Rodelsport im Kleinwalsertal

wamu-5640Harschchatza (Harschkatze), kleiner Rodel/Schlitten der zum Materialtransport verwendet wurde – zwei Kufen aus massiven Buchenbrettern, Sitzbrett aus Fichtenholz, Bezeichnung: LH. Archivnummer: wamu-5640, alte Inventarnummer: Ta 304, 12,5 x 53,5 x 30,3 cm.

Schlitten und Harschchatza wurden im Kleinwalsertal ursprünglich wohl fast ausschließlich für Tätigkeiten in der Land- und Forstwirtschaft verwendet. Heute sehen vermutlich die meisten Bürger des Tales das Rodeln als Freizeitbeschäftigung vor allem für Kinder.

Es gab allerdings eine kurze, heute so gut wie nicht mehr bekannte Episode im Kleinwalsertal, wo der Rodelrennsport besonders gefördert wurde.

Am 1. Dezember 1912 wurde die Gesellschaft „Rodelsport Riezlern“ gegründet.
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Zweck der Gesellschaft war den Rodelsport zu erhalten und fördern, sämtliche Rodler zu vereinigen und in ein geordnetes Wesen zu führen. Mitglied konnte jede Person beiderlei Geschlechts ab 16 Jahren werden. An den Rodelrennen durften sich alle Männer von 17 Jahren und Frauen von 16 Jahren an, beteiligten. In Punkt 6 der Anweisungen wurde angeführt, dass die Leitung der Gesellschaft aus den männlichen Mitgliedern eine Verwaltung gewählt wurde. Leopold Wüstner als Kassier und Alfons Köberle als Schriftführer zeichneten die Bestimmungen im Protokollbuch. Vorstand wurde der Riezler Kaplan Peter Längle, der auch gleich mit dem Pfarrherrn von Riezlern, Julian Längle und Doktor Ludwig Hämmerle zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Insgesamt sind 25 Damen und 34 Herren als Mitglieder des Vereins angeführt.

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Laut dem Stammbuch wurde der Rodelsport im Winter 1909/1910 vom Gemeindearzt Dr. Ludwig Hämmerle als erstem Rodler des Tales eingeführt. Auf Anregung des Riezler Pfarrers Julian Längle wurde im Dezember 1909 der erste Rodelweg erstellt und zwar „von Jod. Matts Schwand in 2 Kurven durch das Feld der Theresia Drechsel an die Straße. Am 23. Jänner 1911 fand das 1. Rodelrennen für Männer vom „Sack“ und für Frauen vom „Gehrentobel“ bis an die Straße bei Witwe Theresia Keßlers Haus statt. Rodelkönig wurde Pfarrer Julian Längle, der ein Preisgeld von 1 Mark 20 bekam. Rodelkönigin wurde Filomena Schuster, die für den 1. Rang ein Preisgeld von 70 Pfennig bekam. Danach wurde laut Protokollbuch bis zum Jahr 1913 eine Rodelbahn erstellt und Rodelrennen veranstaltet. Der letzte Eintrag im Buch stammt vom 9. Februar 1913. Ob im Winter 1913/14 noch Rodelrennen stattfanden oder der Verein noch Bestand hatte muss aus heutiger Sicht leider offen bleiben. Spätestens mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs im Jahr 1914 war er wohl mit ziemlicher Sicherheit Geschichte.

Empfehlenswert ist ein Besuch der Wintersportausstellung „Die Pionierzeit des Skilaufs von 1895-1940“ von Max Kessler im Walserhaus in Hirschegg. Neben der Skiausstellung findet sich hier auch eine interessante Auswahl an Rodeln, Schlittschuhen und anderen Wintersportgeräten.

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