11.1724, als Beruf wird Kornhändler angegeben)Feldkirch
02.01.1725Riezler, Petter, den 2. Jäner ist Schreibung komen das Petter Rüezler in der Fremde gestorben sey. Darreß Osten Sohn in Ausern Schwenden. 
26.03.1725Mathies, Franzißcus, den 26. März hat man dem Franzißcus Mathies, Schlosers Bruder, so vor 30 Jahr in Ungarn komen ist die Grebniß gehalten.Ungarn
29.08.1725Köberle, Bartolomeus, den 29. Augst ist Schreibung komen das Bartolomeus Köberle nächst bey S. Gallen gestorben sey, alt 65 Jahr, wohnhaft auf dem Egg.St. Gallen
30.04.1726Mathies, Basilliy, den 30. April ist für Basilly Mathieß die Bestadtnis gehalten worde, ist vor 36 Jahren fort komen 
10.11.1728Heim, Martin, V, 25, den 10. Nov. Ist der Wohl Ehrwürdige Herr Herr Martin Heim in Diefenbach gestorben. Er ist mer als 20 Jahr unbäßlich geweßen u. ist 43 Jahr Geistlich gewesen, ist bei 70 Jahren alt gewesen, war Jörg Schuollers Vetter (? Eher unwahrscheinlich). Gott der Herr sey ihm u. allen Christgläubigen Sellen gnädig u. Barmherzig u. geb aller die Ewige Ruch Freid u. Selligkeit. Amen.Tiefenbach (bei Oberstdorf)
06.07.1729Köberle, Michael, 66, den 6. Jully ist Bericht komen das Michael Köberle auf dem Schwarz Wald bey St. Blaßy vom Donnerstral sey erschlagen worden, war gebürtig im Schwand zu Rüezlen.St. Blasien/Schwarzwald
15.09.1729Mathies, Christina, den 15. Sept. ist Schreibung komen das Christina Mathießin an der Klauß gestorben sey, Satlers W. auf dem ZwerwaldKlaus ?
20.05.1730Mathies, Franzißcus, I, 121a, den 20. May ist für Franzißcus Mathies, Baßillys Sohn die Bestadtnis gehalten worden, ist vor 30 Jahren fort komen u. nichts mehr gehört 
12.11.1730Geiger, Franzißcus in der Spilmansauw über ein Schrofen ausgefallen u. darzu ein ganzen Tag in Schmerzen gelegen u. hernach gestorben, ist z. Oberstorf b.g.w.Oberstdorf
30.07.1731Schneider, Christina in Oberstorf gestorben.Oberstdorf
26.07.1731Drechsel, Maria, 13a, den 26. Jully ist Schreibung komen das Maria Drexlerin zu Freyburg gestorben sey, des Hanß Geörg Gopfen Gloggengiessers Sel. Haußfrau, war Josen Hanßen Mutter eine BaaßeFreiburg
18.04.1732Geiger, Johanes, I, 38, zu Kornach gestorben bey seiner Tochter, ist zu Oberstorf begraben worden, alt bey 79 od. 80 JahrKornau (Oberstdorf) ?
22.05.1732Elsässer, Arbogast, I, 78, den 22. May ist Schreibung komen das der Arbogast Elsässer zu Freyburg im Breysgau gestorben sey, alt 36 Jahr, ist Josen Hansen ein Vetter od. seiner Mutter ein Bruder geweßen.Freiburg im Breisgau
02.02.1733Keßler, Petter die Bestadtnus gehalten worden, ist vor 30 Jahren fort komen u. nichts von ihm gehört worden. 
18.06.1733Keßler, Joseph, III, 114, den 18. Juny ist Schreibung komen das der Joseph Keßler Balbierer im Lechtal bey der Elibgealp gestorben sey, Jörglis Christlis Sohn.Elbigenalp
16.09.1733Schugg, Joseph, I, 16, den 16. Sept. ist Schreibung komen das Joseph Schugg im Rohr zu Zurzach gestorben sey, sein Alter 64 Jahr.Zurzach
23.04.1735Riezler, Johanes, II, 93, den 23. April ist Schreibung komen das der Johanes Rüezler Claßen Hänsle im Schweizerland gestorben sey, alt 53 Jahr.Schweizerland
15.09.1736Riezler, Barbara, V, 107, den 15. Sept. ist Schreibung komen das Barbara Rüezler in zu Dornbirn gestorben sey, Joseph Rüezlers Tochter (Sterbedatum lt. Matrikenbuch Dornbirn ist am 11.8.1736).Dornbirn
26.10.1736Jochum, Johanes in Bödmen, Ades Stinles Mann ist im Schrecken gestorben in seinem Vatterland begraben worden.Schröcken
22.11.1738Schwendiger, Johanes, 84, den 22. Nov. ist Bericht komen das Johanes Schwendiger Kilgilis Sohn zu Wertach gestorben sey alt 20 Jahr.Wertach
09.05.1739Weißenbach, Matheus, I, 48, den 9. Mey ist Schreibung komen das der Wohl Ehrwürdige J.G.G.H.Herr Matheus Weisenbach Pfarrer im Schrecken gestorben sey, war gebürtig von Rüezlen alt bey (lt. Pfarrmatriken Schröcken am 7.5.1739 verstorben).Schröcken
10.04.1740Müller, Johanes, den 10. April ist die Bestadtnus für Johanes Müller under der Westegg gehalten worden, ist vor 30 Jahren fort komen u. nichts mehr von ihm gehört w. 
21.04.1741Müller, Arbogast, I, 44, den 21. April ist Schreibung komen das der Wohl Ehrwürdige in Gott Geistliche Hoch und Wohlgelehrte Herr Arbogast Müller Capuciner oder Batter Senior in Imenstadt Gottsellig Entschlafen sey, ist im 74sten Jahr geweßen, er war Antony Müller u. Magdalena Kapellerin ein Sohn u. Bernhart Müller ein Vetter. O Herr sey ihm u. Aller Armen Sellen gnädig u. Barbherzig A.Immenstadt
11.10.1741Geiger, Kristian ist unter Costanz gestorben, war Geigers Sime Vatter, alt bey.Konstanz (unter Konstanz)
06.03.1743Keßler, Joseph, I, 42, den 6. März ist Schreibung komen das Joseph Keßler, Adlis Sohn in Neapel gestorben sey als Soldat.Neapel
20.04.1743Schwendiger, Anna, 62 a, den 20. April ist Bericht komen das Anna Schwendigerin in Augspurg gestorben sey alt 55 Jahr, Hisen Tochter.Augsburg
08.10.1743Strolz, Marx, 11, den 10. Oct. Ist Schreibung komen das der Marx Strolz vor 6 Monat als Soldat im Welschland gestorben sey.Welschland
10.10.1743Burtscher, Johanes, den 10. Octbr. ist die Bestadtnis für Johanes Prutscher, Brutschers Hanßen Sohn gehalten worden, ist vor 30 Jahren fort komen (wahrscheinlich Sohn von Burtscher, 10). 
12.05.1743Fluor, Christian, 14, den 12. May ist Christian Fluor, Herr Fluoren Bruder im Land zu Neckarsulm gestorben, alt über 60 Jahr.Neckarsulm
10.02.1744Berchtold, Hanß, I, 95, den 10. Febr. ist die Bestadtnis für Hanß Berdolden gehalten worden. Christian Berdolden Bruder. Er ist vor 30 Jahren fort komen. 
09.04.1744Matt, Johanes, I, 87, den 9. April ist die Bestadtnis für Johanes Math Beck gehalten w. ist vor 30 Jahren fortgangen u. nichts mehr von ihm gehört worden, ist des Herrn Aman Joseph Mathen Bruder gewesen. 
05.12.1745Keßler, Christoff, den 5. Decbr. ist die Bestadtnis für Christoff Keßler gehalten worden, ist vor 30 Jahren fort komen u. nichts mehr von ihm gehört worden. 
25.12.1745Mathies, Ulrickus, den 25. Xbr. ist Schreibung komen das Ulrickus Mathieß Satler im Bayerland gestorben sey, Dönis Urich.Bayernland
15.11.1746Matt, Johanes, II, 30 ?, den 15. Novbr. Ist Schreibung komen das Johanes Math, Beysery Hanßen Sohn in Franckreich als Soldat gestorben sey.Frankreich
26.02.1747Matt, Lucas, III, 36, den 26. Febr. ist Schreibung komen das der Lucas Math in der Stadt Cölln gestorben sey, Lorenz Mathen Sohn in Bödmen 31 J.Köln
02.04.1747Keßler, Ignazy, den 2. April ist Schreibung komen das Ignazy Keßler Balbierer im Welschland gestorben sey, Marxen Nazilis Sohn 30.Welschland
01.05.1747Mayer, Jacob, I, 14, den 01. May ist Schreibung komen das Jacob Mayer als Soldat in Itallia gestorben sey Hießels Sohn.Italien
15.09.1747Matt, Mathes, II, 37 ?, den 15. Sept. ist Bericht komen das Mathes Math Beysery Hanßen Sohn als Soldath zu Straßburg gestorben sey.Straßburg
15.09.1747Nachtöldin, Anna Maria, den 15. Sept. ist Bericht komen das Anna Maria Nachtöldin im Wirtembergerland gestorben sey. War Fester ? Weib im Wald in R.Württemberg
21.10.1747Keßler, Johanes, III, 122, den 21. Octbr. ist Schreibung komen das der Johanes Keßler Maurer im Rohr zu Straßburg gestorben sey. Der Fötzen ihr Mann.Straßburg
20.02.1748Mathies, Vallentinus, III, 1, ist auf Krombach gestorben u. bey … ?, er war Caspes Franzen Mey Ehe Mann u. Kroma Vatter.Hochkrumbach
24.04.1748Kappeler, Joseph, den 24. April ist die Bestadtnis für Joseph Kappeller gehalten worden, er ist vor 30 Jahren als Soldat under die Preüßen komen u. nichts mehr von ihm gehört worden. 
15.08.1748Keßler, Kristian, I, 74, den 15. Augst ist Schreibung komen das Kristian Keßler zu Dornb. Gestorben sey. Adrionen Christle in R.Dornbirn
06.05.1749Keßler, Martin, den 6. May ist Bericht komen das Martin Kesler Stoffel Keslers Sohn in Margrafen Land gestorben sey. Man sagte er sey ein Lutheraner worden.Markgrafenland
01.07.1749Heim, Joseph, V, 32, dem 1. July ist Bericht von Diefenbach komen das Joseph Heim, Glasers Sohn aldort gestorben sey, alt 60 Jahr. (im Tiefenbacher Sterbebuch ist das Todesdatum 2.7.1749).Tiefenbach (bei Oberstdorf)
24.03.1750Müller, Johanes von hier sonsten derzeit Maurer Meister u. Burggen zu Endingen war 50 Jahr alt.Endingen
01.04.1753Riezler, Maria, I, 21, den 1. April ist Schreibung komen das Maria Rüezlerin Osten Tochter zu Oberstorf gestorben sey alt 65 Jahr.Oberstdorf
30.10.1753Heim, Maria, I, 6 (der Todestag lt. Matrikenbuch von Alberschwende ist der 13.11.1753) den 30. Ocbr. ist Schreibung komen das Maria Heimin Aman Heimen Tochter zu Alberschwenden gestorben sey.Alberschwende
22.04.1754Mathies, Pettrus, I, 126, den 22. April ist Schreibung komen das der Wohl Edel gebohrne Hoch und Wohlgelehrte u. Gestrenge Herr Exellenz Pettrus Mathies von Rosenfeld kais. Königl Mayastät von Österreich Landrichter zu Ranckweil in der Stadt Feldkirch gestorben sey, ist Jörg Schuoller Schwagger od seiner Haußfrauen Sel. ein Bruder gewesen gebürtig von Mittelberg, alt bey 7. Jahr.Feldkirch
26.07.1755Heim, Joseph, I, 66, den 26. July ist Schreibung komen das Joseph Heim, Aman Sohn zu Weil im Schweizerland gestorben sey alt 60 Jahr.Weil (Schweiz)
08.02.1756Drechsel, Jörg, 28, den 8. Febr. ist Berichht komen das Jörg Drexel in der Auw im Bregenzer Wald gestorben sey, Broselis Sohn am Höfle (laut Matrikenbuch von Au ist er am 6.2.1756 gestorben).Au (Bregenzerwald)
25.07.1756Wüstner, Joseph, I, 26, den 25. Jully ist Schreibung komen das Joseph Wüöstner in Büntner Land gestorben sey Techetlis Sohn in R(iezlern).Graubünden
28.04.1759Keßler, Georgius, I, 73, den 28. April ist Schreibung komen das der Georgius Keßler zu Feldberg im Marggrafen Land gestorb. Adrionen Jörg.Feldberg (Markgrafenland)
01.04.1760Riezler, Kristian, II, 97, den 1. April ist die Bestadtnis für Kristian Rüezler Clasen Sohn in R. gehalten w. ist vor 31 Jahr fort komen. 
17.11.1760Mathies, Johanes, den 17. Nov. ist die Bestadtnis von Johanes Mathieß Gerber gehalten worden, ist vor 30 Jahren fort komen u. nichts mehr von ihm gehört worden. 
25.11.1761Elsässer, Christian, I, 86, den 25. Nov. Ist Schreibung komen das Christian Elsässer in Heßenland gestorben sey, war Uhrmacherlis Sohn auf dem Egg, alt 20.Hessen
19.02.1764Riezler, Dominycus, II, 102, den 19. Febr. ist die Bestadtnis für Dominycus Rüezler in R. gehalten worden, Claßen Sohn, es wurde nichts mehr von im gehört. 
28.03.1765Sailer, Maria, 3a, den 28. März ist Maria Saillerin Jodock Saillers Schwester zu Oberstorf am Carfreytag zu Nacht gestorben alt 67 Jahr (lt. Oberstdorfer Matrikenbuch ist sie am 5.4.1765 gestorben, an diesem Tag war auch der Karfreitag).Oberstdorf
17.03.1767Wüstner, Christian, II, 31, den 17. Mey ist Bericht komen das Christian Wüöstner zu Freyburg im Breysgau gestorben sey, der Jung Fötzen ihr Mann, ist nur 14 Wochen im Ehestand gewesen, er war Martin Wüestner Sohn alt 30 Jahr.Freiburg im Breisgau
25.01.1768Geiger, Joseph, II, 32, den 25. Jäner ist Schreibung komen das Joseph Geigger Fozen Matheßen Sohn im Tiroll gestorben sey.Tirol
14.03.1768Keßler, Lucas, den 14. Merz ist die Bestadtnis für Lucas Keßler gehalten worden. Urich Sohns Sohn, ist vor 30 Jahren fort komen u. nichts mehr von ihm gehört. (Enkel von III, 60 oder II, 10 ?). 
02.05.1768Drechsel, Joseph Michael, 54a, den 2. May ist Schreibung komen das der Joseph Michael Drexel, Broßis Jörg Sohn in der Främde um das Leben komen sey (gestorben am 25.4.1768 ?).(Wien ?)
22.09.1768Riezler, Gaberiel, IV, 54, den 22. Sept. ist Bericht komen das Gaberiel Rüezler Danielen Seppen Sohn zu Solothurn gestorben sey alt 24 Jahr.Solothurn (Schweiz)
02.06.1769Riezler, Andreas, I, 39, den 2. Juny ist Schreibung komen das Andreas Rüezler Darres Sohn der Balbierer zu Staufen gestorben sey alt 24 Jahr.Oberstaufen ?
10.08.1771Müller, Joseph, den 10. August ist Bericht komen das Joseph Müller, Blinde Josephle in Braband gestorben sey.Brabant
29.04.1773Müller, Franz Joseph, I, 106, Blinde Christlis Sohn in Bödmen, ist zu Fischen gestorben u. beg.w., er hat im selber die Brand Ader abgestochen u. hat daran sterben müsen, war 23 Jahr altFischen
24.06.1773Keßler, Johann Kristian, III, 165, den 24. Juni ist Schreibung komen das der Johan Kristian Keßler Sr. Keys. Königl Majestät Canzleyschreiber zu Wien gestorben sey, Marxen Nazilis Sohn.Wien
29.05.1774Schugg, Johanes, II, 64, den 29. May ist Bericht komen das Johanes Schug Kromschügle zu Ofterschwang gest. seyOfterschwang
21.10.1774Ladner, Bernhart, 25, den 21. Octbr. ist Schreibung komen das Bernhart Ladner unter Bildstein in der Wolfurter Pfarr gestorben sey alt 68 J.Wolfurt
12.02.1776Hudermännin, Maria, den 12. Febr. ist Bericht komen das Maria Hudermännin von R. des Birger Hanßlis Weib in Konstanzerthal, wo sie gebürtig gewesen ist gestorben sey. (siehe bei Matt III, 26=1. Ehe, 2. Ehe mit Johannes Fritz aus Warth=Birger Hanßli).Konstanzertal
13.03.1777Bader, Annastaßia, I, 33, den 13. März ist die Schreibung komen das Annastaßia Baderin zue Waltenhofen bey ihr Mutter Monika gestorben sey, alt 19 JahrWaltenhofen
15.03.1777Elsässer, Mathies, II, 43, den 15. März ist Schreibung komen das Mathis Elsässer gebürtig aus dem Schwand in R. zu Solothurn gestorben sey, Streybe Heßen SohnSolothurn (Schweiz)
20.09.1777Riezler, Joseph Anton, V, 119, den 20. Sept. ist die Schreibung komen das Joseph Anton Rüezler Rechenmachers Sohn in Schwenden, als Soldat in Ungarn gestorben sey um Jakobe alt 30 JahrUngarn
15.11.1777Berchtold, Magdalena, III, 19, den 15. Nov. Ist Bericht komen das Magdalena Berdoldin Joselis Tochter zu Diefenbach gestorben sey, Auttiners ? Weib (im Sterbebuch von Tiefenbach ist der Sterbetag mit 27.11.1777 angegeben, Ehemann ein Andreas Weiler).Tiefenbach
12.03.1778Köberle, Martin, 30, den 12. Merz ist Schreibung komen, das der Martin Köberle von R. aus dem Schwand an der Egg im Bregenzerwald gestorben sey.Egg (Bregenzerwald)
25.09.1779Paul, Kristian, 55, den 25. Sept. ist Schreibung komen das Kristian Paul aus den Bödmen SpilMändlis Sohn, als Kayserlicher Soldat in Prag gestorben sey u. zu Gutenberg begraben worden alt beyPrag
17.10.1781Elsässer, Andreas, II, 38, den 17. Octbr. ist Bericht komen das Andreas Elsässer zu Rüezlern Heßen And(reßen) auf der Augspurger Staß under ein Gütter Waggen komen und zu Todt gefahren worden, wurde zu Guttenberg begraben (Gutenberg liegt zwischen Kaufbeuren und Buchloe und ist heute ein Ortsteil der Gemeinde Oberostendorf im Landkreis Ostallgäu).Gutenberg (LK Ostallgäu)
15.06.1782Wüstner, Joseph, I, 89, den 15. Juni ist Bericht komen das Joseph Wüestner Hanßelis Sohn auf dem Egg, als kayserlicher Soldat in Alt Breysach gestorben sey vor einem Jahr um Jakobe alt 24 JahrBreisach am Rhein
01.11.1782Riezler, Ignazi, I, 47, den 1. Nov. ist Schreibung komen das Ignazi Rüezler vom Baad, Johanes Naze, als Soldat in Neapel gestorben sey, ist vor 11 Jahren fort komen, 36 altNeapel
01.10.1785Schugg, Joseph, I, 55, den 1. Octbr. ist Bericht komen, das Joseph Schugg zu Hindenlang gestorben sey, Weybels Michels Sohn, alt 50 Jahr, war vorher 24 Jahr Soldat.Hindelang
21.11.1785Keßler, Johannes, II, 73, den 21. Nov. ist Bericht komen, das der Herr Bruder Georgius Capuciner Ordens zu Weißenhorn in der untern kayserlichen Landvogtey gestorben sey, hat Johanes Keßler geheißen, er war Petter Keßler in Bödmen ein Sohn, des Amann Keßlers ein Bruder alt beynahe 70 Jahr.Weißenhorn
22.01.1786Gassner, Johanes, 2, den 22. Jäner ist Bericht komen, das Johanes Gasner als kayserlicher Soldat in Niderland gestorben sey, alt 30 Jahr.Niederlande
05.08.1787Fritz, Joseph, III, 50, den 5. Augst ist Bericht komen das Joseph Fritz gebürtig zu Hirschegg zu Koblenz gestorben sey, ist vor 40 Jahren fort komen, alt 50 Jahr, er war Mathis Fritzen u Maria Mathin ein Sohn.Koblenz
Nov. 1790Wagner, Alois, 11, den Nov. ist Bericht komen das Aloys Wangner Hänlis Sohn als Soldat in der Främde gestorben sey. 
27.02.1791Matt, Michael, II, 35 ?, den 27. Febr. ist die Bestadtnis von Michael Math, Beysery Hanßen Sohn gehalten worden, ist schon vor 40 Jahren aus dem Thal komen u. über 30 Jahre nichts mehr von ihm gehört worden. 
07.03.1791Elsässer, Michael, I, 96, den 7. Merz ist die Schreibung komen, das Michael Elsässer an der Egg im Bregenzerwald gestorben sey, hat 5 Kind hinderlasen, Uhrenmacherlis Sohn 
24.07.1792Mathies, Andreas, IV, 3, den 24. July ist Bericht komen das Andreas Mathies, Lothersschneiders Sohn zu Sitten im Wallis gestorben sey, sein Alter 46 Jahr.Sitten/Wallis
26.12.1793Fritz, Georg Anton, I, 75, den 26. Decbr. ist von Georg Anton Fritz Balbierer, Joseph Fritzen Sohn, die Bestadtnis bey der Capella (Hirschegg) gehalten worden, ist vor 30 Jahren fort komen, gebürtig von Rüezlen 
06.04.1794Mathies, Joseph Anton, den 6. April ist Schreibung komen das Joseph Anton Mathies als Französischer Soldat im Fürstenberger Land gestorben sey, gebürtig von RüezlenRiezlern
01.04.1796Keßler, Joseph, I, 85, den 1. April ist die Bestadtnis für Joseph Keßler, Adlis Hanßen Sohn bey der Kapella gehalten worden, er ist vor 30 Jahren fort komen u. nichts mehr von ihm gehört worden 
01.11.1796Schugg, Baltus, I, 72, den 1. Nov. ist Bericht komen das Baltus Schugg, Balzen Bueben Sohn in Spanien als Soldat vor 6 Jahren gestorben sey, ist vor 16 Jahren aus dem Thal komen.Spanien
25.12.1797Schugg, Katharina, II, 76, den 25. Decbr. ist Bericht komen das Katharina Schuggin, des Krom Schüglis Tochter in dem Tiroll im Ehrwald gestorben sey (lt. Matrikenbuch von Ehrwald ist sie am 15.12.1797 gestorben).Ehrwald/Tirol
23.04.1798Heim, Johanes, III, 54, den 23. April an St. Jörgentag hat man für Johanes Heim am Höfle, kayserlicher Soldat so den 30. Octbr. 1797 zu Klagenfurth im Spital gestorben ist, bey der Pfarr Kirche zu Mittelberg die Schidung geleüthet und die Bestadtnis gehalten, war bey 28 Jahr alt u. 2 ½ Jahr Soldat 
28.06.1798Fritz, Bernhart, I, 104, Fritzen Bernhartle, ist in der Warth gestorben u. begraben worden, alt bey 5. Jahren.Warth
11.09.1799Berchtold, Magdalena, Schloßers Magdalena von Ri. ist zu Oberstorf gestorben u. begraben worden (wahrscheinlich eine Tochter von III, 7).Oberstdorf
20.12.1799Keßler, Kresentzia, II, 116, den 20. Decbr. ist Bericht komen das Kresentzia Keßlerin ein Kindbetherin zu Weiller den 18. Xbr gestorben sey, sie war Michel Schneiderlis ein Tochter ab der obern Stütze u bey 40 Jahren alt.Weiler
04.12.1800Riezler, (Amalia Amanda, V, 129), den 4. Decbr. Bericht komen das … Rüezlerin, Franz Rüezlers in Schwenden ein Tochter, im Schwabenland an den Blatern gestorben sey (lt. Riezler Matrikenbuch am 28.11.1800 gestorben). 
09.02.1804Wüstner, Emmerentzianna, II, 32, bey ihrer Tochter zu Betzauw Gott befohlen, Augustin Schuggen Weib, ihr Alter 63 Jahr.Bezau
1804Berchtold, Jos. Anton, II, 27, ist Bericht komen das Jos. Anton Berchtold, Jaken Tomen Sohn im Schweizerland gestorben sey, hat 2 Kind hinderlasen.Schweiz
18.01.1808Jochum, Jodockus, II, 41, den 18. Jener ist Bericht von Schoppernau komen das Jodockus Jochum, Christian Jochum u. Vicktoria Mathin Sohn, den 14. Jäner aldort auf der Halden gestorben sey, hat 4 Kind hinderlasen, ist ein Tag u. ein Nacht kranck gew. Alt 45 J.Schoppernau     
18.12.1808Kappeler, Maria, I, 80, den 18. Decbr. ist Bericht komen das Maria Kappellerin Gebhart Drexels Weib zu Schöllang gestorben sey, sie war 75 Jahr alt. Sie war Hanß Kappeller u. Maria Brestlerin Tochter auf der Leze.Schöllang
03.08.1809Matt, Jodok Klement, I, 111, Marx Mathen Sohn auf dem Birg am Lech, nachdem er 8 Tag lang am Kopfwech krank gewesen, unversehen gestorben, er war im 47 Jahr seines Alters, hat ein Tochter hinderlasen.Lech
17.05.1810Berchtold, Petter, III, 40, Joselis Sohn aus den Schwenden, zu Sonthofen gestorben, ist bey 8 Tag krank g. u. bey 59 Jahr alt.Sonthofen
08.11.1810Ladner, Joseph Fideli, 98, den 8. Nov. ist Schreibung komen das Joseph Fideli Ladner, Fidelis Sohn im Schöntell als Köngl. Bayrischer Sodlat zu Wien in Österreich im July 1809 schwer verwundet u. hernach gestorben sey, es wurde zu Mittelberg u. Hirschegg die Scheidung geleutet. Sein Alter 29 Jahr u. Soldat bey 2 ½ Jahren.Wien
April 1813Hermann, Gottlieb, April ist Bericht komen das Gottlieb Hermann des Beken Hern Sohn von Rüezlen zu München bey den Barmherzigen Brüdern zum H. Kreüz gestorben sey. Er hat bey Jahren gestudirt u. hat in das Priester Haus komen sollen, alt bey 27 Jahren.München
Nov. 1814Müller, Hanß Michael, II, 149, im Nov ist die Bestadtnis für Hanß Michael Müller Amans Sohn zu R. gehalten worden, ist als König. Beyerischer Soldat im April 1813 in der Festung Thorn in Polnisch Preüsen krank gelegen u. gestorben, alt bey 24 Jahr. 
10.01.1815Elsässer, Heinrich, I, 122, den 10. Jänner ist für Heinrich Elsäser ab der Stütze K. Bayer. Soldat so zu Ettenheim Münster (Ettenheimmünster, heute Ortsteil von Ettenheim) im Hospital am 2. May 1814 gestorben, der Todtenschein kommen u. die Schidung geleütet worden; war bey 29 Jahr alt.Ettenheimmünster
15.01.1815Graf, Viktorinus, I, 46, den 15. Jänner ist für Viktorinus Graff vom Rohr K.B. Soldat die Schidung geläutet worden, derselbe ist den 20. März 1814 in Frankreich beym Dark N. in der Nacht im Sturm um sein Leben komen, alt 30 Jahr.Frankreich
24.09.1815Riezler, Johann Georg, III, 30, den 24. Sept. ist der Hochwürdige Gaistl. Herr Johann Georg Rüezler, vormalliger Pfarrer zu Fonttanella in Rankweil gestorben im 73gisten Jahr, am 23. Sept. ist zu Mittelberg die Schiddung geläutet worden. Er war Ignaz Rüezler u. Anna Drexlerin Sohn, hat 1771 Prämiziert.Rankweil
Juni 1816Keßler, M. Katharina, II, 100, im Juny der obigen ihr Tochter M. Katharina Keßlerin, Ludwig Fritzen Weib zu Blaichach gestorben, alt bey 52 Jahren.Blaichach
1816Ernst, Jörg, 7, aus den Schwenden ist nächst bey Lindau gestorben, alt bey 7 JahrenLindau (bei)
12.12.1816Müller, Annastaßia, I, 99, Rothen Staßel, alt bey 74 Jahr, Witwe, ist zu Schoppernau gestorben, Viktorinus Müllers Sel. ein Schwester.Schoppernau
04.09.1817Drechsel, Gebhard, 44, Item Gebhard Drexel ist zu Schöllang den 4. Sept. gestorben, alt über 55 Jahr, war des Aman Drexels Sohn.Schöllang
1817Burger, Katharina, Burgerlis Tochter ist zuz Ofterschwang gestorben, alt bey 50 Jahr.Ofterschwang
23.04.1817Riezler, Jodokus Chrisostonus ?, Ledig, Franzißkus Rüezler, II, 161, Naglers Benhardlis Sohn aus den Schwenden hinderlies 8 Kinder.Blaichach
1817Matt, Anna, Jodok Keßler Weib in der Reuche (siehe bei Kessler II, 97).Röthenberg-Reuche
27.09.1817Keßler, Klement, III, 209, Klementlis Sohn ab dem SchlosSargans (Schweiz)
 1817Keßler, Joh. Anton, III, 400, obigen Sohn ebenfals im Winter in der Schweiz gestorben im Land Ury.Kanton Uri (Schweiz)
03.08.1818Keßler, Kristian, II, 125a, Schmida Jörgen Franzen u. Barbara Wüestnerin Sohn, ist in Leonhard Doblers Alp in Hutla vom Holz erschlagen u. im Buchboden begraben worden den ten August, alt 18 Jahr (im Matrikenbuch von Buchboden steht der 1.9.1818).Buchboden
23.09.1819Keßler, Sebastian, III, 226, Balbierer, Andreaßen Sohn am Höfle, ist im Bannat gestorben. Ist Anno 1792 in Mitte des Mayen hier im Thall u. auch bey meinem Vater in Bödmen im Hauß No. 7 gewessen. Hinderlies ein Töchterle mit 12 Jahr. Er war Marxen Nazelis Andreaßen Sohn am Höfle, seine Mutter Hanßa Trina starb 1795. Seine Geschwisterte waren Franz Joseph, Balbierer, Anton, Jodok, Michael, Maria, Anna Theresia u. Bibianna.Cavtat ? im Bannat

Das komplette Sterbebuch kann man hier finden:

Pestloch – Hennenloch?

Eine alternative Erklärung zu einem Kleinwalsertaler Baudetail.
Ein Gastbeitrag von Mathias Kappeler

In vielen alten Walserstuben findet sich etwa an der gleichen Stelle eine quadratische Öffnung in der Aussenwand der Stube, die heute verschlossen ist.

Basierend auf einer Veröffentlichung von Wilhelm Fritz wird im „Museumguckloch“ diese Öffnung als sog. Pestloch interpretiert.

Es gibt jedoch noch ältere Quellen, die eine völlig andere – etwas profanere – Erklärung bieten.

Um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert hat der Vorarlberger Architekt und frühe Bauernhausforscher Dr. Ing Georg Baumeister die Täler Vorarlbergs bereist und seine Erkenntnisse 1913 in einem wunderbaren Buch zusammengefasst. Das Bauernhaus des Walgaues und der Walserischen  Bergtäler Vorarlbergs bietet für diesen Raum eine äußerst wertvolle Quelle  auch für den Hausforscher von heute.

Georg Baumeister ist diese Öffnung in den Walserstuben wohl auch aufgefallen und er hat Kleinwalsertaler vor Ort dazu befragt. Er schreibt dazu:

„In alten Häusern treffen wir häufig neben dem Stubenkasten am Boden das „Hennaloch“, das von außen und innen durch einen Schubladen mit Handausschnitt geschlossen wird. Heute kommen aber nirgends mehr Hennen in die Stube und die Besitzer machen sich selbst über diese Einrichtung lustig. Die Geflügelzucht scheint in älterer Zeit bedeutungsvoll gewesen zu sein, da sich die Landsordnung eingehend mit den Hühnern befasst.“

Auch Fink und Klenze berichten diesbezüglich in Ihrem Buch „Der Mittelberg“ im Kapitel zum Walserhaus:

„Die Hühner hielt man in der unteren Stube; in der einen Ecke führte für diese Tiere das sogenannte Hennenloch ins Freie.“

Ich habe in Gerstruben nach solchen Öffnungen gesucht, und sie in den Anwesen Nr. 2 und Nr. 4 gefunden, die wohl von Tannberger Zimmerleuten knapp vor dem 30 jährigen Krieg –also noch vor der Pest- gebaut worden sind. Die Öffnungen sind dort sehr klein und beim Bau quasi als Ansatz eingebaut worden, um sie bei späterer Notwendigkeit als Hennenloch vergrößern zu können. Sie wurden dann aber wohl nicht gebraucht und provisorisch gleich mit kleinen Balkenstumpen verschlossen.

Dasselbe konnte ich beim ehem. Gasthof in Zug bei Lech am Arlberg und bei einem Haus in Lechleiten feststellen.

Haus in Lechleiten

Die Kleintierhaltung in der Stube beschreibt ausführlicher Richard Weis in seinem Standardwerk Häuser und Landschaften der Schweiz. Die Kleintierhaltung in der Stube war in Süddeutschland und im gesamten Alpengebiet allgemein üblich. Den Hühnerkäfig hieß man in Graubünden nach R. Weis die Hennechebia . Eine Zeichnung eines solchen Käfigs aus St. Antönien hat R. Weis seinen Ausführungen beigefügt. Vor kurzem kam im BR3 eine Sendung über ein altes Bauernhaus aus der Salzburger Gegend, das in den Landkreis Traunstein nach Bayern versetzt wurde. Dort war so ein Hühnerkäfig noch im Original zu sehen. Letztlich ist der Begriff „Stubenküken“ auch ein sprachliches Relikt der Haltung von Hühnern in der Stube.

Schaut man sich die Walser Hennenlöcher genauer an, so fallen außen die Löcher mit den Resten der Holzsprissel auf, auf denen wohl einst kleine Hühnerleitern aufgelagert waren. Es war wohl eine praktische Walser Idee den Hühnerkäfig direkt über ein verschließbares Loch mit dem Hof zu verbinden.

Aus Richard Weis, Häuser und Landschaften der Schweiz

In Oberstdorf musste der Hühnerkäfig wohl an anderer Stelle untergebracht werden (unter der Ofenbank?), da an dem Wandabschnitt zwischen Stubentüre und Aussenwand innerhalb der Stube bis ca. 1800 die große „Liichte“, d.h. der offene Stubenherd stand, den man im Kleinwalsertal i. d. R. nur als kleinere Wandnische neben dem Großen Stubenofen kannte. Über die „Liichte“ der Oberstdorfer und die „Lüchte“ der Walser könnte man aber noch vieles berichten, das hier zu weit führen würde.

Februar 2021, Mathias Kappeler

Das Pestloch

Bei manchen alten Kleinwalsertaler Walserhäusern finden wir das sogenannte Pestloch. Was hat es mit dem sogenannten Pestloch auf sich? Wilhelm Fritz schreibt in seinem Buch „Einst und Jetzt“ auf Seite 85: Als im 17. Jahrhundert „die Pest regierte, woran 80 Personen in Mittelberg (Anm.: Hirschegg gehörte damals noch zu Mittelberg) und 40 zu Riezlern starben“, wurde das „Pestloch“ in der Höhe der Stubensitzbank aus der Hauswand gesägt und mit einem Schieber versehen. Den Pestkranken schob man täglich eine Mahlzeit durch das Pestloch auf die Stubenbank. Blieb das Essen unberührt, so wußte man, daß der Schwarze Tod sein Werk voellendet hatte. Die Leichen wurden im Pestgrab beim Mittelberger Kirchturm beigesetzt. Später errichtete man darüber die Sakristei.

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Ähnlich wird die Situation auch im Buch „Der Mittelberg“ von Fink/Klenze auf Seite 270 beschrieben: 1634 und 1635 regierte das Leid (Pest), woran 80 Personen zu Mittelberg und 40 zu Riezlern starben. Im ersteren starben auch zwei Franziskaner, die zur Aushilfe von Füssen gekommen waren, und der Meßner. Wenn ein Einwohner davon ergriffen wurde, flohen meist die anderen Insassen des Hauses. Man klopfte nur einige Male im Tage an ein Fenster. Erhielt man Antwort, so floh man wieder; erst wenn man keine mehr erhielt, holte man die Leiche. Eine Wallfahrt von 36 Personen ging nach Einsiedeln; nach dieser starben 1636 nur mehr vier Personen. Man schrieb das Wiederauftreten der Pest dem Umstande, daß man den Sebatiansaltar, der in der Mitte der Mittelberger Kirche infolge eines alten Gelübdes stand, entfernen wollte; man ließ ihn deshalb stehen und restaurierte ihn. Aus vielen Familien standen zwei, drei bis zu sechs Mitglieder; die Toten liegen in Mittelberg und Riezlern je in einem Grabe, im ersteren, wo nun die Sakristei steht.

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Betrachten wir noch eine ältere Quelle, die sogenannte „Sailerchronik“ die von einem Johann Lorenz Nepomuk Sailer (1734-1806) geschrieben wurde. Sie umfasst die Jahre von 1401 bis 1700 und wurde vermutlich aus verschiedenen äteren Quellen zusammengetragen.

Anno 1634 Jahrs den 12 Tg. Oct. ist Johannes Wüestner im Land gestorben … (an) der Pest oder Laid.

Anno 1634 Jahrs den 28 Tg. Oct. Ist Caspar Wüestner des obigen Bruoder gestorben auch im Laid auff dem Land.

Anno 1634 … hat hier das Laid oder Pest angefangen zu regieren und hat gewehret Monat Wuochen Täg und seindt zue Mitelberg und Rüezlen gestorben daran 120 Persohnen und ligen zue Mitelberg auch zue Riezlen in einem Grab, das ist ja ein grose Klag.

Anno 1634 Jahrs … ist der Jacob Rüezler auch im Laid gestorben und nach seinem Sterben und begradt in Gott, kombt er aus der Camer heraus und sagt zue seinen Kindern, er wolt mit ihnen zue Nacht esen, und heist Kes und Brodt aufftragen, auch sagt er zue seinen Kindern, es werde heütigen abend ein Wunderzeichen geschechen, nach dem niembt er ein Liecht, gehet zur Stubendür hinauß und macht ein Feür an, und die Kinder giengen mit ihm, da er das Feür angemacht hat, da brindt es im Haus ob Schwebel und Bech darin sey, da gieng der Geist durch die Stiegen hinauff und oben zue einem Loch hinauß, und die Kinder nichts mehr sahen – springen sie der Camer zue und zum Balgen hinauf, da wahr das Feür so gros, das sie sich verwundern ohne Schaden davon komen seindt, da giengen sie in den S:V. Viehstall und müsen 4 Wuochen verbotten darin ligen, dan sagten die Kindes diese geschieht zue dem andren Leüthen wie und was sich zue getragen hab, weiters hat es sich zue getragen, das der Geist zue seinen Kindern sagt, man soll das Ave Maria Leüthen bey S. Anna Capela (Anm: Kapelle in Hirschegg), darnach sagten es die Kinder dem Ambth Aman Herren Christostumus Mathies und Gerichtsgeschworenen, wos der Geist zue ihnen geredt hab und thuon solches auch mit der Wahrheit bezeügen.

Anno 1634 .. ist von Herren Pfarr und Aman und ganze Gericht befohlen worden das Ave Maria bey S. Anna Capellen zue leütten dieses hab ich in einer alten Schrift gefunden, wie es geschreben steth hier Johannes Sailer hab es abgeschriben und der Petruß Schuog Schreiber (Anm. er war von 1736 bis 1762 Gerichtsschreiber des Gerichts Mittelberg) hat es selber in einem alten Brieff gefunden und selber abgeschriben ich bezeüg es mit Hand und Mundt.

Anno 1634 Jahrs den 1 Tg. April schreib ich, das ich von alten Leüthen gehört habe erzelen, es sey ein fahrender Schuoler im Albenwald gewohnet hat, er hat alles gewust was geschehen werde, solche Kunst sagt er müese 7 sein welche sie lehrnen wollen und der Teüffel ist ihr Meister, in 7 Jahren müesen sie das Los werffen, welcher des Teüffels sey. Er ist der 6te gewesen so zwey einer geworfen hat, der 7te würfft nach ihme die Würffel springen auffeinander sie zeigen eins, gleich hat in der Teüffel hin zum Lohn, derjenige so hier im Alpenwald wohnet ein fromer Mann worden. Er ist alle Nächt zu Mitelberg … auff den Freithoff gangen und 3 Rosenkranz gebetten auch sogahr den Buoben auff den Weg gestanden dieselbe mitgenohmen zue betten und darnach gehen lasen zue den Mädlein auch sagt er wenn er sterben werde, werden 3 Stuckh geschechen, ein Immen (Anm.: ein Bienenstock schwärmen) lasen, ein Leüwen (Anm: Lawine) gehen, ein Haus verbrenen. Solches ist geschechen, des Jacob Riezler Haus auff der Eggen so sein Gaist angezündt ist verbronnen.

Diese Sage findet man auch auf www.sagen.at

Dann folgt eine Liste der verstorbenen Personen. Da in Mittelberg die Matrikenbücher erst im Jahr 1637 beginnen soll sie hier auch veröffentlich werden.

Pest_1634_02

Anno 1634 Jahrs den 25 Tg. Merz schreib ich ist zue sehen wie vile Persohnen im Laid gestorben sey in der Pfarr Mitlberg bey St: Jodoce … begraben. Einen Grab ist ein grose Clag, wo jetzt der neye Segen oder Secrestey steth alß;

  1. Jacob Riezler auff der Egga Caspar Riezlers Sohn
  2. Caspar Rüezler sein Vatter
  3. Anna Köngin Caspar Riezlers Weib
  4. Jeromiaß Rüezler Caspar Riezlers ein Sohn
  5. Eva Rüözlerin Caspar Riezlers ein Tochter
  6. Augustinuß Mathies Jodoc Mathiesen Sohn
  7. Johannes Math in der Seithen
  8. Magtalena Lecherin sein Weib in der Seiten
  9. Affra Mathin Zachariuß Mathen 1 Tochter
  10. Maria Heimin Melcher Mathen Weib
  11. Davit Math Melcher Mathen ein Sohn
  12. Christina Paulin Moriz Hänsle ein Tochter
  13. Gertrude Schöntalerin Hans Schöntäler ein Tochter
  14. Conraduß Riezler Kilian Rüezler ein Sohn
  15. Moriz Heim Schuochter (Anm: Schuster) im Zwerwald
  16. Hieronemuß Heim Schuochter Sohn
  17. Magtalena Heim Schuochter Tochter
  18. Solastica Mathiesin Schlosers Weib
  19. Thomaß Uele Schloserß Sohn
  20. Marcuß Math Peter Mathen ein Sohn
  21. Ottilia Math Peter Mathen ein (Tochter) Zwerwald
  22. Michael Strolz Adam Michel
  23. Catharina Strolzin Michel Strolzen ein Tochter
  24. Georgius Heim Jacob Heimen Sohn
  25. Mathias Heim Georgi Heimen ein Sohn
  26. Christoff Müller
  27. Barbara Paulin Lorenz Babel
  28. Petrus Müller Weelin
  29. Anna Elseserin Weelin Weib
  30. Christian Jung Ursula Christen
  31. Mathias Jung Christian Jungen Sohn
  32. Maria Jungin Christian Jungen Tochter
  33. Petruß Geiger
  34. Kunigunda (wahrscheinlich) Schwendigerin, Petruß Geigers Weib
  35. Lucaß Geiger Petruß Geiger ein Sohn
  36. Maria Geigerin Petruß Geiger 1 Tochter
  37. Thadäuß Mathies Müllers Sohn
  38. Ambrosius Kesler ein Sohn
  39. Verenna Geigerin Brosi Geigers Tochter
  40. Johannes Kesler Frenna Hensle
  41. Johannes Kesler Verenna Hensle Sohn
  42. (fehlt)
  43. Maria Keslerin Frenna Hensle Tochter
  44. Appolonia Keslerin Frenna Hensle Tochter
  45. Ulricuß Math
  46. Margretha Wüestnerin Amman Mathen Weib
  47. Margretha Mathin diesen Sohns Weib
  48. Christoff Geiger
  49. Christian Geiger Stoffel Geiger ein Sohn
  50. Ursula Geigerin des … Schneiders Weib
  51. Cecilia Wüestner Michel Wüestner Tochter
  52. Georgius Mathies Lengen Bartle ein Sohn
  53. Michael Küng
  54. Jacob Straub
  55. An ? Gaberiel Schuoler der Fartschuoler
  56. Joseph Jung
  57. Mechhilda Schuochterin
  58. Caspar Kesler
  59. Margretha Jüngin Caspar Keslers Weib
  60. Caspar Kesler Caspar Kesler ein Sohn
  61. Maria Keslerin Caspar Kesler ein Tochter
  62. Melchior Kesler Caspar Kesler ein Sohn
  63. Johanes Math, Jodockuß Mathen Sohn
  64. Ursula Frizin Johannes Mathiesen Weib
  65. Catharina Jungin im Dobel

Noro 80 Persohnen

Anno 1634 Jahrs den 25. Merzen schreib ich, seindt in Riezlen in der Pfarr St. Maria der Muotter Gottes Maria Opfferung im Laid ost Pest gestorben, ligen alle in einem Grab, ist dos nicht ein grose Clag als Erstlich

  1. Thorodhea Müllerin Hanß Frizen Weib
  2. Jacobuß Fritz Hans Frizen ein Sohn
  3. Salomon Friz Hans Frizen ein Sohn
  4. Maria Frizin Hans Frizen ein Tochter
  5. Adam Friz Mesner in Riezlen
  6. Rosina Schöntalerin Mesners Weib
  7. Philppus Friz Mesners ein Sohn
  8. Jacob Friz Mesners ein Sohn
  9. Anna Friz Mesners ein Tochter
  10. Lucya Friz Mesners ein Tochter
  11. Andreas Riezler Jeramias Riezler ein Sohn
  12. Anna Riezlerin Jeramias Rizlerin ein Tochter
  13. Simyon Schug Bale Schügle ein Sohn
  14. Theresia Schuolerin Beschle Hans ein Tochter
  15. Maria Mathin Michel Frizen Weib
  16. Michael Friz Michel Frizen ein Sohn
  17. Barbara Riezlerin Conrad Riezler ein Tochter
  18. Paulus Riezler Conrad Riezler ein Sohn
  19. Eva Hueber Hans Huober ein Tochter
  20. Christian Berdold in Riezlen
  21. Cordula Betherin Gaberial Beters ein Tochter

Noro 40 Persohnen

Ein Jahr später ist auch noch eine Viehkrankheit aufgetreten:

Anno 1635 Jahrs den … ist die S:V: Vieh Kranckheit oder Pest zue Mitelberg eingerisen in 13 Stellen (Anm: Ställen) und hat zum ersten angefangen bey Christian Berdolden, Wilhelm Willi, Caspar Mathen in Bödmen, Bartolome Mathiesen zum Badt, bey Jeckhen Hansen Lacher bey dem Herr Aman Stephanus Mathen, bey dem Müller, drei Mahl bey Michael Kesler, bey Catharina Schuolerin, bey Baldtus Wüestners Erben, bey Christoff Müller. Es ist auch in villen Galten Alpen komen hin und wider.

Dann finden wir 1636 den Eintrag zur Wallfahrt nach Einsiedeln:

Anno 1636 … ist nach dem Laid ein Creüz Gang auff Maria Einsidlen gethan worden und seindt in unser Pfarr Mitelberg … Persohnen und in der Rüezler 36 Persohnen mitgangen, diesen Creüz Gang hat das Gericht Mitelberg in Laid oder Pest versprochen, das es nach laß.

 

Die Post im Kleinwalsertal

Vor kurzem bin ich einmal wieder über die beiden „Post-Schilder“ vom Walser Museum gestolpert. Mein Vorgänger Siegfried Holzer hat die Entstehung der Post zusammengeschrieben, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Die postalische Entwicklung im Kleinwalsertal
zusammengestellt von Siegfried Holzer, Chronist
Aus verschiedenen Berichten in „Der Mittelberg“ von Fink/Klenze und von Chronist Alfons Köberle.

Für eine, geographisch gesehen, so exponierte Gegend wie die Gemeinde Mittelberg, dauerte es bis zur Einrichtung einer Postverbindung zwischen zwei Staaten sehr lange. Die nächstgelegendsten und wichtigsten Postämer waren damals für Bayern das kgl. bairische Postamt in Immenstadt und nach Österreich „gingen“ die Postsendungen über Gerachsattel oder Hörnlepaß nach Bezau.

Vor 1840 bestand keine eigentliche Postverbindung, ein Brief nach Deutschland konnte bei zufälliger Gelegenheit oder persönlich nach Sonthofen befördert und der kgl. bayerischen Post übergeben werden. Briefe aus Österreich wurden meistens von den damaligen Tabakträgern befördert. Sie durften Bayern nicht passieren und gingen von Bezau über das Starzeljoch oder auch andere Pässe. Viel Schnee und Lawinengefahr unterbrachen diesen Verkehr oft wochen- oder gar monatelang. Den Briefwechsel mit österreichischen Behörden mußte, je nach Bedarf, der jeweilige Polizeidiener befördern und er ging meist nur einmal im Monat nach und von Bezau.

Am 18. Januar 1844 wurde mit dem kgl. bairischen Postamt Immenstadt vereinbart, daß Briefe und Postsendungen dem Oberstdorfer Boten übergeben werden sollen.

Im Juni 1846 traf die Gemeindeverwaltung Mittelberg zur besser geregelten Postverbindung mit Österreich ein rein privates Übereinkommen mit dem in Riezlern seßhaften Anton Wallina.
Er hatte als Einzelhändler Verbindung mit dem Bregenzerwald, war ein ordentlicher, fleißiger und nüchterner Mann und er übernahm den Briefbotendienst aller anfallenden Schriften und Gelder auf unbestimmte Zeit. Wallina mußte eine Bürgschaft leisten und erbot sich mit den Worten: „Er gehe vorzüglich im Sommer wenigstens alle 14 Tage und zu Zeiten auch binnen 8 Tagen, gewöhnlich am Samstag oder Sonntag, über das Gerach und im Winter über das Hörnle oder Starzel nach Bezau zu dem Stücklefergger Johann Meusburger am Klusberg und kann sohin diese Obliegenheit ganz billig mit übernehmen“. Anton Wallina versah diesen Dienst bei bester Zufriedenheit seitens der Behörden und Privatkunden durch fünf Jahre.

1851 schrieb die Postexpedition Sonthofen an die Gemeinde Mittelberg, daß an Behörden adressierte Briefe und Gelder frei gehen, daß aber für Geldsendungen von hundert Gulden an Private und Händler von Sonthofen nach Oberstdorf 4 Kreuzer berechnet werden.

Am 20. Januar 1852 gab die Bezirkshauptmannschaft Bregenz bekannt, daß die Briefpost von Bezau ünd Bregenz über Lindua nach Sonthofen gesandt wird. Da es in Oberstdorf noch keine Poststelle gab, wurden die Postsachen wöchentlich zweimal von dem mit einer Vollmacht ausgestatteten Oberstdorfer Boten an den von der Gemeinde Mittelberg angestellten Boten übergeben.

Interessant ist ein Schriftwechsel vom 27. Februar 1852 zwischen der Postdirektion Innsbruck, der Berizkshautmannschaft Bregenz und der Gemeinde Mittelberg wegen der beabsichtigten Errichtung einer Postexpedition im Tale.
 
Das Angebot wurde aber abgelehnt, es bestehe derzeit keinerlei Notwendigkeit zur Gründung eines Postamtes und es sei auch keine taugliche Person vorhanden, welche diese Postexpedition richtig leiten und verstehen könnte.
Dem Tal genüge das ebenfalls 1852 vermittelte Privatbotenwerk mit dem Spediteur und Handelsmann Gottlieb Fritz, Müller in Riezlern. Mit diesem wurde mündlich vereinbart, daß er jeden Dienstag und Samstag morgens abgehe und auf dem Sechsstundenweg bis Sonthofen in Bayern sämtliche Schriften befördere und auch retour bringe. Gottlieb Fritz wurde ein Jahresgehalt von 70 Gulden Reichswährung zugesichert. Außerdem konnte er von einfachen Privatbriefen 2 Kreuzer RW hierher und 2 Kreuzer RW an Silbergeld dorthin abverlangen. Von Gepäcken über 10 Pfund wurde dem Boten per Pfund ein Kreuzer RW in Banknoten zugesichert. Bei Beförderung von Papiergeld waren folgende Sätze vereinbart: Von 1 bis 25 Gulden = sechs Kreuzer; von 25 bis 50 Gulden = vier Kreuzer; von 50 bis 100 Gulden = drei Kreuzer; über 100 Gulden = ein Kreuzer und bei Silbergeld um die Hälfte mehr. Für die Mitnahme amtlicher Sachen vom k.k. Zollamt Walserschanz und der Finanzwache erhielt er ebenfalls einen angemessenen Jahresgehalt. Dieses Briefbotwerk bestand dann nahezu noch 10 Jahre lang.

Postillon Poldi Hilbrand 1930 mit seinem Gespann.

Im Herbst 1860 befaßte sich die Postdirektion für Tirol und Vorarlberg neuerlich mit dem Postamtprojekt für das Kleinwalsertal. Die Besorgung der Geschäfte soll mit dem k.k. Zollamt an der Waserschanz vereint und dieselbe mittels wöchentlich viermaligen Fußboten – Postgängern mit der kgl. bayerischen Postexpedition Oberstdorf in Verbindung gesetzt werden.
Der jeweilige Postbote soll aber seine Botengänge nicht bloß zwischen Walserschanz und Oberstdorf machen, sondern von der Walserschanz bis nach Baad ausdehnen. Ebenso soll er auf seinem Retourweg die in den vier Orten aufgestellten Briefkästen leeren und die eingeworfene Briefpost zur weiteren Amsthandlung zur k.k. Postexpedition Walserschanz bringen. Rekommandierte Briefe und die Fuhrpostsendungen müssen persönlich an die Walserschanz gebracht werden.

Die Gemeindevorstehung wurde aufgefordert, gut verschließbare Briefkästen auf ihre Kosten anfertigen zu lassen und diese an den von ihr avisierten Plätzen gehörig anzubringen.
Diese waren in Baad beim Wirt Gottlieb Wüstner (Rose), in Mittelberg beim Wirt Wolfgang Drechsel (heute Alte Krone), in Hirschegg beim Wirt Franz Alois Seelenmayer (Hirschen) und in Riezlern bei der Witwe Afra Elsäßer (heute Kasimirhaus).
Weiters wurde der Fußpostbote verpflichtet, sich aus eigenen Mitteln eine große verschließbare lederne Tasche anzuschaffen, in welcher die Übertragung der Briefpakete, Geldsendungen und etlicher kleinerer wertvollen Fuhrpostsendungen ordnungsgemäß erfolgen kann.
Die Verleihung des Amtsdienstes geschehe bei gegenseitiger halbjähriger Aufkündung und gegen Leistung einer Kaution von 200 Gulden österreichischer Währung in Barren oder Hypothekarisch.

Der Postomnibus mit Schneepflug am 11.12.1930 in Riezlern beim Gasthaus Engel. Die Busstrecke Oberstdorf-Mittelberg wurde eröffnet.


Viele Schriftwechsel gab es dann zwischen der Gemeinde und den Postdirektionen.

Die Gemeinde – Vorstehung ließ sich auf diese „diktatorischen und kostspieligen Zumutungen“ reichlich Bedenkzeit und antwortete der Postdirektion in München erst am 18. November 1860.

Auszugsweise entnehmen wir dem Schreiben
1.) Es sei vorangestellt, daß es dem Gemeindeausschuß sonderbar vorkommt, daß eine Postexpedition an der weit entlegenen bayerischen Grenze, anstatt in Hirschegg, als dem Mittelpunkt des Tales errichtet wird. Von Seite der Pfarrgemeinde Mittelberg und Baad ist die Entfernung des künftigen Postamtes Walserschanz mehr als zwei Stunden.

2.) Ungereimt erscheint uns ferner die Vereinigung der Postexpedition mit dem Zollamte an der Walserschanz, gleichwohl könnte ebenso gut die Postexpedition mit dem Gemeindeamt und Archiv in Hirschegg füglich vereinigt werden da dort ohnedies die amtlichen Sachen von der Vorstehung, durch einen eigens aufgestellten Gemeindeschreiber besorgt werden, der auch noch die private Expedition miterledigen könnte.

3. Hinsichtlich des Fußpostbotendienstes und dessen voraussichtliche Entlohnung wird sich kaum ein geeignetes Individium als Postbote melden. Das Tal Mittelberg ist vier Poststunden lang mit viel rauher Witterung und schlechten Fußpfaden. Wenn daher der Bote wöchentlich einmal nach Oberstdorf muß oder in einem Jahre 208mal und derselbe eine Besoldung mit 208 Gulden österr. Währung hätte, so träfe es demselben für jeden Gang nicht 1 Gulden, weil dieser Gulden bloß 50 Kreuzer Silber wert ist, umso mehr als hier alles und auch in Bregenz mit Silber verkehrt.
Bei jedem solchen Botengang geht mindestens an Zehrung 30 Kreuzer RW. in Silber auf, dann bleibt noch 20 Kreuzer Taglohn übrig. In den Zwischentagen muß der Bote noch überall die Briefe einsammeln und austragen. Dabei würde es nach Ansicht der Gemeinde dem hohen Ärar vielleicht schon überspannt vorkommen, einem Boten 200 Gulden öst. Währung zu bewilligen. Außerdem sind dem Boten die verschiedenen Dienstanforderungen gänzlich unbekannt, die in einer neuerrichteten Postexpositur verlangt werden.

Was das Lizenzansuchen um den Briefmarkenverschleiß im Tale betrifft, so wäre der Trafikinhaber Franz Alois Seelenmayer in Hirschegg bereit, denselben zu übernehmen bei einer Provision von 15 %. Nachdem aber das hohe Ärar gemäß den gesetzlichen Tarifen nur 2 % bei einem Jahreseinkauf von 2000 Gulden und bei mehr, gar nur 1,5 % und 1 % zu bieten gewillt ist, will auch Seelenmayer von diesem wenigen Verdienst Abstand nehmen.

Angesichts der vorerwähnten Hindernisse, die mit unseren Sonderverhältnissen entstehen, aber anscheinend von der hohen Postdirektion in Innsbruck keine Rücksichtnahme erheischen, sieht die Gemeindevorstehung das Projekt einer im Tal zu errichtenden Postexpedition noch in weite Ferne gerückt und so wird billigkeithalber der aufgedungene Gemeindebote weiterhin wie bisher die Botengänge nach Oberstdorf zu machen haben.

Eine Musikkapelle hat vor dem Gasthaus Post Aufstellung genommen. Am Gebäude sind folgende Schilder zu lesen: Auto-Haltestelle, Post- und Telegraphenamt, Riezlern, Postsparkasse, Parfümerie u. Herren Friseur Klein.


Die k. k. Postdirektion hat darauf die Angelegenheit ganz nach ihrem Willen weiter betrieben, aber der Gemeindevorstehung Mittelberg auf die berechtigten Vorwürfe mit der Warnung geantwortet:

„daß sich im Weigerungsfalle die Gemeindevorstehung bei ihrer unverantwortlichen Interesselosigkeit selber zuzuschreiben haben wird, daß das Tal Mittelberg der Wohltat einer regelmäßigen und ungestörten Postverbindung fernerhin beraubt bleibe“.

Der Schriftwechsel zwischen den zuständigen Behörden hielt über die Jahre 1861/62 an, er beinhaltet verschiedene Vorbereitungen und Verordnungen hinsichtlich Expedientendienst und Botenleistung.

Interessant sind auch die schriftlichen Ratschläge in der besagten Angelegenheit, welche der damalige Gemeindeschreiber Lukas Drechsel (Hirschegg) vom einheimischen Fachmann Jodok Seelenmayer einholen ließ, der zu dieser Zeit als Postmeister in Egg (Bregenzerwald) fungierte.

Die Errichtung des Postamtes.
Gegen den Willen der Walser wurde durch die damalige K.u.K. Postdirektion in Innsbruck, mit Wirksamkeit auf den 1. Juli 1862, das 1. Postamt des Tales an der Walserschanz eingerichtet.
Schon Monate zuvor wurde eigentlich dem k.k. Zolleinnehmer Ludwig Aurein, angestellt beim k.k. Nebenzollamt II. Klasse an der Walserschanz, die Postexpedientenstelle verliehen. Die Wirtin der Gaststätte an der Walserschanz, Frau Ludwina FRITZ, hat dann diesen Posten übernommen und sie hatte durch 24 Jahre die Leitung inne. Die k.u.k. Postdirektion richtete also einen einigermaßen geordneten Postdienst ein, es wurde aber stets paradox gefunden, daß das Postamt an der Grenzstation Walserschanz, also am weit entferntesten Ort des Tales erstand.
Als hauptamtlicher Postbote wurde der 32 Jahre alte Josef Hilbrand „z Seppele“ in Bödmen mit einer Jahresbesoldung von 260 Gulden defenetiv angestellt. Er hatte ja schon einige Jahre gewissenhafte Botendienste geleistet und genoß volles Vertrauen bei Behörden und Bevölkerung..
Im Ernennungsbrief wurde ihm ein genauer Stundenplan vorgeschrieben, wie er seine Marschroute von Baad. bis Oberstdorf an den vier Wochentagen einteilen muß und wie weit er zur Einhebung von Zustellungsgebühren berechtigt war.

Verbesserung im Postwesen.
1877 wurde eine einspännige Postkutsche, die Karriolpost, auf der Strecke Oberstdorf – Mittelberg eingeführt. Diese verkehrte anfangs wöchentlich dreimal, dann viermal und brachte auch für den Briefträger Josef Hilbrand eine Erleichterung.

Die Postämter wurden ins Tal verlegt.
Nach 24jähriger Dienstzeit wurde das Postamt Walserschanz am 15.6.1886 aufgelassen, bzw. zu einer Postablagestelle degradiert. Der Poststempel galt aber bis 1914 und ist eine philatelistische Rarität geworden.

Postamt Riezlern.
Das Postamt Riezlern war vom 16.7.1886 bis 18.11.1886 im Krämerladen des Paul Huber (Konsum) untergebracht und wurde vom pensionierten Gendarmerie – Postenführer Peter Paul Zoller geführt.
Mit Dekret vom 19.11.1886 wurde die k.k. Postexpedientenstelle dem dortigen Gastwirt und Brauereibesitzer Leopold Geiger verliehen, der das Postgeschäft fortan im eigenen Hause (Gasthof zur Traube) ausübte. Später übernahm dann seine Nichte Rosamunde Haller die Arbeit der Poststelle.
Von 1907 bis 1909 war das Postamt in der Bäckerei Haller, vom 1.11.1909 bis 1960 Gasthof „Engel“, dann Gasthof „Post“ und seit 5.11.1960 besteht das neue Postamt in Riezlern.

Postamt Mittelberg.
Das Postamt Mittelberg war vom 15.6.1886 bis 1898 im Haus Nr. 49 – seither „Alte Post“ genannt, stationiert. Besitzerin war die frühere Schanzwirtin und 1. Postmeisterin Ludwina Fritz und deren Tochter Maria Fritz, die auch erste Postexpedientin in Mittelberg war. In den Folgejahren wurde das Amt meist von fremden Expedientinnen geführt.
Im Jahre 1898 erwarb Leopold Hilbrand von Ludwina Fritz (Schanzwirtin) die konzessionierte Posthalterei. Er verlegte das Post- und Telegraphenamt in sein neuerbautes Gasthaus zum „Widderstein“. Er war dann von 1898 bis 1910 Postamtsleiter und unterhielt mit vier Pferden die zweispännigen Postkutschen in eigener Regie bis zum Beginn des Zweiten Weltkireges. Sein Sohn Poldy fuhr dann jahrelang täglich die Stecke Mittelberg – Oberstdorf und zurück.
Im Postamt waltete seine Schwester Margreth von 1910 bis 1920. Von 1920 bis zu seinem Tode 1936 war sein Bruder Rupert hauptberuflich angestellt. Im Dezember 1964 ist das Postamt in die Walserstraße 388 übergesiedelt. Das Postamt wurde am 30.09.2003 geschlossen.

Postamt Hirschegg
Die Bevölkerung von Hirschegg bekam erst 1886 eine Postablagestelle im Gasthaus „Zum Hirschen“, unterhalb der Kirche. Sie wurde traditionsgemäß durch 44 Jahre vom Hirschwirt geführt.
Die dienstbeflissene Hirschwirtin Theresia Seelenmayer hat die anfallenden Poststücke zur Postkutsche in den Dürenboden gebracht und auch geduldig auf die Abholung gewartet. Hirschegg hatte bis 1930 keinen eigenen Briefträger, die Leute mußten die Post selbst abholen.
Erst der Straßenbau und der einsetzende Fremdenverkehr brachten Hirschegg die große Wandlung.
Am 8.7.1929 wurde in Hirschegg ein eigenes Postamt eröffnet, welches im Schul- und Mesnerhaus untergebracht war. Als Postexpedientin kam Frl. Johanna Stigger aus Haiming/Tirol.

Seit 17.12.1982 ist das Postamt Hirschegg im neuerbauten „Walserhaus“. Das Postamt wurde am 31.12.2010 geschlossen.

Missionar Max Abler (1881-1969)

Eine hervorragende Quelle zur Genealogie, aber auch zu einzelnen Biografien aus dem Kleinwalsertal ist die Walser Geschlechterchronik von Alfons Köberle.

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Ein schönes und auch etwas exotisches Beispiel ist der unter dem Namen „Missionär“ bekannte Max Abler (Alfons Köberle, Walser Geschlechter, II. Band, S. 57 f.):

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Fam. Leo Abler in Mittelberg Höfle

 

Der jüngste von den 4 Söhnen des Leo Abler wurde am 8. August 1881 in Schröcken geboren und in der dortigen Pfarrkirche getauft. Er besuchte von 1887-1894 die Volksschule in Mittelberg. Als dreizehnjähriger faßte er den Entschluß zum Studium. So trat der junge Max Abler am 16. September 1894 in der Bischofsstadt Brixen (Südtirol) ein, um mit den beiden Walserkollegen Alexander und Alois Berchtold aus Riezlern am Vinzentinum sechs Gymnasialjahre zu absolvieren. Mit dem mutigen Entschluß Missionär zu werden, verbrachte Max ab 1899 drei weitere Studienjahre im St. Josefs-Kolleg in Mill Hill bei London/Missionarshaus in Brixen. 1902 ging er nach England ins St. Josefs-Kolleg in Mill Hill bei London, wo er nach dem letzten dreijährigen Studium sein Lebensziel erreichte; die Priesterweihe durch den Erzbischof von London am 17. September 1905 in der Seminarkirche in Mill Hill.

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Lebensbilder des HH. Missionars Max Abler

Die Mittelberger Bevölkerung bereitete ihrem Primizianten am 28. September 1905 einen freudigen Empfang und am 9. Oktober 1905 eine würdige Primizfeier. An der Feier nahmen sämtliche Geistliche des Tales und einige auswärtige Mitbrüder, die Veteranen und Schützen, sowie zahlreiche Einheimische teil. Die Primizpredigt hielt der Missionsdirektor Sperber aus Brixen. Das große Abschiednehmen am 28. Dezember 1905 von den Angehörigen und der Heimat wog angesichts der unsicheren dunklen Zukunft umso schwerer.

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Hier studierte Max Abler am Obergymnasium

Mit sieben neugeweihten Mitbrüdern fuhr Abler von Brixen nach Genua, dann mit dem Schiff „Isla de Luzon“) über Messina – Suezkanal – Rotes – Arabisches Meer – Indischer Ozean – Singapore – Hongkong (China) nach den amerikanischen Philipinneninseln. Als er endlich am 11. Februar 1906 bei Manila (der Hauptstadt der Philipinnen) ausgeschifft wurde, wütete dort Cholera und es wurde über das Schiff eine viertägige Quarantäne verhängt. Beim „Auslosen“ auf der südlichen Insel Panay traf es Max Abler allein auf die Insel Negros, seine erste Wirkungsstätte vom 22. Februar bis 15. Mai 1906, wo er die Wisayasprache lernen mußte, um sich mit den Eingeborenen verständigen zu können.

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Geistlicher Besuch im Elternhaus, Oktober 1905

Am 24. Mai 1906 wurde Pater Abler abberufen nach Caysaia, Provinz Antikwe auf der Insel Panay wo er nun zwanzig Jahre lang unter fast unüberwindlichen Schwierigkeiten eine äußerst wirksame Pionierarbeit und Missionstätigkeit leistete. Von den dortigen Daseinsverhältnissen lassen wir nun Pater Abler selbst erzählen:

Das mir zugewiesene Pfarrgebiet umfaßte ca. 11.000 Eingeborene. Es fand sich anfangs weder eine Kirche noch eine Schule und noch viel weniger eine Wohnung für den Missionär vor. Ich logierte zehn Monate lang bei einem alten kinderlosen Ehepaar namens Capitanguyong, ehe ich mir selbst aus Bambusstäben ein kleines Pfarrhäuschen, bestehend aus einem kleinen Zimmer und einer Anbauküche errichtete und mit Gras abdeckte. Darin habe ich 9 Jahre zugebracht; erst im 20. Berufsjahre wurde mir ein Betonhaus erstellt, in der ich nur mehr 7 Jahre wohnen konnte.

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Ein Vierteljahr nach Beginn meiner Missionstätigkeit in Caysai baute ich unter Mithilfe einiger Neuchristen bereits eine Bambuskapelle und bis Weihnachten 1906 wurde der Pfahlbau soweit vergrößert werden, daß er ca. 800 Personen fassen konnte. Zwei Jahre später zerstörte ein heftiger Orkan die provisorische Kirche. Mit dem neuerlichen Wiederaufbau der Kirche erstellte ich dann gleichzeitig eine Schule für 300 Kinder. Später mußte ich dazu noch eine weitere Station Aniney mit 2.000 Seelen betreuen, in der meistens radikale Ketzer wohnten. Dort versuchte mich ein ketzerischer Priester zu erschlagen, weil ich einen zum kath. Glauben bekehrten Bräutigam beichthörte. Völlige Überanstrengung, das Tropenklima und die vielen Versehgänge bei Cholerakranken brachten schließlich auch mir einen schweren Kopf- und Bauchtyphus, der mir beinahe das Leben kostete.

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der von P. Abler erbaute Pfarrhof in Casay mit den Firmlingen

Bis 1917 hatte ich soviel zusammengespart und aus dem Walsertal erbettelt, daß nun in Cayasi die erste Eisenbetonkirche (158 Fuß lang, 42 Fuß breit und 17 Fuß hoch) errichtet werden konnte. Sie kostete 8600 Dollar, wovon die Dorfbewohner 950 Dollar in Form von Reisspenden aufbrachten. Unter meiner energischen Bauleitung wurde das Werk in 4 Monaten von 2 japanischen Schreinern und 8 philipinischen Bauarbeitern – alles Heiden – geschaffen.

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rechts die erste Kirche (ein Bambusschopf)

Meine baulustige und erfolgreiche seelsorgliche Tätigkeit hatte zur Folge, daß mir auch noch das Missionsgebiet von Dao zugeteilt wurde; auch dort habe ich 1923 eine große Betonkirche (162 Fuß lang, 38 Fuß breit und 21 Fuß hoch), diesmal mit einem Blechdach erbaut, ebenso ein Schulhaus in Dao und schließlich 1925 noch ein Pfarrhaus in Aniney. – Soweit sein bescheidener Eigenbericht.

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Schulhaus in Casay

Eine schwere Augenkrankheit gebot dem nun 20 jährigen opfervollen aber auch segensreichen Wirken als Missionär eine Erholung in Europa. Nur ungern dem strikten Befehl der kirchlichen Obrigkeit gehorchend, verließ H. Herr Max Abler am 13. Jänner 1926 seine geliebten Missionskinder, denen er ein Vater ohnegleichen geworden war. Die zweimonatige Reise war für den sehbehinderten Pater äußerst strapaziös und beschwerlich. Von seinem letzten Wirkungsort Dao gings erst mit dem Segelboot bis Ilo-Ilo, dann mit einem kleinen Fischdampfer nach Manila, der Hauptstadt der Philipinnen. Fünf Tage später – nachdem das deutsche Schiff „Koblenz“, 4000 Tonnen Manilahanf eingeladen hatte – ging die Fahrt über Singapore, Belaban-Somatra (wo weitere 2000 Tonnen Tabak an Bord genommen wurden) nach Colombo, der Hauptstadt Ceylon, alsdann per Bahn nach dem Festland Vorderindien. In Talaimanar bestieg er wieder eine andere Eisenbahn und nun ging es in 7 tägiger ununterbrochener Tag- u. Nachtfahrt nach Madras und bis Bombay. Nach fünftägigen Aufenthalt fuhr er mit dem Schiff „Genua“ (ein im 1. Weltkrieg von den Italienern gekapertes österreichisches Passagierschiff namens „Ungarn“) durch den Indischen Ozean ins Rote Meer, durch den Suezkanal ins Mittelländische Meer, wo es endlich am 8. März 1926 in Neapel landete.

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Kirche in Casay

In Rom angekommen, wurde Pater Abler die seltene Gnade zuteil, von Papst Pius XI. in Privataudienz empfangen zu werden. Sr. Heiligkeit interessierte sich sowohl für die religiösen Verhältnisse auf den Missionsstationen, wie für das 20 jährige Wirken des Missionärs Abler und segnete ihn mit dem flehenden Wunsch, daß ihm Gott das Augenlicht wieder zurückgeben möge. Zu Brixen und Absam mußte Pater Abler erste neue Reiesepapiere nehmen, ehe er nach einem Zwischenbesuch bei seinem Bruder Karl Daniel in Bludesch endlich heimreisen konnte. Am 22. März 1926 traf er mittags 12 Uhr in Oberstdorf ein und abends 6 Uhr empfing die Pfarrgemeinde Mittelberg ihren Heimkehrer mit einem feierlichen Dankgottesdienst.

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2. Schulhaus in Casay durch Taifunsturm zerstört

Ein unsagbares Sehnen erfüllte seit Monaten die betagten Eltern Leo Abler und M. Katharina geb. Müller im Hause No. 47 in Mittelberg (Anm.: heute Walserstraße 385), nach zwanzigjähriger Trennung ihren geistlichen Sohn noch einmal zu sehen. An diesem denkwürdigen Tag waren drei überglückliche Menschen vereinigt. Sechs Tage darauf starb die Mutter und nach sechs Monaten auch der Vater.

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In Dao erbaute Kirche

Nur zweidreiviertel Jahre Erholung waren dem halbblinden Missionär in der Heimat gegönnt. Denn schon am 16. Jänner 1929 rief ihn die Missionsleitung zum zweitenmal nach den Philippinen (seit 1898 amerikanisches Hoheitsgebiet). Dort wirkte unser H. Herr Missionär Abler auf der Insel Panay weitere sieben Jahre in der weitausgedehnten Missionsstation Bugansong zum Segen der dortigen Neuchristen der außerordentlich schwierige Seelsorgsdienst in dem tropischen Klima verschlimmerte Ablers Gesundheitszustand dermaßen, daß er über Anordnung seiner Vorgesetzten schließlich im März 1936 die Missionstätigkeit aufgeben mußte.

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Erstkommunikanten mit der japanischen Lehrerin

Am 8. Mai 1936 kehrte Missionär Abler zum zweitenmal nach Mittelberg heim. In der Heimat Mittelberg verbringt seit 1936 Pater Abler als Institutskaplan der Armen-, Kranken- und Weisenversorgungsanstalt (Anm.: im ehemaligen Kloster) seinen wohlverdienten Lebensabend. Seine christliche Tätigkeit kommt in unzähligen Aushilfsdiensten allen Pfarreien zugute. Insbesonders eifrig betreute er die Expositurkirche St. Martin in Baad, wo er unentwegt zur Sommerszeit den sonntäglichen Gottesdienst durchführte.

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Der Herrgott schenkte ihm ein gnadenvolles Alter, so daß H.H. Max Abler am 14. Oktober 1945 sein vierzigjähriges Priesterjubiläum am 16. Oktober 1955 sein Goldenes Priesterjubiläum und am 22. August 1965 sogar das höchstseltene diamantene Priesterjubiläum feiern konnte. Bei jeder dieser Jubiläumsfeiern beteiligten sich zahlreiche geistliche Mitbrüder, prominente Festgäste und die Ortsbevölkerung.

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Auf unserem Bild begrüßt der Jubilar zwei Mitbrüder Findler und Fink, die vor 30 Jahren gemeinsam mit Abler im Missionsgebiet Philippinen wirkten.

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Bilder Archiv Walser Museum

Wieder ein Mal ein paar Bilder aus dem Archiv des Walser Museums in Riezlern. Nachdem die Alpsaison teilweise schon begonnen hat bzw. vor der Tür steht – einige Bilder von Kleinwalsertaler Alpen. Wer mehr über die Bilder weiß, bzw. Geschichten zu den Bildern weiß, bitte um Mitteilung! Es sind insgesamt drei Fotoserien – also nicht vergessen nach unten zu scrollen!

Bildserie 1

Bildserie 2

Bildserie 3

Vor 75 Jahren – Das Kriegsende im Kleinwalsertal

Auch wenn die Gemeinde Mittelberg von direkten, materiellen Schäden verschont blieb, bekam die Bevölkerung des Kleinwalsertals die Kriegsjahre des Zweiten Weltkrieges von 1939 bis 1945 schmerzlich zu spüren. Allein 152 Männer mussten die Front mit dem Tod bezahlen.

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Foto: Gemeindearchiv Mittelberg, wamu-2216, Altes Schulhaus in Riezlern, 1938

Das Kleinwalsertal wurde vor dem Anrücken der französisch-marokkanischen Truppen von der österreichischen Widerstandsbewegung, dem Heimatschutz, unter Kontrolle gebracht. Diese Männer unter der Leitung von Peter Meusburger waren bewaffnet. Am 1. Mai 1945 umstellten 30 Männer des Heimatschutzes das provisorisch im Cafe Amely in Riezlern untergebrachte Gemeindeamt. Gottlieb Kessler und Hermann Künzel übergaben die zivile Verwaltung an Gedeon Fritz und Peter Meusburger.

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Foto: Gemeindearchiv Mittelberg, wamu-2224, Der Heimatschutz empfängt an der Grenze Walserschanz mit dem Schild „Here is Austria“ die Besatzungsmacht, 1945

Am 2. Mai 1945 um 11 Uhr traf französisches Militär mit leichten Spähwagen vor dem Rathaus in Riezlern ein und Gedeon Fritz, provisorischer Bürgermeister, nahm die formelle Übergabe des Tales an den französischen Kommandanten Maison Rouge vor. Der Heimatschutz hatte das Militär bereits an der Walserschanz begrüßt. Ursprünglich wurde mit einer amerikanischen Besatzung gerechnet und dort eine Tafel mit „Here is Austria!“ angebracht. Auch die prominenten Geiseln aus dem Ifenhotel u.a. der französische Botschafter André François-Poncet konnten an diesem Tag wohlbehalten dem französischen Vorauskommando übergeben werden.

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Foto: Gemeindearchiv Mittelberg, wamu-2205, Französische Besatzung vor dem Gemeindeamt in Riezlern, 1945

Tausende von Ostflüchtlingen waren seit März 1945 ins Tal gekommen und über tausend Verwundete lagen in den Notlazaretten. Der Bevölkerungsstand war dadurch nahezu auf zehntausend Personen angewachsen. Alle wollten etwas zum Essen haben. Aber die Lebensmittelversorgung drohte völlig zusammenzubrechen. Es war eine harte Zeit für alle Menschen im Tal.

Am 12. Mai 1945 erschien wieder die eigene Zeitung für die Gemeinde Mittelberg.  Am 20. Mai 1945 fand zu Ehren des eingetroffenen großen Siegers, General de Gaulle, dem späteren Staatspräsidenten von Frankreich, eine große Parade statt.

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Foto: Gemeindearchiv Mittelberg, wamu-2228, Französische Generäle vor dem Ifenhotel 1945.

Erst am 20. September 1945 war die offizielle Rückkehr der Gemeinde Mittelberg zu Österreich mit einem Besuch der Vorarlberger Landes- und Militärregierung. Das Tal wurde 1938 nach dem Anschluss Österreichs zum Großdeutschen Reich zum Gau Schwaben eingegliedert und gehörte daher nicht zur „Ostmark“.
Betrachtet man heute die Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 im Kleinwalsertal oder befragt Zeitzeugen, scheint auf den ersten Blick im Kleinwalsertal kaum etwas negatives vorgefallen zu sein. Wirft man einen genaueren Blick in die noch vorhandenen Akten aus dieser Zeit, stellt man fest, dass es auch im Tal „fanatische Nazis“ und Denunzierungen gab oder Menschen Opfer des grausamen Euthanasieprogrammes wurden. Außerdem gab es auch in unserem Tal eine Reihe von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Mag dies an uns heute eine Mahnung sein.

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Foto: Gemeindearchiv Mittelberg, wamu-2258, Marokkanische Soldaten vor dem Haus des Chronisten und Malers Alfons Köberle in Unterwestegg, um 1945

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Foto: Gemeindearchiv Mittelberg, wamu-2203, Besatzungssoldaten an der Grenze Walserschanz

Vor 100 Jahren – Das Heimkehrerfest im Kleinwalsertal

Aus dem Archiv der Gemeinde Mittelberg

Nach vielen Entbehrungen durch den 1. Weltkrieg, fand vor 100 Jahren, am 19. April 1920 ein großes Heimkehrerfest in Riezlern statt.

SONY DSCFoto Heimhuber, Quelle: Projekt „Visuelles Gedächtnis Allgäu“, Landratsamt Oberallgäu

Alfons Köberle schreibt in seinem Buch „Walser Helden“ u.a. zum Jahr 1919:
„Der von der Bevölkerung gewichene Bann, der eingetretene Friedenszustand, brachte es mit sich, daß vielfach wieder Lebensfreude, ja sogar Vergnügungssucht (nach 5jähriger völliger Pause!) zu Tage trat, in reichem Maße dem Tanze gehuldigt wurde und u.a. in diesem Jahre nicht weniger als 24 Eheschließungen erfolgten. Die Bevölkerung, insbesondere die Heimkehrer, fanden sich nach und nach in die unabänderlichen Verhältnisse der neuen Zeit, es trat wieder volle Ruhe, Ordnung und Sinn für den Wiederaufbau der durch die Kriegsjahre vernachlässigten Höfe und anderer öffentlichen Einrichtungen ein. […] Die Ablieferung von Butter und Käse vollzog sich im gleichen Zeitraum und der gleichen Art wie 1918. Sowohl den Nichtselbstversorgern, als auch den Bauern, die durch die Größe ihrer Familie und die Kleinheit ihrer Gutswirtschaft nicht den Jahresbedarf selbst zu erzeugen vermochten, wurde die Menge von 250 Gramm Butter und ebensoviel Käse für Kopf und Woche von den Sammelstellen zugewiesen. […] Daß das Ergebnis der Alpproduktion gegenüber dem Vorjahre weit zurückblieb, daran trug abermals die Maul- und Klauenseuche schuld, die in 21 Sennalpen des Tales wütete. Die Verseuchung der Viehstände im Tale, wie auch in Oberstdorf und dem weiteren Allgäu drückte den Fremdenverkehr und den freien Handel mit Nutzvieh und die Stellviehtransporte. Es waren gezählte Tage, an welchen überhaupt ein Viehverkehr über die Walserschanze und auf der Bahn erlaubt waren.“

Noch weit nach dem Ende des 1. Weltkrieges waren die Sorgen der Bevölkerung groß und daher ist es nicht verwunderlich, dass eine Ablenkung wie das Heimkehrerfest, regen Anklang in der ganzen Bevölkerung fand.

Programm Heimkehrerfest
Programm des Heimkehrerfestes aus: Gemeindeblatt für die politische Gemeinde Mittelberg, 2. Jhg., Nr. 15, 10.4.1920

Aus dem „Gedenkblatt an das Heimkehrerfest in Riezlern am Montag, den 19. April 1920“ erschienen im Gemeindeblatt, 2. Jhg., Nr. 18, 1.5.1920
Festmorgen: Um 5 Uhr früh hallte Kanonendonner in unseren Bergen wieder und kündete allen Talbewohnern den großen Ehrentag des Kleinwalsertales an. Musikvorträge der Riezler Musikkapelle munterten die rührigen Riezler auf, noch die letzte Hand an die großartigen Vorbereitungen zu legen. Im Zwerwald, wo die Kameraden von Mittelberg und Hirschegg empfangen werden sollten, befand sich ein großer Empfangsbogen.  Ein schöner, großer Empfangsbogen war auch am Eingange zum Platze vor dem Gasthof zum „Engel“ aufgestellt worden. Dieser selbst war an der Frontseite bis zum Dachfirste hinauf prächtig mit Tannengewinden geziert. Ueberhaupt zeigten alle Häuser schönen, abwechslungsreichen Schmuck. Luftig begrüßten die im Frühlingswinde wehenden Fahnen unsere Heimkehrer.

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Foto Heimhuber, Quelle: Projekt „Visuelles Gedächtnis Allgäu“, Landratsamt Oberallgäu

Aufmarsch: Um 8 Uhr zogen die Riezler Heimkehrer aus, um im Zwerwald die Mittelberger und Hirschegger Kameraden, die von dort um 1/2 8 Uhr resp. um 8 Uhr abmarschiert waren, zu empfangen. Es dauerte nicht lange, bis Kanonendonner die Ankunft der Erwarteten meldete. Der Frontkrieger Lehrer Leo Köberle begrüßte die Angekommenen in einer schönen Ansprache, die er mit einem Hoch auf die Heimat schloß. Noch sprachen 2 Knaben in Versen ihren Willkommensgruß aus und wurden den Begrüßten ein Lorbeerkranz übergeben. Hierauf zogen alle Heimkehrer unter klingendem Spiele der Riezler Musikkapelle und der Vereinskapelle in Riezlern ein. Das Volk, die Riezler Schuljugend und die Kranzjungfrauen des ganzen Tales bildeten Spalier. Das Kommando über die Heimkehrer führte hoch auf einem schönen, feurigen Pferde Gedeon Fritz, der Obmann des Krieger= und Kameradschaftvereines.
Voraus getragen wurden 3 Fahnen: die Fahne des Krieger= und Kameradschaftvereines, die Schützenfahne und eine alte Fahne aus dem Schwedenkriege. Es folgten 2 Hellebardenträger in der alten, schmucken Walsertracht. Auf dem Platze vor dem „Engel“ wurden die Heimkehrer aufgestellt. Vom Balkon des Gasthauses aus hielt dann der Gemeindevorsteher und gewesene Standesschützenhauptmann Adalbert Fritz eine schöne Begrüßungsansprache, in der er den Heimkehrern den Gruß der Heimat entbot und versicherte, es werde von Seite der Gemeinde alles geschehen zur Ehrung der Heimkehrer und zum dankbaren Andenken an die Gefallenen.
Hierauf traten die Schulkinder der 3 Pfarreien vor die Heimkehrer und trugen im Chore je eine Begrüßungsstrophe vor. Es folgte ein einzelner Knabe, der diesen Gruß in Versen auslegte: Die Heimat grüßt Euch, die Euch ja so viel gilt; die Kirche, das Heimathaus Eurer Seele, winkt Euch. Kommet hin, um dort Gott zu danken! Es wurde dann dem Kommandanten ein schöner Lorbeerkranz überreicht, der von 2 Kranzjungfrauen in die Kirche übertragen wurde.

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Foto Heimhuber, Quelle: Projekt „Visuelles Gedächtnis Allgäu“, Landratsamt Oberallgäu

Festzug: Nun stellte man sich zum Festzuge in die Pfarrkirche auf. An demselben beteiligten sich die Schulkinder, Kranzjungfrauen und Geistlichkeit des Tales, die Gemeindevertretung, Ehrengäste, die Musikkapellen und die Heimkehrer samt den Altkameraden. Große Mengen Volkes waren an den Straßen, Häusern und Fenstern. Die Stimmung wurde immer gehobener und sie steigerte sich zur schönsten Festtagsstimmung beim Eintritte in das herrlich geschmückte Gotteshaus. Der prächtige Schmuck in feinster Arbeit und wunderbarer Harmonie bei farbenprächtiger Abwechslung wird als lebendiges Bild in der Erinnerung jedes Festteilnehmers bleiben. Besonders erwähnenswert ist ein Bild, das sich in der Verzierung des Chorbogens befand und eine Friedenstaube mit dem Oelzweige darstellte. Es war eigens für die Feier von Herrn Engelbert Keßler hergestellt worden.

Heimkehrerfest-1920Foto Heimhuber, Quelle: Fotossammlung Günther Fritz

Festgottesdienst: Nachdem sich die ganze Kirche mit Andächtigen angefüllt hatte, hielt der hochw. Herr Pfarrer Fz. X. Fußenegger von Mittelberg eine packende Festpredigt: welche Gründe wir haben zum Danke gegen Gott und wie wir diesen Danke heute und in der Zukunft abstatten sollen. Dann war als Dankgottesdienst ein levitiertes Hochamt, gehalten von hochw. Herrn Pfarrer J. Längle von Riezlern. Dabei leistete der Riezler Kirchenchor unter Begleitung von Blechinstrumenten der Riezler Musik Hervorragendes. Nach dem Hochamte Te Deum und feierlicher Segen. Hierauf – es war schon über 11 Uhr – sollte nochmals der gefallenen Helden des ganzen Tales gedacht werden. Tagszuvor war in allen 3 Pfarreien ein Trauergottesdienst gehalten worden für die in der betreffenden Pfarrei Gefallenen. Nun war noch vor der Oelberg=Gruppe auf dem Friedhofe in Riezlern ein schönes gemeinsames Heldengrab errichtet worden. Drei große Gedenktafeln waren aufgestellt, welche die Namen der gefallenen Krieger einer jeden Pfarrei aufwiesen. Sie waren kunstvoll ausgeführt: die von Mittelberg von Kunstmaler M. Schels, die von Hirschegg von Schreinermeister Eduard Riezler und endlich jene von Riezlern von Schreinermeister Alfons Müller. Die Entwürfe zu letzteren zwei hat(t)e Herr Engelbert Keßler ausgearbeitet. Nachdem man sich vor dem Heldengrabe aufgestellt hatte, spielte die Vereinsmusik einen ergreifenden Trauermarsch. Es legte dann der Kommandant einen Trauerkranz auf dem Heldengrabe nieder. Hierauf hielt hochw. Herr Pfarrer K. Köb von Hirschegg eine Gedenkrede, die mit einem warmen Gebete für die Gefallenen schloß.

Ihr Gedächtnis laßt uns feiern
Im Gebet gedenken oft,
Ihnen großen Dank beteuern:
Alles zu der Seelen Trost.

Nach dem Rückmarsch zum „Engel“ trat dann eine kleine Pause ein, die hauptsächlich mit Vornahme photographischer Gruppenaufnahmen ausgefüllt wurde.

Heimkehrerfest 1920
Foto Heimhuber, Quelle: Fotossammlung Günther Fritz

Festmahl: Um 1 Uhr sammelte man sich im herrlich geschmückten Festsaale des Gasthofes „Engel“ zum Festessen. 230 Heimkehrer waren erschienen und verschiedene Ehrengäste. Das Festmahl war sehr gut, reichlich und befriedigte alle in höchstem Maße. Dank den regen Wirtsleuten und der unermüdlichen Arbeit des H.H. Kaplan P. Längle von Riezlern, der durch Verhandlungen mit dem Kommunalverbande in Sonthofen und durch freiwillige Sammlungen soviel Schönes und Gutes zusammenbrachte! Während des Festmahles wickelte sich ein reichhaltiges Programm ab: Musikvorträge, Lieder des Männergesangvereines von Hirschegg, der etwa 7 Nummern vortrug und reichen Beifall erntete; die Lieder „Wie es in der Heimat war“ und „Oberösterreichisches Volkslied“ mußten öfters wiederholt werden. Auch Gedichte kamen wieder zum Vortrage, zuerst von 3 Kindern gefallener Krieger, deren Verse in den Refrain ausklangen:
So wird jetzt so für uns das Beste sein,
In Gottes Ratschluß sieht man nicht hinein.
Dann von 3 Kindern Gefangener, deren Strophen die Leiden Gefangener schilderten. Auch eines armen, aus russischer Gefangenschaft Heimgekehrten wurde gedacht, der, weil schwer krank, nicht am Feste teilnehmen konnte, des Maurermeisters Josef Schneider. In einer Pause wurde ihm ein Besuch abgestattet. Daran beteiligten sich die Musikkapelle Riezlern, die Gemeindevertretung und viele Kameraden. Die Musik stellte sich vor dem Hause auf und spielte 3 Märsche. Zuletzt wurde noch ein Hoch auf den Geprüften ausgebracht, der gut eine Woche später aus der irdischen Gefangenschaft in den Frieden der ewigen Heimat hinübergenommen wurde.

Heimkehrerfest Gasthaus Engel
Quelle: Fotossammlung Günther Fritz

Festversammlung: Im Festsaale war inzwischen das Bild immer bunter geworden. Frauen hatten Platz genommen und viele Zuschauer und Zuhörer standen in den Gängen und am Eingange. Da erklang bald das Glockenzeichen zur Festrede. Diese wurde gehalten von dem schon erwähnten Herrn Engelbert Keßler, Bürgerschullehrer aus Wien, dem Sohne des ältesten gleichnamigen Walsers. Der Festredner behandelte in voller Klarheit die Unvermeidlichkeit des Weltkrieges. Bald darauf trat der Heimkehrer aus italienischer Gefangenschaft, Rupert Hilbrand, auf den Rednerplatz und dankte im Namen aller einstigen Gefangenen dem H. Herrn Kaplan A. Fink von Mittelberg für sein Wirken für die Gefangenen; ebenso sprach er seinen Dank aus der Frauenhilfsaktion und insbesondere der Frau Maria Nußbaumer von Andelsbuch. Gegen Abend ward Unterhaltung und Verkehr im Festsaale immer trauter und familiärer, so daß man sich unwillkürlich sagte: Hier ist gut sein!

Festabend: Nach Eintritt der Dunkelheit sammelte sich Musik und Volk vor dem „Engel“ zu einem kleinen Fackelzuge. Derselbe kam wieder zum Ausgangspunkte vor dem „Engel“ zurück und man wartete dort dicht gedrängt, denn vom Balkone herab leuchtete ein Licht und man wußte, daß der Kommandant der Heimkehrer nun die Abdankungsrede halten werde. Und richtig, bald erklang die Stimme desselben. Gedeon Fritz, der selbst immer an der Front war, bedankte sich im Namen aller Heimkehrer für den schönen Ehrentag. Er dankte allen, die in irgend einer Weise zur Vorbereitung und Ausführung der Feier beigetragen hatten. Dann munterte er die Heimkehrer auf und schloß seine Rede mit einem Hoch auf das Heimattal. Auch der Obmann des vorbereitenden Festkomitees Alfons Köberle, sprach noch seinen herzlichen Dank aus an alle, die ihn in der schweren, aber dankbaren Arbeit unterstützt hatten. So schloß offiziell das schöne Heimkehrerfest, das den Heimkehrern, allen Festteilnehmern, jung wie alt, in steter angenehmer Erinnerung bleiben wird.

Das ist die alte Heimat doch!
Und hielt Euch Treue Jahr um Jahr
Und trug mit Euch der Trennung Joch
Und reicht Euch froh die Rechte dar.
Schlag ein! Und helft mit neuer Kraft
Und neuem Mut das Haus uns bau`n,
Die Tat nur ist`s, die Wunder schafft
Und heldenhaftes Selbstvertrau`n.

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Foto Heimhuber, Quelle: Fotossammlung Günther Fritz

Aus dem Buch „Walser Helden“ von Alfons Köberle erfahren wir noch:
„Der daran anschließende Tanz dauerte bis in die Morgenstunden. Als dauernde Erinnerung an die Kriegszeit wurde aus Gemeindemitteln jedem Heimkehrer und den Hinterbliebenen von Gefallenen ein schön ausgestattetes Gedenkblatt gewidmet.
Die mühevollen Vorarbeiten und die Aufführung des Festes lag in den Händen des Festausschusses, dem die Herren Leopold Schuster (Riezlern), Eduard Riezler und Lukas Schuster (Hirschegg), Max Seelenmayer und Andreas Wüstner (Mittelberg), sowie drei Geistliche und der Verfasser dieses Buches als Obmann angehörten. Die vollste Anerkennung wurde diesem Festausschusse für das Gelingen ausgesprochen.

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Quelle: Fotossammlung Günther Fritz

 

Der letzte ? Luchs im Kleinwalsertal

Objekte aus dem Walser Museum in Riezlern

Letzte Woche bin ich in den Kalenderaufzeichnungen meines Ur-Ur-Ur-Großvaters Daniel Müller (1781-1845) auf folgende Zeilen gestoßen:

„1831 den 4. May ist alhier im Thal ein Lux geschossen worden beym Wilden von Joseph Huber u. Frz. Jos. Baader im Dobel. Auch hat jeder einen Bruder zum Gehilfen gehabt, nämlich Gottlieb Huber u. Jos. Alois Baader, der Lux hat 40 Pfündle gewogen u. ist ein Katzen Lux gewessen. Schußgeld haben sie erhalten. Von der Gemeindkasse alhier wurde ihnen 20 f (Gulden, Anm.) bezalt.“

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Foto: Archiv Walser Museum, wamu-6143

Dieser später von Josef Huber ausgestopfte Luchs kam später in den Gasthof „Engel“, der von der Familie Duffner nach dem Ankauf in „Gasthof Post“ umbenannt wurde. Viele Jahre konnte der Luchs dann im Gasthof Post bewundert werden und wechselte später seinen Standort in das Nebenhaus. Jürgen Duffner, nicht mehr im Tal wohnhaft, der das Nebenhaus samt dem Luchs erbte, verkaufte im Jahr 1976 den Luchs mit einem alten Schachspiel an die Gemeinde Mittelberg. Seitdem steht dieser ausgestopfte Luchs im Walser Museum in Riezlern.

Interessant finde ich die dazugehörige Tafel auf der folgendes steht:
„Der letzte Luchs des Kleinwalsertals wurde von Josef Anton Huber im Frühjahr 1831 am Fideripass erlegt. Dieser Luchs war 40 Wiener Pfund schwer, 3 Fuß lang, 2 Fuß hoch. Als Schußgeld erhielt Huber vom Bezirksgericht Bezau 30 Gulden, von der Gemeinde Mittelberg 20 Gulden, vom Vorsteher in Oberstdorf (Bayern) 3 Gulden. Dieses Tier habe unter den Schafen und Ziegen und dem Wildstand großen Schaden angerichtet.“

Vergleichen wir die beiden Textstellen, so fällt vor allem auf, dass weder Frz. Jos. Baader noch die Gehilfen beim unteren Text erwähnt werden. Im oberen Text werden Josef Huber und Franz Josef Bader allerdings als gleichwertige Schützen angesehen. In der Überlieferung blieb nur Josef Anton Huber in Erinnerung. Die einfachste und wahrscheinlich logische Erklärung wird sein, dass er wirklich der Schütze war?

Interessant ist auf jeden Fall ein kleiner Blick auf die Biografien der beiden „Schützen“.

IMG_6523 (2)Josef Anton Huber (1808-1898) mit Ehefrau Ludwina Fritz (1812-1878), Foto aus: Walser Geschlechter, Band IV, Heim-Küng, S. 1163 von Alfons Köberle

Josef Anton Huber wurde in Hirschegg-Tobel geboren. Während alle seine 5 Geschwister ledig blieben, heiratete er in die ziemlich vermögende Mittelberger Fritz-Familie (Linie I, in männlicher Linie ausgestorben) ein. Er brachte die Genossenschaftsalpe Hintergemstel (Peterlesch Gänschtel) im Jahr 1853 in seinen Privatbesitz. Der Großteil der Alpweiden stammte allerdings bereits von seiner Ehefrau, bzw. ging von deren Geschwistern in das Eigentum der Familie Huber über. Ein Eintrag von Josef Anton Huber im Alpbuch, auch aus dem Jahr 1853, ist mir in lebhafter Erinnerung geblieben: „In dieser Jahrzahl haben wir schon 11 Kinder in Besitz, darum kann ich viel Arbeit brauchen …“
Sein Bruder und Gehilfe Gottlieb Huber starb am 23.2.1835 im Alter von 30 Jahren an den Folgen des „Blutbrechens“.

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Foto: Archiv Walser Museum, wamu-879, Geburts- und Wohnhaus der Familie Huber, heute noch im Besitz der Nachkommen

Franz Josef Bader (1793-1872) und Josef Alois Bader (1798-1880) hatten ihren Wohnsitz in Mittelberg-Tobel. Ihr Vater Wendelin stammte aus Mellau und hatte sich mit seiner Frau Katharina Moosbrugger in Baad niedergelassen. Hier ein Auszug aus Alfons Köberles Geschlechterchronik: Sie ist (die Familie Bader, Anm.) keineswegs seßhaft geblieben, denn schon die dritte Generation ist restlos wieder weggezogen oder haben im Allgäu oder im Bregenzerwald ihren Ehepartner gefunden. Wenn auch der Einwanderer Wendelin Bader (1762-1828), samt seiner Ehefrau M. Kath. Moosbrugger (1768-1831) von Mellau im Bregenzerwald gebürtig sind, so dürfte die ursprüngliche Abstammung doch auf Damüls zurückgehen. Wendelin Bader lebte im ersten Jahrzehnt in recht ärmlichen Daseinsverhältnissen; er wohnte jahraus, jahrein in einer Derren-Alphütte bei Baad, besorgte viele Alpsommer die Hirtschaft in der Derrenalpe und betrieb vorwiegend eine konzessionierte Schnapsbrennerei. Aus dieser Haupttätigkeit ergab sich der eingebürgerte Hausname „z Brenners Franzseff, Brenners Ann, Brenners Thresa usw. Fleiß, Schar(f)sinn und Anspruchslosigkeit ermöglichten der Fa(milie) anno 18.. den Erwerb des bäuerlichen Anwesens in Mittelberg Tobel Haus Nr. 72.

wamu-00459Mittelberg-Tobel, das dritte Haus auf der rechten Straßenseite war das Haus Nr. 72 (heute steht hier die Wohnanlage Walserstraße 312), Foto: Archiv Walser Museum, wamu-459

Während Franz Josef Bader ledig blieb, heiratete Josef Alois Bader wie es Alfons Köberle nennt „im Jänner 1848 in den elterlichen Besitz der Nachbarin M. Regina Fritz (1818-1883, Linie II, auch Mittelberger Fritzen genannt) in Mittelberg Rohr Haus Nr. 76 (heute Rohrweg 12) ein, wo sie bis an ihr Lebensende hausten und sieben Kinder zu bekanntlich tüchtigen Menschen aufzogen. Als die Eltern 1880 und 1883 das Zeitliche segneten, hatten schon fast alle Kinder einen eigenen Hausstand außerhalb des Tales gegründet und nur die Tochter M. Katharina blieb im Walsertal, heiratete den Maurer Jakob Zweng aus Reichenbach/Allgäu, und übernahm die elterliche Heimat im Rohr Nr. 76.

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Jos. Alois Bader (1898-1880) mit Ehefrau Regina Fritz (1818-1883), Foto aus: Walser Geschlechter, Band II, Abler-Ernst, S. 93 von Alfons Köberle

Ein anderer, spekulativer Grund, dass die Beteiligung von der Familie Bader bei der Erlegung des „letzten“ Luchs im Kleinwalsertal in Vergessenheit geriet, könnte auch sein, dass die Familie weniger Ansehen besaß, bzw. da die Nachkommen nicht mehr im Tal sesshaft waren, in Vergessenheit gerieten.

Ob es wirklich der letzte Luchs im Kleinwalsertal war, bleibt ebenso eine spannende Frage. Auch wenn bisher in der heutigen Zeit der Nachweis nicht erbracht wurde, so wird zumindest vermutet, dass ein Luchs im Tal sein könnte.

Stefan Heim

 

Bilder Archiv Walser Museum

Zur Abwechslung ein paar Bilder aus dem Archiv des Walser Museums in Riezlern.
Wer mehr über die Bilder weiß, bitte um Mitteilung!

wamu-02429Sägewerk in Riezlern, Jahr ? auf jeden Fall nach 1936 (wamu-2429)

wamu-02430welche Alphütte? (wamu-2430)

wamu-02431Ifenhütte, Jahr ? (wamu-2431)

wamu-02432Alte Lüchlealp, 1930er Jahre, Postkarte wurde am 5.9.1935 bei der Post aufgegeben,
Foto Willy Zitzelsberger (wamu-2432)

wamu-02433Bernharda Gäänschtl (Bernhards Gemstel), mit rückseitigem Vermerk:
„Mein liebes Gemsteltal sei gegrüßt vieltausend mal“ (wamu-2433)